VW-Spitze soll weiblicher und jünger werden

VW-Chef Matthias Müller will mehr Frauen in den Führungspositionen des Volkswagen-Konzerns. Zudem soll das Management des Autoherstellers jünger und internationaler werden.

Matthias Müller übernahm das Ruder bei Volkswagen, nachdem sein Vorgänger Martin Winterkorn wegen des Diesel-Skandals das Vertrauen der Aktionärsfamilien Porsche und Piëch verloren hatte. Müller trat mit dem Versprechen eines Kulturwandels an. Mittlerweile haben sich die Umsatz- und Gewinnzahlen erholt. Zwei Drittel der Beschäftigten stellen gemäß einer Umfrage des Betriebsrates jedoch keinen Wandel der Unternehmenskultur fest.

In einem Interview in der jüngsten Ausgabe des Spiegels widerspricht Müller, die Unternehmenskultur habe sich unter ihm sehr wohl gewandelt. Früher habe bei betriebsinternen Veranstaltungen kaum jemand gewagt, kritische Fragen zu stellen. Heute müsse man vielmehr aufpassen, dass die Fragerunden nicht zu lange dauerten.

Mehr Diversity im Management

Ein großes Problem sieht Müller indes bei der mangelnden Vielfalt im Management. Volkswagen müsse "weiblicher, jünger und internationaler" werden. Aktuell ist Hiltrud Werner, die Leiterin des Geschäftsbereichs "Recht und Integrität" die einzige Frau im neunköpfigen Konzernvorstand. Und im gesamten Top-Management liegt der Frauenanteil gerade einmal bei 10,4 Prozent. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll er gemäß Geschäftsbericht 2017 um zweieinhalb Prozentpunkte steigen. Auch in der zweiten Führungsebene sind die Frauen mit 14 Prozent schwach vertreten. Bis 2021 will VW hier eine Zielquote von 16,9 Prozent erreichen.

Matthias Müller, dessen Vertrag im Jahr 2020 ausläuft, wünscht sich einen jüngeren Nachfolger. Damit wendet er sich gegen Markenchef Herbert Diess, der als aussichtsreicher Nachfolgekandidat gehandelt wird. Als 60-Jähriger sei dies zwar noch nicht alt, und Erfahrung sei an der Konzernspitze wichtig, betont Müller. Allerdings benötige der Vorstand eine Verjüngung. Derzeit liegt das Durchschnittsalter an der VW-Spitze bei 60 Jahren. Jüngstes Vorstandsmitglied ist die 52-jährige Hiltrud Werner.

Mit einem Fuß im Gefängnis

Müller selbst kann sich nach seinem Rücktritt einen Wechsel in den Konzernaufsichtsrat vorstellen. Das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden reizt ihn aber nicht. Er wolle mehr Zeit haben für Familie, Freunde und Hobbys.

Die Spiegel-Journalisten sprachen den VW-Chef auch auf sein Gehalt an, das 2017 um knapp 40 Prozent auf 9,5 Millionen Euro zulegte. Für Müller reflektiert dieser Betrag die volkswirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens. Zudem enthalte er eine Risikoprämie. Als Konzernchef stehe er nämlich "immer mit einem Fuß im Gefängnis". Im Übrigen hält Müller die emotionsgeladene Debatte über die Höhe seines Gehalts für typisch deutsch. In den USA verdiene ein CEO bis zu 50 Millionen Dollar pro Jahr, und niemand rege sich auf, sofern er seine Arbeit gut mache.