Warum man Crash-Propheten nicht das Vertrauen schenken sollte

Geht es an den Börsen ein wenig turbulent zu, so sind die Crash-Propheten der Meinung, ihre Stunde sei nun endlich gekommen. So werden Fehlentwicklungen dramatisiert und die positiven Kräfte ignoriert. Das Geschäft mit der Angst funktioniert scheinbar überall. Doch wie viel Wahrheit steckt in den Prognosen der Crash-Propheten?

Schon vor Jahrzehnten wusste André Kostolany, dass es Leute gibt, die mit der Börse ein lukratives Geschäft machen möchten. „Es gibt extrem viele Menschen, die nur wollen, dass an der Börse Panik herrscht“, so der Börsianer, der sich dafür einsetzte, die Aktie als langfristige Kapitalanlage zu sehen. „Die Panik ist ein extrem lukratives Geschäft.“ Nachdem die Aktienkurse in der vergangenen Woche gefallen sind, haben sich natürlich auch wieder die sogenannten Crash-Propheten zu Wort gemeldet, die schon wieder Vergleiche mit dem Börsencrash 2008 hergestellt haben.


Ob Niedrigzinspolitik, Trump oder Brexit - man findet immer einen Grund für einen baldigen Crash

Auch wenn die letzten Jahre durchaus positiv verlaufen sind, so waren die Crash-Propheten dennoch nie ganz ruhig. Denn immer wieder verwies man auf die Niedrigzinspolitik der Notenbanken, die mitunter für eine Hochinflation sorgen könnte; auch Blasen, die an den Finanzmärkten entstehen würden, könnten demnächst platzen und so zu einem Chaos führen. Auch der sehr lange Konjunkturaufschwung in den USA ist mitunter ein Grund, warum sich immer wieder Experten zu Wort melden, die von einer Rezession warnen. Auch der Brexit und die Wahl Trumps zum 45. Präsidenten sollten schwere Turbulenzen auslösen - Fehlanzeige.


Natürlich gibt es Gefahren

Selbstverständlich existieren Risiken für die Finanzmärkte und die Wirtschaft und natürlich ist es extrem wichtig, dass man sachlich bleibt und auch objektiv analysiert. So sprach der Internationale Währungsfonds erst vor wenigen Tagen die Warnung aus, dass es Gefahren gibt, die vor allem aufgrund der hohen privaten wie auch staatlichen Verschulden existieren; gleichzeitig gehe man von Seiten des Internationalen Währungsfonds aber natürlich auch davon aus, dass sich die Weltkonjunktur auch in Zukunft im Aufschwung befinden werde.


Korrekturen und Krisen sind Teil des alltäglichen Geschäfts

Einerseits geht es um das Dramatisieren von Risiken, andererseits um das Erzeugen von Angst - in beiden Fällen verfolgt man aber nur ein Ziel: Gewinn machen. So zeigte Daniel W. Drezner, ein US-Politikwissenschaftler, mit seinem Buch, das im Jahr 2017 erschien, eindeutig auf, wie man Angst nutzen kann: „Erschreckt die Menschen zu Tode, dann kommen Sie als Kunden in das Büro“, so das Motto. „Es gibt bestimmte Fehlentwicklungen, die immer als Indikation für den Niedergang herangezogen werden. Leider ignoriert man jedoch die positiven Entwicklungen oder das differenzierte Gesamtbild“, so Karl-Heinz Thielmann, der Geschäftsführer von Investing Reserach AG. „Krisen und auch Korrekturen sind Teile der Börse, um die sich Anleger, die einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen, aber nicht kümmern müssen.“


Zwischen „Crash“ und „Chance“

Auch gibt es scheinbar einige Crash-Propheten, die selbst nicht so ganz an ihre Prognosen glauben. So werden die eigenen Prognosen schon einmal in den Schatten gestellt, wenn sich der Wind an der Börse doch gedreht hat. So wurde am 11. Oktober im „Handelsblatt“ geschrieben, der „globale Börsenabsturz sei nur der erste Vorbote für einen großen Crash“ und der „Börseneinbruch kündigt jetzt eine schwierige Zeit an“. Selbst von einem „giftigen Cocktail“, der den „Investoren serviert“ wurde, war zu lesen. Ein paar Tage später, nachdem die Turbulenzen überstanden waren, gab es einen neuen Artikel im „Handelsblatt“. So war zu lesen, dass die „DAX-Werte schon seit Jahren nicht mehr so günstig waren - eine richtige Chance für Anleger“. So hat auch das „Handelsblatt“ den prophezeiten Crash - wieder einmal - absagen müssen.