Rolf Tilmes
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Warum die Vermittlung von Fondspolicen eine besondere Qualifikation erfordert

Versicherung oder Anlageprodukt? Ob eine fondsgebundene Versicherung in erster Linie eine Wertpapieranlage ist oder ob doch der Absicherungsgedanke im Vordergrund steht, wird kontrovers diskutiert. Denn davon hängt es maßgeblich ab, wer solch eine Fondspolice vermitteln sollte.

Sie erleben eine kleine Renaissance. Die Rede ist von Fondspolicen. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden 2017 rund 220.000 neue fondsgebundene Rentenpolicen hierzulande vermittelt. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, doch der Trend dürfte weiter anhalten, denn die fondsgebundenen Versicherungen bieten im Vergleich zu den klassischen Versicherungsprodukten einige Vorteile. Etwa dank weitreichender Flexibilität bei Zuzahlungen und Entnahmen, Beitragsanpassungen sowie der Möglichkeit, die einmal gewählte Anlagestruktur zu ändern.

Gegenüber Direktinvestments in Investmentfonds können Fondspolicen für einige Kundengruppen außerdem aufgrund von Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, der Abgeltungssteuerfreiheit und der Nutzung von Spezialfonds in einigen Fällen sinnvoller sein. Und auch weil der Niedrigzins bekanntlich die klassischen Lebensversicherungen zunehmend unattraktiv macht, werden Fondspolicen immer stärker nachgefragt.

Bleibt die Frage nach der Vermittlung. Wir vom FPSB Deutschland sind der eindeutigen Auffassung, dass es sich bei einer Fondspolice in erster Linie um eine Wertpapieranlage handelt, deren Hintergrund durch eine Versicherungskonstruktion gestaltet wird. Und daher wird die Rendite der Fondspolice wesentlich durch die Wertpapieranlage bestimmt. Der Absicherungsgedanke steht dagegen eher im Hintergrund.

 

Sachkunde in der Anlageberatung notwendig

Das bedeutet, dass aus unserer Sicht ein klassischer Versicherungsvermittler oder -berater nicht die Qualifikation besitzt, mit dem Anleger über eine fondsgebundene Police zu sprechen. Im Gegenteil: Wir finden es sogar falsch und fahrlässig, wenn Versicherungsvermittler beziehungsweise -berater keine Sachkunde in der Anlageberatung vorweisen können, aber trotzdem zu fondsgebundenen Versicherungen beraten.

In unserem Alltagsgeschäft beobachten wir immer wieder, dass bei der Vermittlung von Fondspolicen in erster Linie nicht die Absicherung von Risiken im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Kapitalbildung. Der Kunde will damit Vermögen aufbauen. Das bedeutet, dass es sich bei Fondspolicen also um ein Anlageprodukt handelt, genauer gesagt um einen Fondssparplan, der einfach nur in einen Versicherungsvertrag verpackt wird. Die Konsequenz daraus: Nur Vermittler mit einer entsprechenden Ausbildung und/oder Qualifikation dürfen solche Policen vermitteln.

Wir fordern deshalb: Versicherungsmakler sollten sich verbindlich und regelmäßig zum Thema Geldanlage weiterbilden, bevor sie zu Altersvorsorge-Produkten wie einer fondsgebundenen Versicherung beraten. Der Erwerb einer solchen Zusatzqualifikation ist für den Versicherungsvermittler beziehungsweise -berater ohne Alternative. Das gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund der Neuregulierung des Finanzmarktes und der Verschärfung des Verbraucherschutzes.

 

Gefahr einer Falschberatung

Ein beliebtes Verkaufsargument dabei ist, dass Anleger in der Regel über die Anlage mitbestimmen können, indem sie zwischen verschiedenen Investmentfonds wählen und auch das Risikoprofil während der Laufzeit verändern können. Genau das jedoch kann gefährlich werden. Denn für eine solche Veränderung ist aus meiner Sicht komplexes Wissen notwendig, über das der Kunde und auch der klassische Versicherungsverkäufer in der Regel gar nicht verfügen können. Es besteht somit die Gefahr einer haftungsrelevanten Falschberatung.

Dieses Risiko besteht dagegen bei professionellen Finanzplaner nicht. Sie garantieren dank einer ganzheitlichen Perspektive wirklichen Mehrwert für ihre Kunden. Sie sind in der Lage, durch einen umfassenden, vernetzten Ansatz, konkrete Daten zu ermitteln sowie Aussagen zur passenden Anlagestrategie zu treffen und diese zusammen mit dem Anleger entsprechend umzusetzen. Und das können Versicherungsvermittler ohne Zusatzqualifikation definitiv nicht leisten.

 

Professor Dr. Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland)