Wer profitiert von der Globalisierung am meisten - und wer nicht ?

Protektionismus bremst die Globalisierung aus 

Mit Donald Trump steuert seit nunmehr 1,5 Jahren ein protektionistischer Präsident die Geschicke der wichtigsten Volkswirtschaft. Um das Land vor den Produkten ausländischer Hersteller zu beschützen, hat Trump nun auf gewisse Produkte Strafzölle erhoben. Besonders betroffen sind demnach Europa und China, und die Politiker reagieren mit entsprechenden Gegenmaßnahmen. Solche Umstände zeigen, dass die Globalisierung aktuell einen schweren Stand hat und die drei Handelsmächte auf einen Handelskrieg zusteuern. Einen entsprechenden Fokus legen die Experten deshalb auf die Gespräche, welche im Rahmen des G7-Gipfels in Kanada stattfinden werden.

Viele Zuschauer nehmen an, dass die Globalisierung vor allem Verlierer hervorbringe und aus diesem Grund der Protektionismus eine Renaissance erlebt. Doch eine neue Statistik der Bertelsmann Stiftung widerlegt diese These, denn vor allem Einwohner von Industriestaaten profitieren von der Globalisierung. Auf Basis dieser Studie gehört Deutschland sogar zu den Ländern, die am meisten durch eine zunehmende Globalisierung profitieren. Demnach liegt Deutschland auf dem sechsten Platz und konnte das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 1150,00 Euro jährlich steigern. Als Betrachtungszeitraum wurden sämtlich Daten der Jahre 1990 bis 2016 herangezogen. Am stärksten profitierte dabei die Schweiz. Insgesamt finden sich acht europäische Staaten unter den Top-10 Profiteuren wieder.

 

Globalisierung sorgt für kräftiges Wachstum 

Laut den Analysten der Bertelsmann Stiftung konnte im Betrachtungszeitraum ein BIP-Wachstum von 30.910 Euro realisiert werden. Ohne die Globalisierung hätte dieses lediglich bei 29.640 Euro gelegen, sodass sich das Delta auf 1.270 Euro belief. Demnach sind die Wohlstandsgewinne für die Deutschen enorm.

Im Rahmen der Berechnungen wurde ein Globalisierungsindex für jedes Land errechnet. Je höher dieser errechnete Wert ausfällt, desto höher ist die Verflechtung eines Landes mit anderen Ländern. Ein Anstieg um einen Indexpunkt ist einem realen BIP-Wachstum von 0,3 Prozentpunkte pro Kopf gleichzusetzen. Die errechneten Wachstumsraten wurden anschließend von der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung abgezogen, sodass die Einflüsse der Globalisierung auf das Wirtschaftswachstum berechnet werden konnten. Gewinner dieser Studie ist demnach auch die Schweiz, denn das BIP pro Kopf nahm aufgrund der Globalisierung um rund 1900 Euro zu. Das große Wachstum lässt sich insbesondere am kleinen Binnenmarkt und den daraus resultierenden Handelsaktivitäten mit Ausland festmachen.

 

In den Schwellenländern bringt die Globalisierung kaum Vorteile 

Am schlechtesten hat Indien abgeschnitten. Das reale BIP stieg im Beobachtungszeitraum um lediglich 20 Euro pro Jahr. Auch das Land der Mitte, welches heute für viele Unternehmen als wichtigster Einzelmarkt dient, konnte mit 80 Euro BIP-Wachstum pro Kopf nur unterdurchschnittlich profitieren. Laut den Experten gibt es jedoch einen klaren Grund für dieses schlechte Abschneiden. Die Schwellenländer hatten zu Beginn der Messungen im Jahre 1990 ein vergleichsweise schlechtes Ausgangsniveau. Aus diesem Grund sind die absoluten Zuwächse im Vergleich zu den Industriestaaten geringer und der Effekt der Globalisierung laut Datenbasis niedriger.

Zusammenfassend hebt die Studie hervor, dass die Globalisierungsgewinne ungleich verteilt sind. Vor allem die Schwellenländer können den Abstand zu den Industriestaaten kaum noch aufholen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird durch die Globalisierung immer breiter. Laut der Bertelsmann Stiftung müssen die Gewinne gleichmäßiger verteilt werden. Hierbei könnte eine internationale Wirtschaftsordnung beitragen, welche gemeinsame und verbindliche Regeln setzt. Insbesondere die Marktöffnung von Schwellenländern und der Abbau von Subventionen in Industriestaaten würden einen großen Einfluss auf die Gleichheit haben.