Wer sein Erspartes gegen Inflation wappnet, und wer nicht
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2021-12-21

Wer sein Erspartes gegen Inflation wappnet, und wer nicht

Als ob Null- und Negativzinsen es Anlegern nicht schon schwer genug machen würden, frisst nun auch noch die Inflation die Rendite. Doch viele Investoren steuern bereits gegen. Es ist allerdings vor allem eine Gruppe, die das tut; eine andere lässt das Drama negativer Realzinsen einfach über sich und ihr Vermögen ergehen.

Die Inflation ist aktuell extrem hoch. Das macht nicht nur das Leben teurer, sondern auch die Geldanlage schwieriger. „Nullzinspolitik und Inflation fressen Rendite“, sagt Michael Heuser, Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). Die Folge: Der Realzins bei vielen Anlagen und Strategien ist negativ. Mit Vermögensaufbau hat das nicht mehr zu tun, im Gegenteil. Doch die Deutschen denken um, zumindest zeigt das eine aktuelle Studie des DIVA in Kooperation mit der DWS. Befragt wurden 2.000 Bürger und 700 Finanzanlageberater. Das Ergebnis: Ihre Einstellung zu aktienbasierten Anlagen ist zunehmend positiv. Wer etwas gegen steigende Inflation tun will, denkt demnach in erster Linie an Börse, Aktien, Fonds oder fondsgebundene Lebensversicherungen. Für immerhin fast die Hälfte der Befragten (47,7 Prozent) und fast alle Experten (95,3 Prozent) sind Aktien und Aktienfonds die Favoriten gegen Inflation. Danach folgen Immobilien (36,5 Prozent), ETFs (30,6 Prozent) und Edelmetalle (27,2 Prozent).




Anlagetrend Aktien

Nahezu alle 700 befragten Vermögensberater wirken mit ihren aktuellen Anlageempfehlungen bereits einer steigenden Inflation entgegen. Wie sich überhaupt die positive Einstellung der Beratungsexperten gegenüber aktienbasierten Anlageformen auf das Portfolio ihrer Mandanten auszuwirken scheint: Während weniger als ein Drittel der befragten Bürger angibt, aktienbasierte Anlagen zu besitzen, sagen drei Viertel der Vermögensberater, ihre Kunden besäßen überwiegend solche Anlagen.

Swen Köster überrascht das Ergebnis nicht. „Der Berater ist es, der den Kunden auf die Problematik Inflation und Sachwert-Investition hinweist“, sagt der Senior Vice President von Moventum S.C.A., einem unabhängigem Financial Service Partner für Finanzdienstleister. „Kunden, die keinen Berater haben oder sich keinen leisten wollen oder können, sind immer noch eher traditionell in Geldwerten unterwegs.“ Grundsätzlich sieht der Experte bei der Mehrzahl der Berater Anlagevorschläge mit einer höheren bis hohen Aktienquote, die sich dann ebenso in den Kundenbeständen widerspiegeln. Dies sei aber keine temporäre Entwicklung der vergangenen Monate, sondern schon länger so ausgeprägt.

Auch Christoph Endter, Leiter Wholesale bei Vates Invest, einer inhabergeführten Asset-Management-Boutique, bestätigt, dass die Inflation bei Beratern und damit auch bei den Kunden im Fokus steht. Grundsätzlich aber würden Depots schon seit Jahren offensiver ausgerichtet. „Die heutige Aktienlastigkeit fußt daher nur teilweise auf der Annahme steigender Inflation, sondern auch auf dem Problem des Niedrigzinsumfelds bei Kapitalmarktanlagen und der Verwahrentgelte auf Sparkonten“, sagt er. Aktuell wird also eher eine Herausforderung der vergangenen Jahre in den Depots verarbeitet.


Stärkere Berücksichtigung von Aktien notwendig

„Für uns persönlich ist das Thema Inflation ein weiteres i-Tüpfelchen, das für die Aktienanlage spricht“, bringt es FIVV-Chef Andreas Grünewald auf den Punkt. „Wir appellieren bereits seit vielen Jahren für eine stärkere Berücksichtigung der Aktie innerhalb der Vermögensstrukturierung und insbesondere auch im Rahmen der staatlichen Rentenversicherung sowie der betrieblichen und privaten Altersvorsorge.“ Der Vermögensverwalter plädiert mit Nachdruck darauf, die staatliche Förderung der Altersvorsorge endlich auf breitere Füße zu stellen. „Es ist ein Unding, dass in Deutschland die Lebensversicherung, die in der Regel im Schwerpunkt in niedrig- oder sogar fast unverzinste Anleihen hoch verschuldeter Staaten investieren, staatlich gefördert werden, aber die langfristige Altersvorsorge mit Aktien keinerlei nennenswerte Förderung erfährt.“ Aus seiner Sicht sind Aktien die einzige große Anlageklasse, welche derzeit noch moderat beziehungsweise normal bewertet ist.

Wenn die Notenbanken die hohe Inflation bekämpfen, wird das allerdings Spuren hinterlassen, warnt Endter. Die Aktienmärkte seien daher unberechenbar. „Berater versuchen, dem Problem mit vielen Aktien zu begegnen, wissen aber auch, dass dieser Schuss nach hinten losgehen kann.“ Historisch gesehen sei es bisher grundsätzlich so gewesen, dass die Inflation irgendwann für fast alle Unternehmen zur Belastung geworden sei und somit auch für den Aktienmarkt. Sein Fazit: „Inflation ist zwar im Fokus der Berater, aber einen nachhaltigen Umgang mit diesem Phänomen gibt es nicht wirklich. Es besteht eher die Hoffnung, dass auch diesmal alles irgendwie gut geht.“


(Digitales) Gold als sicherer Hafen?

Doch nicht nur Aktien werden als Inflationsschutz eingesetzt. Zwar sind auch nahezu alle Kunden der Kirix Vermögensverwaltung ganz oder teilweise in Aktien beziehungsweise Aktienfonds investiert. „Darüber hinaus haben wir unsere Portfolien insbesondere um inflationsindexierte Anleihen und Rentenfonds ergänzt, erwerben aber auch Immobilienfonds und Gold, um den steigenden Teuerungsraten entgegenzuwirken“, sagt Vorstand Rolf Kieckebusch. Auch die DIVA-Befragung zeigt, dass das bei den Älteren Gold und Edelmetalle heute noch als Inflationsschutz gelten. Je älter die Menschen, umso mehr vertrauen sie diesem „sicheren Hafen“. Genau umgekehrt verhält es sich übrigens mit Kryptowährungen: Je jünger die Menschen, umso größer ist das Vertrauen in die Inflationsresistenz von Bitcoin & Co. DIVA-Direktor Heuser teilt allerdings die Skepsis vieler Experten: „Digitalwährungen als Inflationspuffer sind bisher eine ökonomische Begründung wie einen empirischen Nachweis schuldig geblieben.“ Bei aller konzeptioneller Unterschiedlichkeit sei die Achterbahn der Rallys und Abstürze der vergangenen Jahre eher eine Folge von Euphorie und Angst als von fundamentalen ökonomischen Zusammenhängen.

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