Vermögensallokationen im Wandel: Grüne Zentralbanken auf dem Vormarsch

In den letzten Jahren hat das Bewusstsein der Zentralbanken für Klimarisiken und das Finanzsystem – und den potenziellen Einfluss auf die Geldpolitik – zugenommen. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist das Network for Greening the Financial System, das 2017 gegründet wurde und derzeit 35 Zentralbankmitglieder zählt. Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, Maßnahmen zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens abzustimmen und grüne Investments zu fördern.

Allerdings wurden bisher kaum Überlegungen dazu angestellt, wie sich mittels einer Allokation ihrer Devisenreserven in Anleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“ gesellschaftlicher und umweltbezogener Nutzen stiften lässt, der seinerseits zur Begrenzung der Klimarisiken beiträgt und zugleich die Bestrebungen der Banken zur Diversifizierung ihrer Vermögensallokation erfüllt.

Die Praktiken zur Verwaltung der Währungsreserven (Management der von einer Zentralbank gehaltenen Vermögenswerte, sodass sie ihre Verbindlichkeiten bedienen kann, zum Beispiel die von der Zentralbank ausgegebene Währung) haben sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt und sind dabei den Asset-Management-Praktiken insgesamt immer ähnlicher geworden. Die Zentralbanken sind schrittweise zu stärker ertragsorientierten Strategien übergegangen, was sich am deutlichsten in einer Erweiterung des Anlageuniversums, einem verstärkten Einsatz externer Verwalter und der Einrichtung von spezialisierten Staatsfonds gezeigt hat.

Zudem sind die Entscheidungsprozesse strukturierter geworden. Die Zentralbanken setzen für den Entwurf und die Umsetzung ihrer Investmentstrategien zunehmend auf Top-down-Ansätze und auf eine verstärkte funktionale Trennung spezifischer Aspekte des Prozesses.

Die Aktien- und Unternehmensanleihenmärkte haben am meisten von dieser Entwicklung profitiert – und die Chancen an den Anleihemärkten dürften für Zentralbanken attraktive Rahmenbedingungen schaffen, um ihr Portfolio mit dem schnell wachsenden Segment für Anleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“ zu diversifizieren.

Grüne, soziale und nachhaltige Anleihen sind Anleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“. Die Finanzierung fließt also ausschließlich in vorab festgelegte Projekte mit umweltbezogenem, gesellschaftlichem oder nachhaltigem Nutzen (Abbildung 1). Noch bis vor Kurzem führte dieses Emissionssegment ein Schattendasein, doch das hat sich in den vergangenen 18 Monaten geändert.

Abbildung 1: Unterschiedliche Anleihearten

Quelle: ICMA/Columbia Threadneedle Investments. August 2018

Columbia Threadneedle Investments ist bei Strategien mit positiver sozialer Wirkung führend und ermutigt Emittenten aktiv dazu, Nachhaltigkeitsaspekte und soziale Themen zu berücksichtigen. Gleichermaßen rufen wir die Zentralbanken dazu auf, bei ihren Überlegungen zu diesem Segment des Anleihemarkts die Ergebnisse zu berücksichtigen, zum Beispiel in den Bereichen Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Wohnen. Zwar liegt das Hauptaugenmerk der Zentralbanken auf dem Klimawandel, aber eine Investition in oben beschriebene soziale Projekte ist für die Erzielung der angestrebten Umweltergebnisse nach wie vor wichtig.

Bislang haben die Zentralbanken allerdings kaum in dieses Marktsegment investiert. So haben laut einer Studie von HSBC aus dem Jahr 2017 nur 10 % der Zentralbanken grüne Anleihen im Portfolio.

 

Steigende Nachfrage

Ein wesentlicher Faktor für die zunehmende Emissionstätigkeit ist neben der steigenden Anlegernachfrage die Einführung von Best-Practice-Kodizes: 2014 veröffentlichte die International Capital Markets Association (ICMA) ihre „Green Bond Principles“, bei denen es sich um ein Rahmenwerk mit freiwilligen Prozessleitlinien handelt, die Transparenz und Offenlegung fördern sollen. Eine überarbeitete Version folgte im Juni des vergangenen Jahres. Die „Social Bond Principles“ für soziale Anleihen und die „Sustainable Bond Guidelines“ für nachhaltige Anleihen erschienen im Juni 2017.

Angaben von Bloomberg zufolge gab es im Jahr 2018 über 570 Emissionen von grünen, sozialen und nachhaltigen Anleihen, dies in mehr als 30 Währungen und in 50 Ländern. Diese Tendenz hat sich 2019 fortgesetzt: Seit Jahresbeginn wurden 197 Papiere im Volumen von 66,3 Mrd. US-Dollar begeben. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Emissionsanstieg von 25 % (Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Anstieg der Emissionen von Anleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“ (verw. Verm.)

