Virtual und Augmented Reality kommen in der Wirtschaft an

In den Marketingabteilungen großer internationaler Unternehmen werden die Realität erweiternde Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) trotz noch existierender technischer Probleme durchaus als interessante Erweiterung bestehender Instrumentarien angesehen. Auch deutsche Unternehmen interessieren sich zunehmend für Nutzungsmöglichkeiten, die damit umsetzbar sind. Noch aber zögern die meisten Unternehmen bei der Umsetzung in konkrete Anwendungen.

Die Hälfte der deutschen Marketing-Fachleute, die der "Bundesverband Digitale Wirtschaft" (BVDW) zum Thema befragte, sieht insbesondere in der Augmented Reality große Zukunftschancen für das eigene Unternehmen. Die Virtual Reality wird von vielen Unternehmern im praktischen Nutzwert noch nicht als gleichermaßen interessant angesehen. Sie wird momentan eher im Entertainment-Bereich eingesetzt, als in professionellen Business-Verwendungen anderer Branchen.


Die Vielseitigkeit der Anwendung

Viele Szenarien sind für die professionelle Anwendung beider Technologien denkbar. Die meisten Unternehmen in Deutschland interessieren sich bereits für mindestens eines der beiden Marketinginstrumente, um ihren Markterfolg durch neue Angebote zu erweitern und zu sichern. Die Kombination von Liveaufnahmen in Echtzeit mit virtuellen Zusatzinformationen ist aus Sicht der Entscheider durchaus attraktiv. Sie wird aber noch zu wenig genutzt. Immerhin haben fast 30 Prozent der Befragten Pläne, das zu ändern.

Als eines der Vorbilder in Sachen Augmented oder Virtual Reality gilt vielen der französische Kosmetikhersteller L'Oreal. Mit seiner neuen App "Style my Hair" bietet L'Oreal seinen frisurmüden Kundinnen die Möglichkeit, mittels einer realitätsgetreuen 3D-Darstellung im Smartphone andere Haarfarben und Frisuren auszuprobieren. Es liegt nahe, dass das Ergebnis dieser inspirierenden Selbstüberprüfung irgendwann zu einem Friseurbesuch führt. Das verbessert zwar nicht unmittelbar den Umsatz von L'Oreal, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür.


An Investitionsbereitschaft mangelt es noch

Problematisch ist nicht das mangelnde Interesse deutscher Unternehmen an solchen Technologien, sondern die spürbare Zurückhaltung, entsprechende Investitionen im nötigen Umfang zu tätigen. Neuen Technologien stehen die Deutschen eher zögerlich gegenüber. Viele Unternehmer beobachten die Möglichkeiten innovativer Businessinstrumente erst, bevor sie ihren umsatzsteigernden Nutzen als gegeben ansehen. Branchenkenner sehen jedoch eine baldige Änderung im Verhalten.

Für die Augmented Reality sieht sich die Shanghai-Filiale von "Starbucks" als einer der Vorreiter. In Kooperation mit Alibaba, dem größten Internet-Konzern der Chinesen, bietet Starbucks seinen Kunden digitale Gimmicks an. Die Starbucks-Kunden in Shanghai können per Smartphone Kaffeemaschinen, Rösttrommeln oder Sitzmöbel anpeilen, um Informationen zu Sparmöglichkeiten, Herstellungsverfahren oder anderen Interessengebieten zu erhalten. Ob das tatsächlich einen umsatzsteigernden Nutzwert hat, muss man abwarten. Auf jeden Fall erzeugt es mehr Transparenz und Informationsdichte, die die weltgrößte Starbucks-Filiale zu Marketingzwecken nutzen kann.


Realität und virtuelle Dimension

Zu erwarten steht, dass die Medizin die Grenzen zwischen realem OP und der virtuellen Realität immer weiter öffnet. Schon heute sind Operationsverfahren in der Erprobung, bei denen Bildschirmdarstellungen, Sprachbefehle und Datenbrillen die bisherigen Operationsverfahren erweitern. Am Münchner Lehrstuhl für "Informatikanwendungen in der Medizin & Augmented Reality" wird bereits an einem System gearbeitet, das weitere Neuerungen in Aussicht stellt. Zukünftig sollen Chirurgen bei einer Operation dreidimensionale Bilder nutzen können, die direkt auf die zu operierende Stelle projiziert werden. Mit dieser Technik, die die computergestützte Erweiterung der realen Operationsbedingungen darstellt, sollen Operationsfehler vermieden und die anstehende Operation exakter ausgeführt werden können.