Warum Apple schon jetzt ein sehr erfolgreiches Fintech ist – und Amazons Einstieg nur eine Frage der Zeit

Apple Pay wird es nun auch in Deutschland geben, was iPhone-Nutzer freut und ein Schlaglicht auf die Aktivitäten des Technologiekonzerns aus Cupertino wirft: Er mausert sich zum FinTech. Auch Amazon könnte demnächst in den Sektor einsteigen.

Apple Pay kommt zwar gerade erst nach Deutschland, doch der Dienst ist in den USA und anderen Staaten schon sehr erfolgreich. In nur einem Jahr haben sich die Transaktionen auf über eine Milliarde verdreifacht, womit Apple beim Wachstum (nicht bei der Gesamtzahl) im Bereich der mobilen Transaktionen den Platzhirsch PayPal überholt hat. PayPal wuchs auf Jahressicht um 0,5 %, Apple Pay um 200 %. Apple geht damit einen Weg, den andere schon beschritten haben, etwa der Alphabet-Konzern mit Google Pay. Hiesige Banken und Finanzdienstleister blicken besorgt auf die Konkurrenz der IT-Riesen, die mit Zahlungsdienstleistungen meistens nur den ersten Schritt gehen, um dann das Finanzdienstleistungs-Portfolio zu erweitern. 

Das machte der Alibaba-Ableger Ant Financial vor, der aktuell 150 Milliarden Dollar schwer sein soll. Er begann mit einem reinen Zahlungsdienst, nun kam unlängst eine Vermögensverwaltung hinzu. Das chinesische Unternehmen betreibt einen Robo Advisor, der KI-Investmentlösungen vorschlägt. Künstlicher Intelligenz sucht dabei nach den besten Anlagemöglichkeiten. Die Kundenbasis entsteht zuerst durch Käufer auf alibaba.com, dann durch Nutzer des Zahlungsdienstes und davon abgeleitet durch Anleger, deren Finanzverhalten durch den Zahlungsdienst schon bekannt ist. Diesen kann der Robo Advisor passende Geldanlagen vorschlagen.


Die Aktivitäten der Traditionsbanken 

Auch Traditionsbanken können mit Bezahldiensten sehr ordentlich punkten, wie das Beispiel des US-Unternehmens Zelle zeigt. Dieser Service wurde 2017 durch mehrere US-Banken eingeführt, die damit unter anderem PayPal Konkurrenz machen wollen. Auch Zelle weist ein beträchtliches Wachstum - geschätzt über 73 % bis Ende 2018 - auf, wobei die reine Transaktionszahl erst bei 100 Millionen liegt. Die deutschen Geldhäuser setzen derweil noch vorrangig auf Insellösungen wie die Sparkassen mit “Mobiles Bezahlen“ und die Postbank sowie die Deutsche Bank mit jeweils eigenen Apps. Da jedoch der Einzelhandel jeden einzelnen Standard unterstützen muss, damit er funktioniert, könnten Bezahldienste mit zu wenig Nutzern - darunter die einzelner deutscher Geldinstitute - untergehen. 


Amazon demnächst als FinTech? 

Experten glauben, dass Amazon der nächste FinTech-Kandidat unter den etablierten Technologieunternehmen sein könnte. Es läge absolut auf der Hand, dass der E-Commerce-Gigant so einen Service in sein Dienstleistungsangebot aufnimmt. Es stimmt quasi alles: die Rentabilität der Bezahlservices ebenso wie die riesige Kundenbasis von Amazon und die erstklassige technologische Aufstellung des Konzerns. Ein Phänomen des frühen 21. Jahrhunderts kommt hinzu: Die webbasierten Technologien sind geradezu prädestiniert für disruptive, also vollkommen neue Entwicklungen. Das liegt an der technischen Innovation. Robo Advisors etwa sind eine wahrlich blutjunge Erfindung. Sie helfen mit Algorithmen bei finanziellen Entscheidungen und könnten gerade für Amazon ein Sweetspot sein. 

Entweder bietet Amazon den eigenen Kunden die Robo Advisors von anderen Unternehmen an, oder der Online-Händler entwickelt einen eigenen “Enhanced Robo“. Wie bei der Alibaba-Tochter Ant Financial könnten die vorhandenen Kundendaten als Basis für Bezahldienstangebote und Anlageempfehlungen genutzt werden. Dass Jeff Bezos entsprechende Pläne in der Pipeline hat, gilt Experten als ausgemachte Sache. Alles andere wäre wohl auch sträfliche Unterlassung.