„Viel mehr als ein klassischer Technologiefonds“

Seit Anfang des Jahres ist der Digital Leaders Fund (ISIN: DE000A2H7N24) auf dem Markt, ein global investierender Aktienfonds, der den Fokus auf Gewinner der Digitalisierung legt. Wir sprachen mit Baki Irmak, der den Fonds zusammen mit seinem Partner Stefan Waldhauser lanciert hat.

Mein erster Impuls war: Nicht schon wieder ein Technologiefonds. Und das auch noch, wo der große Hype um Apple, Facebook & Co vorbei scheint. Hören Sie öfter solche Vorbehalte?

Irmak: Das sind tatsächlich zwei Vorurteile auf einmal, mit denen wir bisweilen zu kämpfen haben. Das erste Vorurteil bezieht sich darauf, dass es sich bei dem Digital Leaders Fund um einen typischen Technologiefonds handelt. Wenn Investoren das Wort Digitalisierung hören, denken viele gleich an Technologie. Und wenn man in unseren Fonds reinschaut, wird man feststellen, dass da auch eine Menge Technologiewerte drin sind. Aber nicht nur. Der Fonds ist deutlich breiter aufgestellt. Wir sind viel mehr als ein klassischer Technologiefonds.

 

Und das zweite Vorurteil?

Irmak: Das zweite Vorurteil lautet, dass viele der Titel ja schon gut gelaufen und die Bewertungen hoch sind. Bei vielen Firmen reflektiert aber die aktuelle Marktkapitalisierung das sehr sehr gute operative Ergebnis, das heißt, die Bewertungen sind den Realitäten nicht zu sehr vorausgeeilt. Viele Firmen sind vielmehr durch gute Ergebnisse in die Bewertung reingewachsen. Hinzu kommt: Die Unternehmen aus der klassischen Welt, in die wir auch investiert sind, haben mit der Digitalisierungsreise erst vor ein paar Jahren begonnen. Da ist noch kein Ende in Sicht.

Was ist denn nun anders an dem Digital Leader Funds? Wie unterscheidet sich der Fonds von herkömmlichen Technologiefonds? 

Irmak: Wir sind thematisch extrem fokussiert auf die Digitalisierung, weil wir glauben, dass genau dieses Thema maßgeblich die Zukunft aller Unternehmen bestimmen wird. Ein episches Thema und daher ein relativ breites Universum.

 

Und worauf achten Sie bei der Titelauswahl?

Irmak: Wir schauen vor allem darauf, wer die großen Profiteure der Digitalisierung sind. Auf der einen Seite sind das natürlich alle Unternehmen, die die Chancen dieser Veränderung wahrnehmen, die sich auf die Reise der digitalen Transformation begeben haben und die ihr Geschäftsmodell viel besser dem digitalen Zeitalter anpassen können als andere. Diese Kategorie nennen wir Digital Transformation Leaders. Dazu gehören ganz starke und etablierte Unternehmen, die deutlich weiter sind hinsichtlich der Digitalisierung als ihre Konkurrenten. Dazu zählen wir beispielsweise Disney oder BBVA.

 

Aber es wollen sich doch alle Unternehmen irgendwie digital aufstellen. Was ist bei diesen Unternehmen anders? 

Irmak: Unternehmen mussten sich ja schon immer anpassen. Der Unterschied zu heute ist die Geschwindigkeit. Und die notwendige Geschwindigkeit macht es für sehr viele Unternehmen so schwierig mitzuhalten. Deswegen glauben wir auch, dass die meisten Unternehmen der ersten Kategorie, also die Konzerne der klassischen Welt bei der digitalen Transformation scheitern werden. Allerdings gilt für die Unternehmen, die in ihrer Branche deutlich vorausgeeilt sind, „the winner takes it all“. Und wir haben Kriterien entwickelt, nach denen wir sehr gut die Gewinner von den Verlierern trennen können.

 

Worin investieren Sie noch?

Irmak: Die zweite Säule der Unternehmen, wir nennen sie die Digital Business Leaders, sind zumeist im digitalen Zeitalter gegründet worden. Die haben oft ein Plattform-Geschäft oder sie verkaufen ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen zu 100 Prozent. Facebook gehört in diese Kategorie, dazu gehört aber auch beispielsweise iRobot, der Anbieter von Roboter-Staubsauger, der seine Technologie demnächst ausdehnt auf andere Haushaltsgeräte.

 

Noch nicht genannt haben Sie erstaunlicherweise Softwareunternehmen? Spielen die keine Rolle?

Irmak: Doch, die finden sich in der dritten Kategorie. Das sind quasi die Architekten der digitalen Welt. Sie ermöglichen erst die Digitalisierung. Wir nennen sie die Digital Enablers. Das können Services sein, das kann Hardware sein und das kann eben auch Software sein. Die Unternehmen dieser drei Kategorien entwickeln sich am Markt sehr unterschiedlich. Dadurch erreichen wir einen positiven Diversifikationseffekt. Und der Fonds verhält sich auch deshalb ganz anders als ein klassischer Technologiefonds.

 

Welche Gewichtung haben die drei Kategorien in ihrem Fonds beziehungsweise welche Gewichtung müssen sie haben?

Irmak: Wir haben konsequent uns an den Unternehmen orientiert, als einen bottom-up-Ansatz verfolgt. Wir sind etwa bei einem Drittel pro Kategorie gelandet. Derzeit haben wir eine kleine Untergewichtung bei den Digital Transformation Leaders, also der ersten Kategorie.

 

Ihre Benchmark ist der MSCI World. Ist das wirklich aussagekräftig? Warum orientieren Sie sich nicht beispielsweise an der Nasdaq?

Irmak: Wir wollen uns ganz bewusst differenzieren von einem reinrassigen Technologiefonds, und wir haben auch eine Säule, die komplett in traditionelle Unternehmen investiert. Strenggenommen ist es immer eine Frage, wie man die Werte zuordnet. Man kann zum Beispiel Paypal Technologie zuordnen, man kann Paypal aber auch den Finanzwerten zuordnen. So ähnlich ist es mit Mastercard. Facebook und Google sind in der MSCI-Klassifizierung nun auch keine Technologiewerte mehr, sondern Kommunikationsdienste. Wir sind der Ansicht, dass der MSCI World eine passendere Benchmark ist für uns. Daran wollen wir gemessen werden. Und den MSCI World muss man auch erst einmal schlagen.