Was von Volatilität als Anlageklasse zu halten ist

Steile Gewinne während eines Crashs, stete Erträge im Niedrigzinsumfeld – Volatilität werden verschiedene Eigenschaften nachgesagt. Was Vola-Strategien können und für wen sie sich eignen.

Vom Hin und Her an den Börsen profitieren und in Volatilität investieren: Dieser Investmentansatz verhilft insbesondere professionellen Investoren zu mehr Stabilität im Depot. Für Alexander Raviol, CIO Alternative Solutions bei der Fondsboutique Lupus Alpha, ist Volatilität in erster Linie eine Renditequelle. Dabei kommen Optionsstrategien zum Einsatz, mit deren Hilfe Anleger von der Differenz zwischen der erwarteten Volatilität und der tatsächlichen Volatilität profitieren können. 

Dabei agieren Investoren als Stillhalter und geben einer Gegenseite die Möglichkeit, sich gegen Veränderungen der Volatilität abzusichern. Im Gegenzug erhalten sie eine Risikoprämie ausgezahlt. „Für Anleger ist diese Risikoprämie deshalb so interessant, weil langfristig bei Aktien die erwartete Volatilität etwa vier Prozentpunkte höher ist als die tatsächlich realisierte Volatilität. Insbesondere bei seitwärts laufenden und auch bei steigenden Aktienmärkten lassen sich mit Volatilitätsstrategien stabile Renditen erzielen“, erklärt Raviol.

 

Vola-Strategien: Für Privatanleger mehr Kür als Pflicht

Ein Selbstläufer sind Vola-Strategien allerdings nicht. Kommt es beim skizzierten Szenario zu einem sprunghaften Anstieg der Volatilität, sind deutliche Verluste möglich. „Insbesondere während der vergangenen Monate kam es bei den wichtigsten Vola-Indizes immer wieder zu kurzen, steilen Anstiegen. Stillhaltern droht dabei bei einzelnen Positionen nicht selten der Totalverlust. Aus diesem Grund fordern Short-Vola-Strategien dem Portfoliomanager einiges ab“, erklärt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des auf Risikomanagement spezialisierten Asset Managers Quant.Capital Management.  

Bei Lupus Alpha setzt man bei Volatilitätsstrategien auf den Verkauf von kurzlaufenden Put- und Call-Optionen auf die Indizes EuroStoxx 50 und S&P 500. „Das Marktexposure selbst wird durch Futures-Einsatz ständig neutralisiert“, ergänzt Raviol und weist darauf hin, dass die Fonds seines Arbeitgebers insbesondere für institutionelle Kunden eine tragende Rolle bei der Diversifikation spielen können. Bei Privatanlegern äußerst sich der Experte für alternative Anlagestrategien zurückhaltender: „Portfolios von Privatanlegern erstrecken sich oft nicht über ausreichend viele Assetklassen. Ob und inwiefern der Diversifikationseffekt beim Portfolio eines Privatanlegers messbar ist, hängt von der Ausgestaltung des Portfolios ab“, so Raviol.

 

Vola-Crash hat Anleger kalt gelassen

Ähnlich sieht das auch Mlinaric und hält Volatiliät eher für ein Absicherungsinstrument. Noch vor rund einem Monat wies Mlinaric darauf hin, dass die Vola-Indizes auf einem historischen Tiefststand notieren. „Wer sein Portfolio ohnehin absichern möchte, kann eine niedrige implizierte Volatilität zum Long-Einstieg nutzen. Als langfristige Strategie bietet sich dies für Privatanleger allerdings nicht an“, findet der Experte für Risikomanagement. Der Grund liege in der grundsätzlichen Seitwärtsbewegung der Volatilitätsindizes und den Kosten. Der ETF auf den Volatilitätsindex des S&P 500 aus dem Hause Lyxor kostet beispielsweise jährlich immerhin 0,6 Prozent. Bleiben für Selbstentscheider der kurzfristige Einsatz und die damit verbundenen Timing-Risiken.

Diese Timing-Risiken fallen bei Stillhalter-Geschäften weniger stark ins Gewicht. „Grundsätzlich gibt es keinen ‚günstigen‘ Zeitpunkt, die Volatilitätsrisikoprämie zu vereinnahmen. Es handelt sich um eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie. Der Einstiegszeitpunkt ist daher zweitrangig“, erklärt Raviol. Beim Blick auf den Chart bestätigt sich das  - zumindest auf den ersten Blick: Der auch Privatanlegern zugängliche Lupus alpha Volatility Invest A kletterte zwischen Sommer 2016 und Januar 2018 ohne größere Ausschläge wie am Schnürchen. Doch dann machte der Vola-Crash vom Februar 2018 die Erträge von fast einem Jahr wieder zunichte. Seitdem bewegt sich der Fonds mit positiver Tendenz seitwärts. 

Während des Vola-Crashs stiegen Aktienindizes und Volatilitätsindizes zeitgleich an – ein Phänomen, das eher selten vorkommt. Als dann die Aktienindizes plötzlich nachgaben und die Volatilität noch stärker zulegte, fuhren viele Stillhalter mit ihren Short-Vola-Strategien Verluste ein. Doch der Markt kehrte schnell wieder zur Normalität zurück. Im Spätsommer 2018 feierte man bei Lupus Alpha zwei Milliarden Euro Anlagegelder in Vola-Strategien.

 

Die Mischung macht‘s

„Es hat mich überrascht, dass viele Marktteilnehmer angesichts des Vola-Crashs so schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen sind“, wundert sich Mlinaric und macht dafür die niedrigen Zinsen verantwortlich. Als pauschale Kritik an der Anlageklasse will der Risikomanager diese Aussage aber nicht verstanden wissen. „Es kommt bei Vola-Strategien darauf an, diese einem Portfolio intelligent beizumischen. Das kann durchaus gelingen, ist aber eine Aufgabe für Profis“, so Mlinaric.