Was ändert sich für ETF-Besitzer?

Die Digitalisierung wird auch an der deutschen Börse spürbar. Der TecDax ändert sich, während MDax und SDax anwachsen. Doch was bedeutet das für ETF-Besitzer?

Die Digitalisierung hinterlässt überall ihre Spuren und macht sich mittlerweile in jedem Unternehmen bemerkbar. Es ist heute kaum noch möglich, zwischen einem Industrieunternehmen und einem Technologieunternehmen zu unterscheiden. Die fortschreitende Digitalisierung hat die Grenzen zwischen diesen Unternehmensarten aufgelöst. Die Deutsche Börse hat auf diese Veränderungen reagiert und ihre Indexfamilien neu geordnet. Seit dem 24. September werden auf der Deutschen Börse die Technologieaktien nicht mehr von anderen Aktien getrennt. Zumindest, was die Haupt-Indizes anbelangt.

 

Neuzugänge für den Technologieindex

So ist es seit dem 24. September möglich, TecDax-Aktien in alle anderen Indizes aufzunehmen. Gleichzeitig können auch Dax-Aktien, die überwiegend auf Technologiewerten beruhen, im TecDax gelistet werden. Für den TecDax ist das eine gute Nachricht. Der Technologieindex der Deutschen Börse wird damit aufgewertet. Grund dafür sind einige bedeutsame Unternehmen, die jetzt ebenfalls im TecDax gelistet werden. Dazu gehören etwa Infineon, die Deutsche Telekom und der Softwarehersteller SAP. Insgesamt machen die Neuzugänge mit dem Dax-Aufsteiger Wirecared etwa 40 Prozent des Technologieindizes aus. Das bedeutet allerdings auch, dass der TecDax zu einem reinen Zweit-Index wird. Die Deutsche Börse stuft in also ab.


Reichlich Bewegung am ETF-Markt

Nicht nur die Wertung der Indizes ändert sich durch die Umstellung. Sie brachte es auch mit sich, dass Investoren viele Aktien neu kaufen und verkaufen mussten. Dadurch kam es zu großen Verschiebungen an der Deutschen Börse. Fonds und Exchange Traded Funds (ETFs) mussten insbesondere Aktien neu handeln, um die Indizes exakt nachzubilden. So kam es etwa dazu, dass Dax-ETFs Commerzbank-Aktien verkaufen mussten, welche den Dax verließen, und dann anstelle dessen Wirecard-Aktien kauften. Dabei geht es um ETFs im Wert von 16 Milliarden Euro, insgesamt 1,5 Prozent aller 30 Dax-Aktien.



Umstellung bringt Probleme mit sich

Dabei bedeuten die Umstellungen für ETF-Anbieter einige Schwierigkeiten. So ergibt sich das Problem, dass nach dem Investmentgesetz einer Einzelposition nicht erlaubt ist, mehr als zehn Prozent des Gesamtvolumens auszumachen. Manche Neuzugänge in einem kleinen Index könnten diese zehn Prozent schnell ausfüllen. Gleichzeitig moniert der größte ETF-Anbieter, Blackrock, dass man aufgrund der Umstellung mit Brokern zusammenarbeiten musste, um die Marktbewegungen aufzufangen. Die Bedeutung von Blackrock darf nicht unterschätzt werden: Der ETF-Anbieter verfügt über drei bis sieben Prozent von jedem gelisteten Unternehmen. Blackrock muss mit etwa 750 Brokern und Investmenthäusern zusammenarbeiten, um die Umstellung schultern zu können.



Umstellung wird begrüßt

Dabei gibt es nicht nur Kritik, im Gegenteil wird die Umstellung von Finanzexperten begrüßt. So können sich laut dem Deutschen Aktieninstitut Investoren nun sicher sein, dass Dax, MDax und SDax auch tatsächlich die deutschen Börsenwerte darstellen. Auch Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Germany Fund von Fidelity, äußerte sich positiv. Dank der Umstellung werden die Indizes nun doppelt gelistet, womit die Grenzen zwischen einem klassischen Dax-Unternehmen und einem Technologie-Unternehmen verschwinden. Das komme den Veränderungen der deutschen Wirtschaft gleich. Axel Springer zum Beispiel verdiente früher den Großteil seiner Einnahmen über das Printgeschät. Heute hingegen machen die digitalen Geschäfte 70 Prozent des Umsatzes aus.


Was bedeutet das für ETF-Anleger?

Anleger brauchen wegen der Umstellungen nicht verunsichert zu sein. Nach Annabel Oelmann, dem Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, ändert sich nicht viel. Selbst nach der Neuordnung können Anleger, die ihr Geld in Dax-Werte investiert haben, noch immer ein liquides Wertpapier ihr Eigen nennen. In einem Interview mit dem ETF-Magazin erklärte sie, dass Umstellungen innerhalb der Indizes nichts Neues seien. Die Verschiebungen betreffen die Unternehmen weit mehr als die privaten Anleger.