Martin Stürner
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Virtuelle Münze mit disruptiver Strahlkraft

Facebook setzt wieder einmal an, Geschichte zu schreiben: in der vergangenen Woche gab das weltweit größte virtuelle Netzwerk seine Pläne für die Entwicklung einer eigenen digitalen Währung bekannt. „Libra“ heißt das neue Zahlungsmittel, das den mehr als 2,3 Milliarden Facebook-Nutzern schon bald zur Verfügung stehen soll.

Die neue elektronische Währung wird in Kürze mehr Menschen erreichen als US-Dollar, Euro und Yen zusammen. Namhafte Adressen wie Ebay und Vodafone unterstützen das Projekt, und auch die beiden großen Zahlungsdienstleister Mastercard und Paypal sind von Anfang an dabei. Und anders als Bitcoin & Co. soll Libra durch einen Korb von Währungen und kurzlaufenden Staatsanleihen gedeckt sein, was von Beginn an für Vertrauen sorgen soll. Die Aktie von Facebook reagierte nach der Ankündigung mit einem deutlichen Kurssprung.

Man muss kein großer Visionär sein, um sich auszumalen, welche Möglichkeiten („Per WhatsApp elektronisches Geld in Sekundenbruchzeit transferieren“) und Chancen (Kostenersparnisse für den Verbraucher), aber auch welche Risiken (Gefahr der Finanzmarktstabilität) mit Libra verbunden sind. Auch die (Finanz-)Macht von Facebook kann damit noch größer werden. 

Fakt ist, dass das Vorhaben eine gewaltige disruptive Strahlkraft hat: hier entsteht etwas völlig Neues, während die Geschäftsmodelle von traditionellen Anbietern von Gelddienstleistungen immer mehr ausgehöhlt werden. Für mich als Asset Manager ist es deshalb nicht nur folgerichtig, den Blick auf innovative Treiber aus dem IT-Sektor zu richten, sondern auch traditionelle Banken, Kreditkartenunternehmen und andere Finanzunternehmen abwägend zu betrachten. Schon jetzt haben Banken keine auskömmliche Zinsmarge mehr und schaffen es nicht, - im Gegensatz zu den FinTechs - junge digitalaffine Kunden an sich zu binden. Ob und wie Libra kommt, wird sich erst zeigen. Die umwälzenden Impulse, die von der neuen Geschäftsidee ausgehen, sind aber unbestreitbar.