Source: Bloomberg, April 2019

Erfreulich an diesem Wachstum ist die Bandbreite der Emittenten. Zentralbanken dürften das wachsende Emissionsaufkommen von Staatsanleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“ als positives Signal für öffentliche Institutionen bewerten, die das Liquiditätsprofil von Staatsanleihen mit „allgemeiner Verwendung der Emissionserlöse“ erhalten wollen, denn erstere bieten das gleiche Liquiditätsprofil wie letztere. Spanien und die Niederlande werden in den nächsten Monaten voraussichtlich solche Anleihen begeben und damit in die Fußstapfen vieler anderer Länder treten, die kürzlich eigene Papiere ausgegeben haben (Abbildung 3).

Grüne Anleihen sind gegenwärtig die erste Wahl, aber wir würden es begrüßen, wenn Staaten auch nachhaltige und soziale Anleihen begeben würden. Immerhin ließen sich die von vielen dieser Institutionen in Betracht gezogenen Projekte, zum Beispiel im Bereich Transport und Infrastruktur, problemlos einem sozialen Ziel zuordnen.

 

Abbildung 3: Ausgewählte Staatsanleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse"

Quelle: Columbia Threadneedle Investments, April 2019

Wir gehen davon aus, dass Nachhaltigkeitsemissionen weiter an Beliebtheit gewinnen, woran die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (UN SDGs) einen wesentlichen Anteil haben werden. Mit der Manifestation der globalen Entwicklungsprioritäten haben sich diese Ziele sowohl für Investoren als auch für Regierungen als Wegweiser für die Investition in eine nachhaltigere Welt erwiesen.

Festzinsprodukte können zur Förderung und Erreichung dieser Ziele beitragen, denn mit ihnen können Anleger in verschiedene Projekte investieren, die strenge Standards einhalten und ein transparentes Impact Reporting bieten. Anleihen sind ein besonders effektives Instrument für die exakte Wirkungsbestimmung, da sie die Möglichkeit und Transparenz bieten, die Ergebnisse direkt zu messen. Darüber hinaus stellt die Bereitschaft zu Engagement, freiem Dialog und dem Austausch von bewährten Praktiken (Best Practices) ein markantes Merkmal dieses Markts dar.

Die ICMA veröffentlichte unlängst ein „High-Level Mapping“, über das Columbia Threadneedle auch informiert hat. Dabei handelt es sich um eine Zuordnung der für Anleihen festgelegten Grundsätze (Bond Principles) zu den SDGs. Gemäß den Schlussfolgerungen in diesem Dokument sind grüne, soziale bzw. nachhaltige Anleihen für 15 der 17 SDGs relevant (Abbildung 4).

 

Abbildung 4: Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Quelle: United Nations

 

Fazit

Die Zentralbanken haben zwar weniger Interesse am wachsenden Markt für Anleihen mit „spezifischer Verwendung der Emissionserlöse“ gezeigt als andere Investorenkreise, aber vieles spricht dafür, dass sich dies bald ändern könnte. Die niederländische Zentralbank hat beispielsweise vor Kurzem eine „Responsible Investment Charter“ mit dem Ziel vorgelegt, das eigene Reservenportfolio zu nutzen, um die nachhaltige Entwicklung zu fördern. Unter den Zentralbanken ist diese Bekundung bisher einzigartig, lässt zugleich jedoch hoffen, dass andere öffentliche Institutionen nachziehen werden.

Ferner begrüßen wir die Empfehlung des vor Kurzem vorgelegten ersten Zwischenberichts des Network for Greening the Financial System. Eine der sechs Empfehlungen des Berichts hält Zentralbanken dazu an, Nachhaltigkeitsaspekte in das Portfoliomanagement einzubeziehen (eigene Fonds, Pensionsfonds und Reservenverwaltung).

Angesichts des gestiegenen Bewusstseins der Zentralbanken für Klimarisiken ist die Erhöhung der Kapitalallokation in Anleihen mit konkretem gesellschaftlichem und umweltbezogenem Nutzen der nächste logische Schritt.

  • Die Praktiken zur Verwaltung der Währungsreserven sind den Asset-Management-Praktiken in den letzten Jahren immer ähnlicher geworden.
  • Das wachsende Bewusstsein für die Risiken durch den Klimawandel und die Chancen an den Anleihemärkten dürften gemeinsam ein attraktives Umfeld für Zentralbanken bieten.
  • Columbia Threadneedle Investments ist bei Strategien mit positiver sozialer Wirkung führend und ermutigt Emittenten aktiv dazu, Nachhaltigkeitsaspekte und soziale Themen zu berücksichtigen.

 

Das hier zugrundeliegende Research und die Analysen sind von Columbia Threadneedle Investments für die eigenen Investmentaktivitäten erstellt worden. Aufgrund dieser sind möglicherweise bereits Entscheidungen noch vor dieser Publikation getroffen worden. Die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt geschieht zufällig. Aus externen Quellen bezogene Informationen werden zwar als glaubwürdig angesehen, für ihren Wahrheitsgehalt und ihre Vollständigkeit kann jedoch keine Garantie übernommen werden. Alle enthaltenen Meinungsäußerungen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, können jedoch ohne Benachrichtigung geändert werden.