Volkswagen: Zulieferer bereitet Milliardenklage vor

Die Prevent-Gruppe will Volkswagen auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen. Grund dafür ist, dass VW dem Zulieferkonzern die Zusammenarbeit fristlos gekündigt hat.

Nach dem Abgasskandal und dem Kartellvorwurf gegen MAN droht Volkswagen neues Ungemach: Am Montag wurde bekannt, dass der Zulieferkonzern Prevent vorhat, den Autohersteller auf Schadensersatz zu verklagen. Insider sprechen von einem Streitwert von zwei Milliarden Euro. Hintergrund der geplanten Klage ist ein Konflikt, der dazu führte, dass Volkswagen die Verträge von drei Unternehmen der Prevent-Gruppe fristlos kündigte.


Lieferboykott mit Spätfolgen


Die Schwierigkeiten begannen, als Volkswagen der Prevent-Tochter Car Trim im Sommer 2016 einen Entwicklungsauftrag für neue Sitzbezüge entzog – angeblich wegen Qualitätsproblemen. Dies wollte die Prevent-Gruppe, hinter der der bosnische Investor Nijaz Hastor steht, nicht auf sich sitzen lassen. Kurzerhand stoppte sie die Lieferung sämtlicher Sitzbezüge an VW. Um den Druck zu erhöhen, unterbrach der Zulieferkonzern auch die Lieferungen der ES Automobilguss, einer Herstellerin von Getriebeteilen, die er erst kürzlich erworben hatte. Zwei einstweilige Verfügungen gegen den Lieferstopp brachten Prevent nicht zum Einlenken.

Nachdem die Produktion in den VW-Werken Wolfsburg und Emden wegen des Boykotts tagelang stillgestanden hatte, gab Volkswagen nach. Der Autohersteller vereinbarte mit der Prevent-Gruppe ein Eckpunktepapier, das die Verlängerung der Zusammenarbeit um mindestens sechs Jahre vorsah. Doch anderthalb Jahre später, am 21. März 2018, kündigte VW die Zulieferverträge der Prevent-Töchter Car Trim, ES Automobilguss und Prevent Foamtec fristlos. Der Lieferboykott habe das Vertrauensverhältnis massiv und nachhaltig beschädigt.


Eingehungsbetrug oder anfechtbarer Vertrag?


Prevent will nun auf Schadensersatz klagen. Der Zulieferkonzern wirft Volkswagen einen Eingehungsbetrug vor. Wie die Wirtschaftswoche Anfang April enthüllte, hatten die Wolfsburger tatsächlich nie vor, sich an das vereinbarte Eckpunktepapier zu halten. Vielmehr arbeiteten sie im Geheimen daran, die Zulieferer der Prevent-Gruppe zu ersetzen. Um die neuen Lieferanten zur Übernahme der Aufträge zu befähigen, gab Volkswagen offenbar 159 Millionen Euro aus.

Dennoch verneinen die Wolfsburger einen Eingehungsbetrug. VW macht geltend, das Eckpunktepapier sei unter erpresserischen Bedingungen zustande gekommen. Man habe der Gegenseite schon damals mitgeteilt, dass man die Vereinbarung für anfechtbar halte.