Venezuela: Freier Zugang zum Dollar dank Kryptowährung

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Ökonomen schätzen die aktuelle Inflationsrate auf 6.000 Prozent. Der venezolanische Mindestlohn von 392.546 Bolivar pro Monat ist zu offiziellen Wechselkursen gerade noch 7,90 US-Dollar wert. Auf dem Schwarzmarkt erhält der Arbeitnehmer für seinen Mindestlohn lächerliche 70 US-Cents. Gleichzeitig sind Güter des täglichen Bedarfs wie Milch oder WC-Papier knapp. Ladeninhaber verkaufen sie vorzugsweise unter der Hand für harte Devisen. 

Doch Venezolaner dürfen ihre sauer verdienten Bolivars nur auf offiziellen Kanälen gegen US-Dollars oder andere Währungen tauschen. Da die Regierung aus politischen Gründen einen überhöhten Wechselkurs aufrechterhält, muss sie, um ihre Devisenreserven zu schützen, den Zugang zu ausländischen Währungen beschränken. Normalbürger haben daher geringe Chancen, legal an die heiß begehrten Dollars zu kommen. Wechseln sie ihre Ersparnisse hingegen schwarz, droht ihnen im schlimmsten Fall eine Gefängnisstrafe.
 

Zcash verschafft Anonymität

Dies will Zooko Wilcox, der Gründer der Kryptowährung Zcash, verhindern. Seine Zcash Company arbeitet deshalb mit dem bei Venezolanern beliebten mexikanischen Überweisungsportal AirTM zusammen. Die Idee dahinter: Venezolanische Nutzer sollen auf AirTM ihre Bolivars nicht mehr direkt in Dollars tauschen, sondern zuerst Coins der Kryptowährung Zcash kaufen. Denn der Erwerb von Kryptowährungen ist in Venezuela zurzeit (noch) erlaubt. Und der Zwischenschritt über Zcash verschleiert das verbotene Schwarzmarktgeschäft mit amerikanischen Devisen.

Im Gegensatz zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen erlaubt Zcash nämlich eine vollständig anonyme Abwicklung von Transaktionen. Es ist möglich, Sender, Empfänger und Betrag verschlüsselt in der Blockchain zu speichern, sodass die anderen Teilnehmer des Zcash-Systems diese Daten nicht mitbekommen. Zcash hat gegenüber dem Bitcoin zudem den Vorteil, dass die Transaktionsgebühren tiefer sind. Und AirTM verzichtet beim Kauf von Zcash bis auf einen Fixbetrag von 0,30 Dollar auf eigene Gebühren.
 


Gefahr durch venezolanische und amerikanische Behörden

Seit März haben bloß 500 der 168.000 venezolanischen AirTM-Kunden Zcash zur Verschleierung ihrer Devisenkäufe verwendet. Das geringe Interesse erklärt, weshalb die venezolanischen Behörden bisher nicht reagiert haben. Sobald indessen breite Bevölkerungskreise Zcash nutzen, dürfte die Antwort der Regierung nicht auf sich warten lassen.

Gefahr droht auch von amerikanischer Seite, zumal die USA gegenüber Venezuela strenge Sanktionen verhängt haben. Erst im März hat Präsident Trump den Amerikanern per Dekret verboten, Venezuelas staatseigene Kryptowährung, den Petro, zu erwerben. AirTM-Gründer Ruben Galindo Steckel glaubt jedoch, sein Angebot sei nicht von den US-Sanktionen betroffen. Diese richteten sich ausschließlich gegen das venezolanische Regime. AirTM habe aber keine Verbindung zu venezolanischen Unternehmen, Banken oder Behörden. Außerdem halte sich das Überweisungsportal an alle amerikanischen Geldwäsche- und KYC-Bestimmungen.