Was die Rückkehr der Inflation bedeutet

Auf den ersten Blick ist die Inflationsrate von 2,3 Prozent in Deutschland für den Monat September noch nicht allzu besorgniserregend. Aber es ist immerhin der höchste Stand seit dem Jahr 2011. Damit wird der sichere (Real-)Verlust bei sämtlichen Spargeldern auf dem Sparbuch oder dem Festgeldkonto immer größer. Nominal scheint das Sparguthaben konstant zu bleiben oder sogar leicht zu wachsen. Real betrachtet – also nach Abzug der Inflationsrate – bleibt aber immer weniger Kaufkraft übrig.

Was das für Folgen hat, hat jüngst die Wirtschaftswoche berechnet: „Pendelt sich die Inflation bei zwei Prozent ein, verlieren Spargelder auf zinslosen Tagesgeldkonten binnen 20 Jahren rund 50 Prozent ihrer Kaufkraft“, und bei „einer Inflation von drei Prozent liegt der Geldwertschwund sogar bei 80 Prozent.“ Schon die bisher moderate Inflationsrate seit Entstehung des Euro im Jahr 1999 hat die Kaufkraft in den vergangenen Jahren um fast 30 Prozent reduziert.

 

Allein diese Fakten sind für die auf Sicherheit bedachten Sparer schon schlimm genug, denn sie erleiden mit Sicherheit einen (Kaufkraft-)Verlust. Noch schlimmer ist jedoch die Gleichgültigkeit und die Verkennung der Gefahren von Inflation in der Gesellschaft und in der Politik: „Gleichzeitig gibt es beim Thema Inflation im öffentlichen Bewusstsein und auch unter Ökonomen einen bemerkenswerten Wandel: Eine gewisse Geldentwertung gilt vielen als ökonomisch erstrebenswert“, schreibt etwa die Wirtschaftswoche.

 

 

 

Inflation hilft Staaten mit hoher Verschuldung

Leider ist diese Einstellung eine Folge der unverantwortlichen Verschuldungspolitik der Politiker in der Vergangenheit und – siehe Italien – auch in der Gegenwart. Denn mit dem Aufflackern der Inflation wird es deutlich leichter, die hohen Bestände der Staatsschulden zu entwerten. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: „In einer Welt ungedeckten Geldes ist Inflation das Ergebnis politischen Willens“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. September 2018).

Die vage Hoffnung, nach dem in erster Linie auf niedrige Zinsen bedachten Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, im nächsten Jahr nach Ablauf seiner Amtszeit wieder einen Mann mit deutlichem Interesse an einer Inflationsvermeidung an die Spitze zu hieven, ist leichtfertig vertan. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt schon wieder einen Präsidenten der Deutschen Bundesbank und designierten Nachfolger für die Präsidentschaft der EZB bloß.

Vor einigen Jahren versagte sie Axel Weber ihre Unterstützung für den Wechsel an die Spitze der Europäischen Zentralbank und machte den Weg frei für Mario Draghi, der mit seiner Negativzinspolitik die Sparvermögen entwertet. Jetzt hatte Deutschland wieder eine sehr gute Chance, mit dem Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann einen vorzüglichen Kandidaten in das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank zu bekommen. Und Angela Merkel hätte Weidmann trotz der Ablehnung in Italien wohl durchsetzen können. Doch die Bundeskanzlerin will wieder keinen Deutschen an der Spitze der EZB. Sie möchte in Frankfurt in der Europäischen Zentralbank lieber jemanden sehen, der laut FAZ „Politik für die Staatsschuldner macht und sich nicht um die Folgen für Sparer und Altersvorsorge schert.“
 

Aktien und Gold als wichtige Portfoliobausteine

Für Anleger und Sparer bedeutet dies auf absehbare Zeit – trotz steigender Preise und anziehenden Inflationsraten – mit weiter niedrigen Spar- und Anleihezinsen leben zu müssen. Aus diesem Grund sollten Aktien – neben Gold – ein wichtiger Bestandteil des Portfolios sein. Solide und liquide Aktien von Unternehmen mit hoher Substanz sollten die Basis einer langfristigen Vermögensstrategie bilden. Eine breite Streuung der Titel sorgt dafür, auch mit Einzelrisiken umgehen zu können, die Aktienmärkte kurzfristig immer mit sich bringen können.