Welche Ausgliederungsform zahlt sich aus?

Etablierte Konzerne wie Siemens oder die Deutsche Bank bringen erfolgreiche Sparten an die Börse und sorgen damit für Spannung bei den Investoren. Doch bieten Unternehmensableger wie Healthineers oder DWS ausreichend Potenzial, um Anleger anzulocken? Doch wie konnten sich die ausgegliederten Sparten in der Vergangenheit behaupten und welche Ausgliederungsart wies die bessere Performance auf?

 

Die deutsche Bank braucht dringend Kapital


In der vergangenen Woche war es soweit: die Deutsche Bank hat die Fondstochter DWS als eigenständiges Unternehmen an den Finanzmärkten etabliert. Doch aufgrund des dringenden Geldbedarfs musste die Deutsche Bank beim Emissionspreis Abstriche in Kauf nehmen. Während der geplante Zeichnungspreis von DWS bei 36 Euro lag, erfolgte die finale Zuteilung bei 32,50 Euro und somit deutlich unter dem gewünschten Wert. Des Weiteren konnte die Deutsche Bank weniger Aktien als geplant loswerden. Die Unternehmensplanung sah eine Ausgabe von 25 % des DWS-Aktienkapitals an der Börse vor. Tatsächlich wurden jedoch nur 22,5 % am Markt platziert. Dies führte zu Einnahmen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro und einer DWS-Bewertung von 6,5 Milliarden Euro.

 

Das Equity-Carve-Out zur Erstemission der Unternehmensanteile


Doch auch der Technologiekonzern Siemens aus München platzierte die Medizintechniksparte Healthineers im Rahmen eines sogenannten Equity-Carve-outs an der Börse. Bei einem Equity-Carve-out wird eine Minderheit der Unternehmensanteile durch ein Intial Public Offering (IPO) an der Börse platziert. Der Großteil der Unternehmensanteile verbleibt beim Mutterkonzern, sodass dieser weiterhin die Kontrolle über die Geschäftsentwicklung besitzt. Zudem fließen auch die gesamten Erlöse aus der Aktienemission an den Mutterkonzern. Die Platzierung eines Minderheitsanteils kann zudem als ein erster Schritt zur Ausgabe weiterer Unternehmensanteile interpretiert werden, wobei auch die vollständige Trennung eine Möglichkeit darstellt. Diese vollständige Ausgliederung wurde in der Vergangenheit bereits von Siemens für die Sparten der aktiven und passiven elektronischen Bauteile vorgenommen. Hierbei handelt es sich um die Unternehmen Infineon und Epcos. Allerdings kann auch eine konstante Mehrheitsbeteiligung angestrebt werden. Ein bekanntes Beispiel für dieses Vorgehen ist bei der Commerzbank-Tochter Comdirect zu sehen. Auch heute hält die Commerzbank noch 81,3 Prozent der Unternehmensanteile.

 

Das Spin-Off zur alternativen Aktienplatzierung


Als Alternative zum IPO kann auch das Spin-off genutzt werden. Hierbei erhalten die bestehenden Aktionäre die Aktien des abgespaltenen Tochterunternehmens, die anschließend an der Börse gehandelt werden. Die Besonderheit dieser Emissionsform ist, dass die Bestandsaktionäre die neuen Wertpapiere als eine Art Sachdividende erhalten. Das Ziel dieser Emissionsform ist die mittel- bis langfristige Trennung.

 

Welche Ausgliederungsform ist erfolgsversprechender?


Oftmals werden die Motive der Unternehmensführung für die Abspaltung einer Sparte oder einer Konzerntochter diskutiert. Interessanter ist für Anleger jedoch, welche Form der Ausgliederung erfolgsversprechender ist. Eine Indikation soll eine Analyse der Wirtschaftswoche bieten. Ziel dieser Analyse war die Bewertung der Performance der wichtigsten Ausgliederungen deutscher Konzerne. Der Zeitraum der Analyse wurde auf 20 Jahre beschränkt. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Spin-offs eine bessere Performance als IPOs bieten. Die Wertpapiere der abgespaltenen Gesellschaften und die des Mutterkonzerns weisen in dem betrachteten Zeitraum eine bessere Performance auf. Das jüngste Beispiel für ein erfolgreiches Spin-off ist Uniper, welches 2016 von E.On. ausgegliedert wurde und einen Wertzuwachs von 140 Prozent verzeichnen konnte. Doch auch die ehemalige Siemens-Tochter Osram ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Spin-off. Und auch Lanxess, welches 2005 von Bayer ausgegliedert wurde, ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Spin-off.

Wesentlich schlechter fällt die Bilanz für IPOs aus. Ein renommiertes Beispiel für hohe Kursverluste sind etwa die Heidelberger Druckmaschinen, die 1997 von RWE ausgegliedert wurden. Auch Epcos, welches 1999 von Siemens ausgegliedert wurde, sorgte für hohe Verluste. Als einer der Hauptgründe für die schlechtere Performance gilt vor allem die Emission in einem freundlichen Börsenumfeld, denn dieses sorgt für höhere Emissionspreise und somit auch höhere Kursverluste bei konsolidierenden Märkten. Allerdings gibt es auch erfolgreiche IPOs. Als passende Beispiele können etwa Siltronic oder Covestro angeführt werden. Die Wertpapiere dieser Unternehmen konnten seit der Ausgliederung mehr als 400 beziehungsweise 225 Prozent zulegen.