Warren Buffett bricht seine eigene Regel und verdient damit sechs Milliarden

Das zweite Quartal 2018 lief ausgezeichnet für Berkshire Hathaway, allein bis Ende Juni konnte die Beteiligungsgesellschaft den operativen Gewinn auf 6,9 Milliarden Dollar steigern. Das sind im Jahresvergleich sagenhafte 67 Prozent. Die Mitteilung kam Ende Juli vom Hauptsitz des Konglomerats in Omaha (Nebraska). Berkshire Hathaway hält Beteiligungen an Unternehmen verschiedenster Sparten, darunter am bedeutenden Versicherungsgeschäft des Branchenprimus Geico. Dieses lief bedeutend besser als noch 2017. Auch viele andere Geschäftsbereiche konnten zulegen, darunter beispielsweise die Frachteisenbahn BNSF. Zu Berkshire Hathaway gehören insgesamt um 90 Firmen, zudem hält die Gesellschaft große Aktienpakete an Schwergewichten wie Coca-Cola, Apple oder Kraft Heinz (Lebensmittel). Der Einstieg bei Apple gilt als jüngster Coup von Buffett. Als der Tech-Konzern jüngst mit einer Billion Börsenwert zum weltweit wertvollsten Unternehmen aufstieg, spülte das mehrere Milliarden Dollar in die Kassen von Warren Buffett und seinen Anlegern.

 

Berkshire Hathaway: Cashbestände von 111 Milliarden Dollar 

Der Nettogewinn der Berkshire Hathaway Holding lag im letzten Quartal sogar noch etwas höher als die ausgewiesenen 6,9 Milliarden Dollar, er wurde durch eine Umstellung bei der Bilanzierung mit 7,3 Milliarden Dollar beziffert. Diese Umstellung erlaubt es ab sofort, unrealisierte Kursgewinne auszuweisen. Daher wies Warren Buffett vorsichtshalber darauf hin, dass dieses Ergebnis irreführend sein könne. Die Umsatzerlöse von Berkshire Hathaway wuchsen auf 62 Milliarden Dollar, ein Plus von neun Prozent. Die Gesellschaft verfügt aktuell über 111 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, die überwiegend für neue Investitionen eingesetzt werden. Dem fiebern Buffetts Investoren angesichts des großen Geldvorrats entgegen. Der letzte große Zukauf war mit 30 Milliarden Dollar die Übernahme von Precision Castparts (Flugzeugteile) im Jahr 2016.

 

Der Apple-Riecher von Warren Buffett 

Der über alle Grenzen erfahrene Investor geht schon zeit seines Lebens nach einem bestimmten Muster vor: Er sucht sich Unternehmen mit hohem Potenzial, deren Aktien aktuell unterbewertet sind. Dort steigt er mit einer Beteiligung ein oder kauft große Aktienpakete oder übernimmt auch Firmen komplett. Auf diese Weise hat er schon vor Jahrzehnten in Coca-Cola investiert, was sich absolut gelohnt hat. Buffetts Devise heißt: Kaufe keine Aktie, die du nicht dein Leben lang halten würdest. Das Modell ist erfolgsträchtig, passte aber nicht zu den rasant steigenden Kursen der Tech-Firmen wie Apple, Google, Amazon & Co., von denen Buffett daher zunächst die Finger ließ - deren Kurse erschienen ihm, als er auf die Branche aufmerksam wurde, bereits als zu hoch. Bei Apple gab er nun seine Zurückhaltung auf, stieg mit einem großen Aktienpaket ein und bewies damit sein großes Gespür, denn in der letzten Juliwoche 2018 knackte die Börsenkapitalisierung von Apple die Eine-Billion-Dollar-Marke. Das gab es noch nie. Warren Buffett verdiente damit glänzend, jedoch ebenso die Anleger, die nach ihm noch flugs auf den Zug aufsprangen. Angesichts des bereits sehr hohen Apple-Kurses bei Buffetts Einstieg bewies der Investor, dass niemand zu alt ist, um noch umzudenken. Immerhin hatte er seine lebenslange Strategie - Kaufen bei Potenzial, aber Unterbewertung - zugunsten des Tech-Unternehmens aufgegeben.