Dr. Guido Krüger
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Unternehmertestament: Zeit für Planung und Gestaltung nehmen

Das Unternehmertestament ist ein Dokument von großem Wert und großer Bedeutung. In seiner Kolumne schreibt Dr. Guido Krüger, Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt, warum es maßgeblich über die unternehmerische Kontinuität, den Familienfrieden und den Erhalt des aufgebauten Vermögens entscheidet.

Finanzdienstleister, Honorarberater, Vermögensverwalter und Co. stehen nicht nur Tag für Tag vor der Herausforderung, die Interessen ihrer Mandanten zu fördern, sondern auch als Unternehmer mit strategischer Weitsicht zu agieren. Dazu gehört natürlich die verantwortungsvolle Nachfolgeplanung, welche die Interessen der Familie, seiner Mitarbeiter und der Mandanten gleichermaßen berücksichtigt. Und das eben bei weitem nicht nur mit Blick auf das dereinstige natürliche Ableben: Es muss auch darum gehen, die Kontinuität des Unternehmens im plötzlichen Erbfall zu sichern.

Es gilt daher, frühzeitig sinnvolle Regelungen zu entwickeln, um eine optimale Unternehmensnachfolge sicherzustellen und den Generationswechsel für alle Seiten fließend zu gestalten. Die Rede ist vom Unternehmertestament, das in der Regel weit über die Verfügungen eines normalen Testaments hinausgeht – weil es eben die Weitergabe eines Unternehmens beinhaltet.

Im besten Falle steht die Unternehmensnachfolge bereits fest, und es können im Rahmen dieser „vorweggenommenen Erbfolge“ alle zehn Jahre die erbschaftsteuerlichen Kinderfreibeträge neu ausgenutzt werden. Am Ende steht dann das Unternehmertestament als das rechtssichere und stabile Dokument, das weitere Verfügungen beinhaltet, beispielsweise über die Verteilung der übrigen Vermögenswerte.

 

Erbengemeinschaft besser vermeiden

Bei dem Unternehmertestament sollte übrigens unbedingt vermieden werden, dass das Unternehmen in die Hand einer Erbengemeinschaft fällt. Die Verwaltungsregeln bei der Erbengemeinschaft sind außerordentlich kompliziert und schwerfällig. Daher sollte im Sinne des Vermögensschutzes auf eine Alleinerbeneinsetzung geachtet werden, ferner muss die Abstimmung zwischen Testament und Gesellschaftsvertrag im Fokus stehen. Die nicht mit der Unternehmensnachfolge bedachten Erben können im Wege des Zugewinnausgleichs zum Beispiel Bargeld und/oder Immobilienvermögen erhalten oder auch vom Unternehmensnachfolger aus den laufenden Erträgen ausgezahlt werden, um die Ansprüche gegen das Erbe gerecht zu verteilen.

Wichtig: Das Unternehmertestament kann den rechtlichen (und steuerlichen) Rahmen für den gelungenen Vermögensübergang schaffen – es kann diesen aber nicht verordnen. Die frühzeitige Einbeziehung des/der „Unternehmenserben“ im Wege der vorweggenommenen Erbfolge sollte stets Vorrang vor der Anordnung der Unternehmensnachfolge via Testament haben, die den/die Erben sehr plötzlich treffen und das Unternehmen beschädigen kann.

Haben Unternehmer kein Testament errichtet, kann dies vor allem bei einem Notfall problematisch werden. Eine fehlende testamentarische Regelung führt zwangsläufig dazu, dass die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt und dann auch möglicherweise noch minderjährige Kinder Gesellschaftsanteile nach der gesetzlichen Quote erben. Das wiederum führt zu großem Aufwand, um die Folgen der Zersplitterung des Vermögens innerhalb der Familie so gering wie möglich zu halten – gerade in einer Zeit, in der sehr persönliche Dinge eine übergeordnete Rolle spielen. Daher ist gerade für junge Unternehmer oft die gegenseitige Erbeinsetzung über das sogenannte Berliner Testament die erste Wahl, um das Notwendige abzusichern. Dann tritt der Ehegatte im plötzlichen Erbfall die Nachfolge an und kann weitere Schritte zur Vermögenssicherung ergreifen. Im Laufe der Jahre kann und sollte dies dann zwar immer wieder hinterfragt und angepasst werden, für die frühen Jahre bildet diese Lösung der Erfahrung nach oft die sicherste Lösung.

 

Nicht an Dritte übertragen

Da das Testament des Erblassers eine höchstpersönliche Verfügung ist, kann die Entscheidung über die Person des Erben und den Gegenstand der Zuwendung grundsätzlich nicht an Dritte übertragen werden. Zulässig ist jedoch qua Rechtsprechung, dass der Unternehmer seinen Ehegatten als Vorerben einsetzen kann, der dann die Befugnis erhält, unter den Kindern den geeigneten Nacherben/Betriebsnachfolger auszusuchen.

Ebenso wichtig: Gesellschaftsrecht schlägt Erbrecht! Ist der Unternehmer nicht Alleinunternehmer, sondern Gesellschafter einer Personengesellschaft, müssen die Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages daraufhin überprüft werden, ob die Unternehmensnachfolge überhaupt im Testament geregelt werden kann und ob der Gesellschaftsvertrag eine Beteiligung der Nachkommen im gewünschten Sinne zulässt.

Das Unternehmertestament ist ein Dokument von großem Wert und großer Bedeutung. Es entscheidet maßgeblich über die unternehmerische Kontinuität, den Familienfrieden und den Erhalt des aufgebauten Vermögens. Deshalb sollte für die Planung und Gestaltung viel Zeit zur Verfügung stehen.

 

Dr. Guido Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Mitglied des weltweiten Leitungsausschusses. Er berät Familienunternehmen bei sämtlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen und begleitet Familienunternehmer dabei, wirksame Modell für den privaten Vermögensschutz und die langfristige Entwicklung des Privatvermögens zu entwickeln. Mehr Informationen unter www.beiten-burkhardt.de