Was ist On-Chain Analyse?

Es gibt viele verschiedene Kryptowährungen, doch während sie sich hinsichtlich technologischer Grundlage und Verwendungszweck mitunter stark voneinander unterscheiden, haben sie eines gemein: Sie basieren auf einem dezentralen und transparenten Netzwerk, einer sogenannten Blockchain. Enthusiasten fingen früh an, die verfügbaren Blockchain-Daten zu sammeln und auszuwerten. Doch mit dem Wertzuwachs, den Krypto in den vergangenen Jahren erfahren hat, ist die Analyse von Blockchain-Daten längst keine Spielerei mehr, sondern nimmt eine zentrale Rolle bei Investitions- und Trading-Entscheidungen ein.

Die Verwendung von Rohdaten, direkt aus der Blockchain, wird als On-Chain Analyse bezeichnet. Die Methoden der On-Chain Analyse reichen vom Beobachten einzelner Transaktionen bis hin zur Berechnung aufwendiger Metriken und können dazu dienen, potenzielle Preisbewegungen einer Kryptowährung zu prognostizieren oder die Performance verschiedener Krypto-Assets miteinander zu vergleichen.

Unternehmen wie Token Terminal oder Glassnode haben sich längst auf die Erfassung und Verarbeitung von On-Chain Daten spezialisiert und fügen ihrem Angebot stetig neue Metriken hinzu. Dem individuellen Investor stellt sich nunmehr nicht die Frage ob er On-Chain Daten verwenden kann, sondern auf welche Metriken er sich für die On-Chain Analyse konzentrieren sollte. Die folgenden drei Beispiele können einen Einblick in das Potenzial der On-Chain Analyse bieten.


Beobachten bekannter Adressen (insbesondere Exchanges)

Zunächst können einzelne Transaktionen im Hinblick auf Absender, Empfänger und Transaktionswert analysiert werden. Kennt man die Adressen einiger Handelsplätze, lassen sich so Zahlungsströme bilanzieren um herauszufinden, ob auf Börsen mehr Krypto ein- oder ausgezahlt wird. Eine verstärkte Einzahlung kann beispielsweise bedeuten, dass sich Investoren vermehrt in Stellung bringen, um ihre Krypto-Positionen zu liquidieren. Ein interessanter nächster Schritt könnte hier die Unterscheidung zwischen Klein- und Großanlegern anhand des Transaktionswerts sein, um verschiedene Verhaltensweisen auszumachen.


Haltedauer von Assets

Wie auch die Handelsplätze, kann jede beliebige Adresse auf der Blockchain analysiert werden. So lässt sich die durchschnittliche Haltedauer von Krypto-Assets bestimmen. Die Haltedauer gibt Aufschluss darüber, wie ein Asset genutzt wird (ob als Transaktionsmedium oder als Wertanlage) und wie überzeugt die jeweiligen Investoren von dem Potential des Assets sind. Unterteilt man Bitcoin-Adressen entsprechend der durchschnittlichen Bitcoin- Haltedauer, zeigt sich ein starker Unterschied zwischen dem Verhalten langfristig orientierter (Haltedauer >1 Jahr) und kurzfristig orientierter (Haltedauer < 1 Monat) Bitcoin-Halter.

Während die Anzahl kurzfristig orientierter Halter im vergangenen Jahr stark schwankte, blieb die Zahl der Langzeit-Investoren in Bitcoin über die letzten 12 Monate stabil und stieg sogar, was als steigende fundamentale Überzeugung in den Bitcoin interpretiert werden kann.

Quelle: Eigene Kalkulation, Glassnode


Total Value Locked (TVL)

Eine weitere wichtige On-Chain Metrik ist das in einer Blockchain, oder einem speziellen Protokoll auf einer Blockchain gebundene Kapital. Anhand dieses “Total Value Locked” (TVL) können unter anderem auf der Ethereum Blockchain basierende Dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) bewertet und miteinander verglichen werden, um so Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Zum TVL zählt je nach betrachtetem DeFi- Projekt beispielsweise die für eine Kreditaufnahme hinterlegte Sicherheit, oder die bereitgestellte Liquidität für dezentrale Börsen. Der TVL bildet so einen Anhaltspunkt für die tatsächliche Nutzung eines Protokolls. Setzt man zusätzlich noch TVL und Marktkapitalisierung in Relation, lassen sich ähnliche DeFi-Produkte vergleichen und über- oder unterbewertete Krypto-Assets identifizieren.


Fazit

Die beschriebenen Beispiele stellen selbstverständlich nur einen ersten Einblick in das Potenzial der On-Chain Analyse dar. Neben einer Vielzahl weiterer Kennzahlen, die direkt auf der Blockchain erfasst werden können, existieren umso mehr Kombinationen, aus denen sich Analysten einen Erkenntnisgewinn versprechen. Die On-Chain Analyse ist zweifelsohne ein mächtiges Werkzeug, doch die Erfassung und Berechnung von Metriken bildet nur den ersten Schritt der Analyse. Die gezielte Auswahl relevanter Indikatoren aus einem Meer von Kandidaten, sowie deren Interpretation, bringt dem Investor den eigentlichen Informationsgewinn.