Warum der Hype um Impfstoff-Aktien noch nicht vorbei ist
3 Min.
08.09.2021

Warum der Hype um Impfstoff-Aktien noch nicht vorbei ist

Sind die Kurse schon (zu) heiß gelaufen oder gibt es noch Aufwärtspotenzial? Die Aktien von Impfstoffherstellern wie Biontech, Moderna oder auch CureVac dürften attraktiv bleiben – aus mehreren Gründen.

Milliardengeschäft Corona-Impfstoffe: Seit den Meldungen über erste Erfolge beziehungsweise Zulassungen sind die Aktien einiger Biotech-Unternehmen geradezu explodiert. Biontech etwa ist bereits mehr als 100 Milliarden Dollar schwer und ist damit höher bewertet als so mancher etablierter Dax-Konzern. Der Börsenwert von Wettbewerber Moderna liegt sogar bei mehr als 140 Milliarden Dollar. Und der US-Pharmakonzern Pfizer gab jüngst bekannt, dass er in diesem Jahr allein mit dem zusammen mit Biontech entwickelten Covid-19-Vakzin einen Umsatz von 33,5 Milliarden Dollar erwartet.

Und das Wachstumspotenzial ist weiterhin vorhanden. Steigende Infektionszahlen und die Ausbreitung der Delta-Variante erhöhen die Dringlichkeit von Impfungen. Zudem dürfte die Auffrischung der bestehenden Impfungen für anhaltend große Nachfrage sorgen. Dem renommierten King's College London zufolge lässt der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bereits einige Monate nach der vollständigen Impfung etwas nach. Laut der aktuellen Studie verringert sich der Schutz des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs fünf bis sechs Monate nach der zweiten Dosis von 88 auf 74 Prozent. Beim AstraZeneca-Impfstoff sank die Wirksamkeit nach vier bis fünf Monaten von 77 auf 67 Prozent. Das unterstreicht die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen. Der aufkommende Booster-Markt bedeutet für die Vakzin-Hersteller somit weiteres Absatzpotenzial.

Analysten der DZ Bank erwarten auch deshalb, dass das Marktvolumen für Covid-19-Impfstoffe im kommenden Jahr bei rund 217 Milliarden Dollar liegen wird. Der Kuchen verteilt sich bislang auf die vier zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer als Pionier mit seiner neuartigen mRNA-Technologie, auf die auch der US-Wettbewerber Moderna setzt, sowie die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson.


Chancen für weitere Impfstoff-Hersteller

„Die Situation rund um Covid-19 bleibt sehr dynamisch und wird uns voraussichtlich noch geraume Zeit beschäftigen. Wir erwarten, dass Impfstoffhersteller mit einem guten Vakzin von der Auffrischungsimpfung weiterhin profitieren werden, aber auch dass dies Raum schafft für Firmen, die mit ihrem Impfstoff erst auf den Markt kommen werden“, sagt Christian Lach vom Schweizer Healthcare-Spezialisten Bellevue Asset Management, und nennt als potenzielle Profiteure Unternehmen wie Bavarian Nordic, Sanofi, Arcturus, Novavax und auch CureVac. Möglicherweise könne es von Vorteil sein, sogenannte heterologe Impfschemas zu verwenden. „Das heißt, dass für die Booster andere Technologien wie für die Erstimpfungen verwendet würden“, erläutert Lach.

Klar ist, dass viele positive Nachrichten schon in den Kursen eingepreist sind. Und dass gleichzeitig negative Meldungen zu plötzlichen Kursabstürzen führen können. So hatte das Unternehmen CureVac im Juni bekannt geben müssen, dass sein Impfstoffkandidat der ersten Generation CVnCoV lediglich eine Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung erzielte. Damit verfehlte das Unternehmen die vorgesehenen statistischen Erfolgskriterien für eine Zulassung. Die Folge: Die CureVac-Aktie rutschte zeitweilig um mehr als 50 Prozent in die Tiefe. Damit wurden binnen weniger Minuten rund acht Milliarden Euro Börsenwert vernichtet.


Neue Vakzine in der Pipeline

Für Lach ist die aktuell hohe Marktkapitalisierung des Großteils der Unternehmen aber gerechtfertigt, vorausgesetzt, die Anbieter entwickeln weitere Produkte wie etwa Influenza-Vakzine oder verschiedene Krebstherapien. Im Falle von CureVac beispielsweise erwarten Investoren die erfolgreiche Entwicklung ihres Impfstoffkandidaten (CV2CoV) der zweiten Generation. „Die klinischen Daten dazu werden frühestens Ende 2021 verfügbar sein, werden von den Investoren aber schon mit großer Spannung erwartet“, erläutert der Healthcare-Experte.

Interessant ist die Branche für Investoren auch, weil Covid-19 nicht das einzige Betätigungsfeld bleiben sollte. Das gilt speziell für die mRNA-Technologie. Sie bietet Möglichkeiten auch in anderen Bereichen, etwa bei Krebs, Multiple Sklerose, HIV oder RSV. Somit ist hier das Betätigungsfeld abseits der klassischen Impfstoffe sehr viel breiter. „Gerade bei Firmen wie Biontech handelt es sich nicht um „one-hit wonder“ der Biotech-Branche, sondern um Pioniere mit neuer Technologieplattform, die breit einsetzbar sein sollte“, sagt Lach.

Weil aber die Branche an sich und speziell die Titel der Impfstoffhersteller sehr volatil sind und bleiben, macht es für Anleger Sinn, mit einer diversifizierten Anlagestrategie in den Sektor zu investieren. Das bietet zudem den Vorteil, dass auch weitere Unternehmen in Betracht kommen, die zwar keine klassischen Impfstoff-Hersteller sind, aber von der Aufbruchstimmung profitieren. „Man sollte die ganze Wertschöpfungskette im Auge behalten, also von Zulieferern wie Catalent oder Lonza bis hin zu den Testern wie Roche und Abbott“, empfiehlt der Bellevue-Experte.

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