Verzögertes Hallo

Aktionäre bleiben kritisch: HelloFresh steigerte den Umsatz, die Gewinnschwelle soll aber erst nächstes Jahr erreicht werden.

HelloFresh, der Kochboxenversender aus Berlin, hat ein ausgesprochen gutes Wachstum: Dominik Richter, der CEO des Start-ups, scheint wohl mit seinem Konzept den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Im zweiten Quartal konnte der Umsatz auf 320 Millionen Euro gesteigert werden. Das ist ein Plus von 39 Prozent. Das Ergebnis lag bei  minus 3,9 Millionen Euro und ist somit weiterhin negativ. Vergleicht man die Kennzahl vom Vorjahreszeitraum, so liegt eine Verbesserung um 77 Prozent vor. Doch warum bleiben die Aktionäre kritisch? Der größte Kritikpunkt - die Profitabilität wurde vertagt. Das Unternehmen, das mit Abo-Paketen Kochrezepte und Lebensmittel an die Mitglieder verschickt, wollte schon im vierten Quartal die Gewinnschwelle erreichen - nun wurde dieses Vorhaben auf das Jahr 2019 verschoben. Christian Gärtner, der Finanzchef von HelloFresh, begründete die Verschiebung damit, dass man in das Wachstum investieren möchte.

 

Schlechte Stimmung wegen US-Konkurrent?

Auch wenn die Analysten vom Bankhaus Lampe oder auch von JPMorgan lobende Worte für die Ergebnisse des Berliner Start-ups gefunden haben, so zeigten sich die Aktionäre jedoch nicht erfreut. Zum Teil musste das HelloFresh-Wertpapier sogar einen Einbruch von 7,7 Prozent hinnehmen. Doch weshalb reagierten die Anleger derart heftig? Unter anderem war es die extrem desaströse Performance des Konkurrenten Blue Apron aus den USA. Mit dem Börsengang startete die negative Entwicklung - Anfang August wurden dann noch extrem schlechte Quartalszahlen präsentiert. So ging der Umsatz auf 180 Millionen US-Dollar zurück - ein Minus von 25 Prozent. Insgesamt sind die Verluste somit auf rund 33 Millionen US-Dollar angestiegen. In weiterer Folge stürzte die Aktie auf den bisherigen Tiefpunkt ab - eine Erholung ist (noch) nicht in Sicht. Brad Dickerson, der CEO des US-Unternehmens Blue Apron, ist überzeugt, dass im kommenden Jahr die Gewinnschwelle erreicht wird. Jedoch musste Dickerson auch zugeben, dass dieses Vorhaben wohl nicht ganz so einfach erreicht werden wird. Zudem wurde auch die Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr nach unten korrigiert.


Ist das Geschäftsmodell überhaupt profitabel?

Die HelloFresh-Gewinnvertagung könnte die Vermutung nähren, das Geschäftsmodell sei nicht profitabel. Schlussendlich seien der Wareneinkauf und auch die Logistik extrem teuer, zudem würde man auch Unmengen in das Marketing investieren, um bekannter als die Konkurrenz zu werden. Denn immer mehr Unternehmen wollen Kochboxen verkaufen - so auch Lidl und Delivery Hero. Niklas Östberg, der Chef des Berliner Liefer-Start-ups, gab bereits bekannt, ebenfalls mit dem Gedanken zu spielen, demnächst Kochboxen anbieten zu wollen. Auch Östberg verschob das Gewinnziel seiner Firma, weil man in das Wachstum investieren wolle. Nach Bekanntgabe musste er dieselben Erfahrungen wie HelloFresh machen - die Aktie stürzte ab.