Volkswagen arbeitet an der Mobilität der Zukunft

Der Wolfsburger Automobilhersteller stand in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund des Dieselskandals in der Kritik. Die Aufarbeitung der Folgen spielt noch immer eine Rolle im Geschäftsalltag. Doch insbesondere die Neuausrichtung des Konzerns und die Entwicklung des Automobils der Zukunft rückt immer weiter in den Fokus.

Der Konzern setzt auf Wolfsburg als Entwicklungsstandort für die smarten Komponenten. Zentrum der Entwicklung ist die Halle 90b, denn hier treibt das Unternehmen die Vernetzung, Digitalisierung und die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte voran. Das Gebäude mutet in Anbetracht des restlichen Werksgeländes nahezu futuristisch an und erweckt nicht den Eindruck einer klassischen Halle. Das gesamte Gebäude besteht Glas und Beton. Alle Büros sind mit ausreichend Tageslicht ausgestattet. Das ansprechende Arbeitsumfeld soll die Aufbruchsbereitschaft des Unternehmens verdeutlichen und die Offenheit gegenüber neuen Arbeitsmethoden widerspiegeln. Insgesamt arbeiten mehr als 1.400 Menschen in der Halle 90b und setzen sich mit den Megatrends in der Automobilindustrie auseinander. Hierzu gehören etwa die Digitalisierung des Geschäfts, die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte sowie die Vernetzung im Rahmen des Internet of Things. Bestätigt werden die unterschiedlichen Aufgabenfelder von Ralf Zöller, dem Entwicklungschef für Elektronik und Elektrik. Dieser gibt an, dass Volkswagen den Wandel vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister vollziehen möchte. Das Auto der Zukunft ist demnach ein Bestandteil in einer vernetzten Welt.

In Zukunft sollen Fahrzeuge vollständig vernetzt sein – moderne Bedienungsmethoden wie eine intelligente Sprachsteuerung gehört dabei zu den Standards. Vorbild sind die intelligenten Sprachassistenten von BMW oder Mercedes. Die Software soll die Bedürfnisse des Nutzers erkennen und entsprechend reagieren. Vor dem Beginn der Digitalisierung vergab VW ein Großteil der Software-Entwicklungsprojekte an externe Dienstleister. Mittlerweile finden die meisten Innovationen intern statt. Für eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Umwelt müsse laut Zöller zudem der 5G-Standard eingeführt werden. Nur so wäre eine ausreichende Netzabdeckung zu erzielen.

UX-Lab zur Entwicklung des Zukunftscockpits

Neben der reinen Funktionalität legt Volkswagen einen besonderen Wert auf die User Experience (UX). Hierfür hat der Konzern ein eigenes UX-Labor geschaffen. Zum aktuellen Zeitpunkt arbeiten die Ingenieure und Designer an der Entwicklung des Zukunftscockpits. Untersucht werde der perfekte Aufbau eines Cockpits mit zwei Bildschirmen. Vor allem die Positionierung und die Anzahl an Funktionstasten werden erforscht. Hierfür dienen digitale Testfahrten, welche von unterschiedlichen Nutzern durchgeführt werden. Gemessen werden Abweichungen von der Fahrbahn bei der Suche nach einzelnen Funktionen. Um eine perfekte Funktionalität zu gewährleisten werden die Fahrzeuge teilweise in die entsprechenden Einzelteile demontiert. Die einzelnen Teile werden anschließend miteinander verbunden, wobei zusätzliche Messinstrumente implementiert werden. Durch diesen Ansatz haben die Entwickler die Möglichkeit, die einzelnen Bestandteile auf die korrekte Funktionsweise zu überprüfen.

Schlussendlich vereint das VW Simlab zehn interdisziplinäre Teams, die neue Features entwickeln sollen. Hierzu gehören Technologien wie autonomes Fahren im Parkhaus oder die automatisierte Suche nach einem Parkplatz. Die Entwickler arbeitem ausschließlich virtuell, sodass Fehler schneller identifiziert und behoben werden können. Sämtliche Rechenoperationen erfolgen mithilfe von Cloud-Diensten. Der Vorteil ist die freie Skalierbarkeit der verfügbaren Kapazität.

Der digitale Wandel zwingt laut Zöller die gesamte Industrie zum Handeln, sodass der Bedarf an Fachpersonal weiterhin zunimmt. Insbesondere IT-Mitarbeiter werden in nahezu jeder Industrie händeringend gesucht.