„Vergesst das Silicon Valley!“

Für viele Marktbeobachter sorgt der wirtschaftliche Aufschwung der Chinesen für Verunsicherung und Angst. Dahingegen ist diese Entwicklung für Chinesen eher der natürliche Lauf der Evolution.

Ist China erneut auf dem Weg zur größten Weltmacht? Geht man nach den Meinungen der wohlhabenden Einwohner Shanghais, dann ist dies die falsche Frage. Für die Chinesen ist das Land bereits auf dem Zenit angelangt. Insbesondere das smarte Unternehmertum sorgt dafür, dass das China den digitalen Wandel mitgestaltet. Vor allem die Weltkarten der Chinesen sehen das Land mittlerweile wieder als Zentrum des Planeten.

Viele junge Chinesen gehen ins Ausland, um sich unter anderem in Harvard, der wohl bekanntesten Elite-Universität der Welt, ausbilden zu lassen. Zurück in China profitieren Sie dann von den Kontakten, die sie dort geschlossen haben. So kann ein Startup-Unternehmer den Wandel in China mithilfe seines Unternehmens verdeutlichen, denn binnen weniger Jahre konnte sich die entwickelte Smartphone-App in mehr als 40 chinesischen Städten etablieren. Im Prinzip dient die App zum Vergleichen und Bewerten verschiedener Restaurants. Nachvollziehbar ist das rasante Wachstum nicht, doch für die Harvard-Absolventen ist dies keine relevante Kennziffer. Zudem verdeutlicht Pudong, der wohl glamouröseste Stadtteil Shanghais, dass China auf dem Weg zu Weltmacht ist. Für die Chinesen gilt das Stadtviertel bereits als Hotspot für kreative Ideen und hat längst das Silicon Valley überholt.


Anhaltende Verjüngung des Landes 

China steht auch aus Sicht der Politiker im Zentrum der Welt. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn die chinesischen Diplomaten täglich vor einer Landkarte mit China als Zentrum der Welt die aktuellsten Nachrichten kommunizieren. Insbesondere die Verjüngung des Landes wird im Rahmen einer jeden Rede thematisiert. Dieser Wandel steht auch für einen Wandel, der China zur Weltmacht führen wird, denn genau hierhin gehört das Land nach Ansicht der Einwohner.

Um diesen Wandel für andere erträglicher zu gestalten, finden vor allem zwei Wörter eine wichtige Bedeutung: „Win-win“. Dies ist eben jene Formel, welche sich die Regierung auf die Fahne geschrieben hat. Vor allem Europa und die USA fürchten den anhaltenden Aufstieg des Landes. Dabei bedeutet die Win-win-Philosophie die Möglichkeit, dass alle Volkswirtschaften von der Entwicklung des Landes profitieren würden. Ein deutliches Beispiel ist etwa ZTE, denn der Konzern bezieht Software und Halbleiter aus den USA, um somit den neuen Mobilfunkstandard 5G zu entwickeln. Aus diesem Grund sei dieses Geschäft eine positive Entwicklung für die USA und den Rest der Welt. Zudem bedeutet die Investition in ein deutsches Unternehmen nicht, dass der Industriestandort ausgebeutet werde, sondern das deutsche Unternehmen einen Zugang zum Wirtschaftsstandort China erhalten.

Die negative Meinung, welche eine Investition eines chinesischen Investors mit sich bringt, hat die Regierung jedoch selbst zu verantworten. Zudem loben wohl viele Dax-Vorstände den Wirtschaftskrieg gegen China, denn die Strategie Made in China 2025 verdeutlicht, dass China bis 2025 die Vorreiterrolle bei vielen Schlüsselindustrien übernehmen möchte. Vor allem der Kauf von Knowhow im Ausland ist im Rahmen dieses Ziels ein adäquates Mittel.


Hohe Verschuldung chinesischer Unternehmen 

Kritisch wird die gesamte Situation, wenn ein genauer Blick auf chinesische Unternehmen geworfen wird. Die Verschuldung lag im Jahr 2017 bereits bei 170 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vor allem, wenn es um strategisch wichtige Technologien geht, dann gibt es immer ausreichend Geld von den Staatsbanken. Vor allem die Kredite der chinesischen Banken sorgen für Unverständnis bei westlichen Unternehmen. Doch dies ist der chinesischen Regierung egal, denn langfristig sollen die Schlüsseltechnologien aus dem Reich der Mitte kommen.