Trumps USA - hopp oder top?

Ist Trump tatsächlich für die positive Wirtschaftsentwicklung des Landes verantwortlich? Nein. Auch wenn die US-Konjunktur scheinbar boomt, das Bruttoinlandsprodukt steigt, die Konzerne Gewinne verbuchen, die Arbeitslosigkeit sinkt und der Amerikaner zudem noch weniger Steuern zahlt, muss bemerkt werden, dass sich das Wachstum nun am Höhepunkt befindet. Der Meinung ist auch Bricklin Dwyer, ein Ökonom der BNP Paribas. All jene, die hinter die Fassade blicken, werden schnell feststellen müssen, dass das Wirtschaftswunder des Donald J. Trump ein „wackliges House of Cards“ ist.

 

Das Bruttoinlandsprodukt

Amerikas BIP stieg im zweiten Quartal um 4,1 Prozent - somit konnte das stärkste Wachstum seit vier Jahren beobachtet werden. Das Congressional Budget Office, das überparteilich agiert, spricht jedoch vom „Zuckerrausch“, der durch temporäre Fakten verursacht wurde - also durch vorgezogene Exporte oder der Steuerreform. Für das Gesamtjahr wird ein Wachstum von 3,1 Prozent erwachtet - noch immer ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2019 wird das BIP jedoch nur noch bei 2,4 Prozent liegen; 2020 - das Jahr, in dem sich Trump der Wiederwahl stellen muss - könnte das BIP bei nur noch 1,6 Prozent liegen.

 

Das Haushaltsdefizit

Larry Kudlow, Trumps Wirtschaftsberater, sprach im Juni von einem „rapide sinkenden Defizit“. Folgt man den Statistiken, so ist das aber nicht richtig. Die Regierungsexperten kamen zu dem Ergebnis, das Haushaltsdefizit sei im ersten Halbjahr so hoch wie zuletzt 2012 gewesen - bis zum Jahr 2020 wird man die Billion Dollar-Marke erreichen. Schuld sind die Steuerreform und die erhöhten Staatsausgaben, die in den kommenden Jahren eine Belastung von mehr als zwei Billionen US-Dollar bedeuten.

 

Die Steuerreform

„Ein Geldgeschenk für die Amerikaner“ - geht es um die Steuerreform, so lobt sich Trump immer wieder selbst. „Der Steuerplan trägt sich selbst“ - der Meinung ist etwa Steve Mnuchin, der Finanzminister des Landes. Und auch wenn der US-Präsident und der US-Finanzminister sicher sind, dass die Steuerreform hervorragend ist, so sind die beiden Aussagen dennoch suspekt. Geht es nach den Angaben des Tax Policy Centers, so liegt das Einsparungspotentials eines Amerikaners, der im Jahr zwischen 50.000 US-Dollar und 75.000 US-Dollar verdient, bei 670 US-Dollar. Jene, die nur wenig verdienen, dürfen sich am Ende über gerade einmal 10 US-Dollar freuen. Die Gewinner sind die Millionäre - mitunter können sie sich über Mehreinnahmen von 60.000 US-Dollar freuen. Auch die Tatsache, dass die Unternehmenssteuer nur noch 21 Prozent und nicht mehr 35 Prozent beträgt, sorgte dafür, dass seit der Reform deutlich weniger Geld in die Staatskasse geflossen ist.
 

Der Handelskrieg

Eine weitere Unsicherheit - Trumps Handelskriege, die „nicht leicht“ gewonnen werden können, auch wenn der US-Präsident dies immer wieder betont. So sprach man bei General Motors bereits von Mehrkosten im Bereich der Milliarden-Grenze. Alcoa, der größte Aluminiumkonzern der USA, ist sicher, Einbußen von über 100 Millionen US-Dollar zu haben. Denn auch wenn Trump mit seinem „America first“-Slogan punkten will, so ist seine Politik der Isolierung durchaus teuer. Nicht nur die ausländischen Betriebe werden durch die Handelskriege geschwächt - vielmehr sind es auch die eigenen Konzerne, die darunter leiden. Noch ist offen, ob Trump das Ziel mit Handelskriegen erreichen kann, das Handelsdefizit, das bei 800 Milliarden US-Dollar/Jahr liegt, zu reduzieren.
 

Steigender Lohn und niedrige Arbeitslosigkeit

In den letzten zwölf Monaten sind die Löhne um 2,7 Prozent gestiegen - zugleich wurde eine Inflation von 2,9 Prozent dokumentiert. Das heißt, die höheren Löhne wurden gleich durch höhere Preise aufgefressen. Doch wie sieht es im Bereich der Arbeitslosigkeit aus? Im Mai lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent - der niedrigste Wert seit 18 Jahren. Fakt ist: Unter Trump verläuft das Stellenwachstum langsamer als unter Barack Obama - auch dieser Trend wird aber demnächst enden.