Warum der Euro eine Schwach-Währung bleibt

Am Devisenmarkt neigt der Euro nach wie vor zur Schwäche, und der Schweizer Franken steigt im Gegenzug weiter.

Im zweiten Quartal zog die Schweizer Währung gegenüber dem Euro leicht von 1,12 auf 1,11 Franken pro Euro an. Damit ist der Schweizer Franken so stark wie zuletzt vor zwei Jahren. Aber wird der permanente Aufwertungsdruck des Franken weiter anhalten? Wir von Schmitz & Partner sind davon überzeugt. Denn mit der jetzigen Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und designierten neuen Präsidentin der Europäischen Zentralbank, der Französin Christine Lagarde, steht eine erklärte Freundin der Politik des billigen Geldes in der gedanklichen Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi. Mit Lagarde schwindet die Hoffnung auf höhere Zinsen in der Euro-Zone. Die Fortsetzung der Null- und Negativzinspolitik sowie die Neu-auflage des Aufkaufprogramms für Staatsanleihen aus dem Euroraum werden immer wahrscheinlicher.

Lagarde ist „eine Präsidentin der Politik (...), der es an geldpolitischem Fachwissen fehlt“, wie es in der Wirtschaftswoche vom 5. Juli (s. 32) heißt. Der frühere Ifo-Chef Professor Hans-Werner Sinn sagt dazu: „Es wird nun eine EZB-Präsidentin vorgeschlagen, die offen bekundet hat, es sei richtig gewesen, die Verträge zu brechen, um den Euro zu retten. Diese Einstellung erfüllt mich mit Sorge.“

Die Neue Zürcher Zeitung (4. Juli 2019, S. 23) erkennt darüber hinaus einen „unheilvollen Trend bei der EZB“: „Immer mehr ehemalige Politiker rücken in den Rat von Europas führender Währungsbehörde.“ Und im Degussa Marktreport vom 4. Juli 2019 heißt es zudem: „Als Anleger ist man daher gut beraten, von der EZB-Geldpolitik auch weiterhin nicht allzu viel Gutes zu erwarten.“ Sie dient „nicht primär der Kaufkraft des Euro.“ Bereits am 3. Juli schrieb die NZZ außerdem: „Die EZB ist zu einer Erfüllungsgehilfin überschuldeter Staaten geworden, indem sie den Regierungen deren Schuldpapiere abkaufte und quasi deren Ausgaben finanzierte.“

 

Langsame oder schnelle Aufwertung?

Aus der Sicht von Schmitz & Partner wird der Euro eine Schwachwährung bleiben, und der Schweizer Franken wird gegenüber dem Euro weiter aufwerten! Die Frage ist nur, ob diese Aufwertung langsam und stetig, oder schnell und sprunghaft geschieht. Im ersten Fall wird es für das Hartwährungsland Schweiz und dessen Industrie gut verkraftbar sein. Genauso, wie für Deutschland mit der Deutschen Mark eine stetige Aufwertung auch jahrzehntelang problemlos möglich war. Zur Erinnerung: Deutschland ist trotz – oder vielleicht auch wegen – der harten DM jahrelang Exportweltmeister gewesen!

Im zweiten Fall einer zu schnellen Aufwertung des Schweizer Franken wird es wohl verstärkte Eingriffe der schweizerischen Nationalbank geben, die einen sprunghaften Anstieg des Franken verhindern möchte. Neben den bisher praktizierten Maßnahmen (Ankäufe von Euro am Devisenmarkt sowie Negativzinsen für den Schweizer Franken) sind sogar auch Kapitalverkehrskontrollen denkbar. Genauer gesagt: Kapitalimportkontrollen. Das Ziel wäre die Verhinderung eines Runs auf den Franken. Denn im Gegensatz zu Kapitalexportkontrollen, die einem Land mit schwacher Währung helfen sollen, die Kapitalflucht aus dem Land einzudämmen, dienen Kapitalimportkontrollen dazu, ein Land mit einer starken Währung zu schützen.

 

Kapitalverkehrskontrollen als Option

Dass diese Überlegungen nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, zeigt die Tatsache, dass Kapitalverkehrskontrollen in der Schweizer Politik in den letzten Jahren ernsthaft geprüft wurden. Der Schweizer Bundesrat veröffentlichte bereits im Mai 2016 einen ausführlichen Bericht, in dem die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen diskutiert wurde.

Diese Kapitalverkehrskontrollen sind aus heutiger Sicht nicht sehr wahrscheinlich, im Falle einer Zuspitzung einer Eurokrise aber durchaus möglich und vorstellbar. Allerdings müsste der Euro gegenüber dem Schweizer Franken in sehr kurzer Zeit unter die Marke von 1:1 fallen, denn selbst eine „Parität zum Euro wäre verkraftbar“, wie Finanz und Wirtschaft am 19. Juni 2019 schreibt. Voraussetzung sei jedoch, so der Artikel, „dass die Aufwertung nicht schockartig erfolge.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die in Kiel ansässige Organisation hat das Szenario eines Zusammenbruchs der Europäischen Union durchgespielt: was geschähe, wenn der europäische Binnenmarkt abgewickelt werden müsste? Nach vorherrschender Meinung würden in einem solchen negativen Umfeld insbesondere kleine Länder unter die Räder geraten. Und tatsächlich: Laut der Untersuchung sänke in Luxemburg, Malta und den meisten osteuropäischen Mitgliedstaaten das reale Pro-Kopf-Einkommen um 8 bis 20 Prozent.

 

Schweiz als sicherer Hafen

Wer jedoch auch die Schweiz unter den Opfern vermutet, liegt falsch. Von allen untersuchten Drittstaaten würde die Schweiz laut dem Institut für Weltwirtschaft am stärksten von einem Ende des EU-Binnenmarktes profitieren. So stiege das Einkommen pro Kopf der Schweizer Bürger um 0,5 Prozent. Trotzdem hofft natürlich niemand auf einen Zusammenbruch der Europäischen Union, möglicherweise verbunden mit dem Ende des Euro. Aber vorausschauende Anleger sollten auf ein solches Szenario vorbereitet sein.

Wir von Schmitz & Partner werden daher weiterhin den Schwerpunkt auf Währungen außerhalb des Euroraumes in den von uns verantworteten individuellen Wertpapierdepots und in den beiden Schmitz & Partner Fonds legen. Besonders im Schmitz & Partner Global Defensiv Fonds liegt der Währungsanteil im Euro zur Jahresmitte aus Vorsichtsgründen nur bei rund einem Viertel. Die mit Abstand am stärksten vertretene Währung in diesem Fonds ist der Schweizer Franken mit fast 60 Prozent.