Warum Tesla in fünf Wochen fast 17 Milliarden Dollar an Börsenwert verlor

Die Automobilindustrie ist seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals in Verruf geraten, sodass ein Umdenken beim Fahrzeugkauf stattgefunden hat. Insbesondere Benziner und alternative Antriebsarten werden bevorzugt von den Kunden gekauft. Als bekanntestes und innovativstes Unternehmen gilt zudem Tesla, das von Elon Musk gegründet und geleitet wird. Doch im Laufe der letzten Woche verlor die Aktie des E-Pioniers fast ein Drittel des Börsenwertes.


Der Fall von Tesla


Der Kurs der Tesla-Aktie erlebte eine wahre Horror-Woche, denn lag der anfängliche Aktien-Wert zum Anfang der Woche noch bei 300 Dollar, so notierte das Papier zwischenzeitlich bei 248,21 Dollar. Doch bereits der gesamte März steht nicht im Zeichen des E-Autobauers, sodass das Wertpapier in Summe 20 % an Wert verlor. Diese Entwicklung bedeutet, dass das Unternehmen binnen eines Monats 17 Milliarden Dollar an Marktwert verloren hat. Zwischenzeitlich galt Tesla als wertvollster Automobilhersteller der USA. Doch aufgrund der Konsolidierung ist diese Position ebenfalls verloren gegangen und Tesla muss sich mit einem Marktwert von 44 Milliarden Dollar hinter Ford und GM einreihen. Auslöser für diese Negativspirale sind die Sorgen der Anleger bei der Produktion des Model 3. Das Model 3 wurde von Tesla für den Massenmarkt entwickelt und soll zum Durchbruch der E-Fahrzeuge beitragen. Insbesondere der Basispreis von 35.000 Dollar macht den Einstieg in die neue Technologie für viele Kunden attraktiv. Problematisch für Tesla ist jedoch die aktuelle Produktion des Fahrzeugs, denn während die Planung bei 5.000 Fahrzeugen pro Woche liegt, werden nur wenige Tausend Fahrzeuge monatlich an die Kunden ausgeliefert.

 

Analysten sehen Tesla eher kritisch


Doch nicht nur die stockende Produktion des Massenmarktfahrzeugs sorgt für eine getrübte Stimmung, sondern auch ein kritischer Analystenbericht von Bernstein verunsichert die Investoren. Die Quintessenz der Analyse ist, dass Musk auf die falschen Dinge bei der Automatisierung der Automobilproduktion setzt. Bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass eine maximale Automatisierung der Produktion nicht das Optimum darstellt. Vielmehr wird ein gewisses Maß an manuellen Prozessen benötigt, um ein Maximum an Qualität und Störungsfreiheit zu gewährleisten. Vor allem das Ziel Musks, mehr Produktionsschritte zu automatisieren als dies bei herkömmlichen Massenproduktionen gemacht wird, sorgt zum jetzigen Zeitpunkt für Probleme. Aufgrund des hohen Automatisierungsgrads hat das Unternehmen auch doppelt so hohe Investitionen in den Bau der Fabrik veranlasst. Zusätzlich haben sich Leerverkäufer auf die Tesla-Aktie fokussiert und belasten den Kurs des Unternehmens.


Negative Auswirkungen auf die Anleihe


Aufgrund der anhaltenden Produktionsprobleme sah sich die Rating Agentur Moody´s dazu gezwungen, die Bonität Teslas herunterzuschrauben. Diese Herabstufung bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalaufnahme in naher Zukunft massiv angestiegen sei. Als direkte Reaktion fiel der aktuelle Kurs der Tesla-Anleihe, welche eine Laufzeit bis 2025 besitzt, bis auf 87,71 Dollar. Somit liegt die aktuelle Rendite dieser Anleihe bei 7,5 %, wobei natürlich eine Zahlungsfähigkeit von Tesla vorausgesetzt werden muss. Investoren sehen jedoch aufgrund des hohen Free Cashflows wenige Gründe zur Sorge, denn dieser lag bei rund 3,4 Milliarden Dollar. Doch laut den Meinungen zahlreicher Analysten sei dieser aufgrund von zahlreichen Bilanzierungsmethoden nicht sonderlich aussagekräftig. Positiv beeinflusst wird dieser beispielsweise von Kundenanzahlungen für das Model 3, E-Lastwagen oder Roadster. Insgesamt wurden somit 850 Millionen Dollar eingesammelt, ohne dass das Unternehmen hierfür Zinsen anfallen. Bei anhaltenden Produktionsproblemen könnten Käufer zudem das Vertrauen in das Unternehmen verlieren und die Anzahlungen zurückverlangen.


Teslas Verbindlichkeiten steigen


Eine weitere negative Entwicklung zeichnet sich bei den Verbindlichkeiten ab, denn Tesla zögert die Zahlungen an die Lieferanten hinaus. Langen die Verbindlichkeiten zu Beginn des Geschäftsjahres noch bei 530 Millionen Dollar, so steigen diese bis Ende des Jahres auf 2,4 Milliarden Dollar an. Dieses Vorgehen sorgt jedoch nur für eine verschobene Belastung der liquiden Mittel. Um in Zukunft die nötigen Teile für die Produktion zu erhalten, müssen die offenen Verbindlichkeiten beglichen werden. Musk hingegen spricht von einem baldigen Ende der Problemphase und erwartet einen Anstieg der Produktion. Bis Ende des Quartals soll die wöchentliche Produktion des Model 3 auf bis zu 2.500 Fahrzeuge ansteigen.