Dr. Guido Krüger
Fachanwalt für SteuerrechtNachricht senden

Wesentliche Dokumente für persönliche Absicherungsstrategie nicht vergessen

Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung sichern für den Fall ab, dass ein Mensch wichtige Fragen nicht mehr selbst beantworten kann

Durch den wachsenden Wohlstand und die immer bessere medizinische Versorgung steigt die Lebenserwartung in Deutschland immer weiter an. Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2015/2017 beträgt die Lebenserwartung für neugeborene Jungen 78 Jahre und vier Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und zwei Monate, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Zum Vergleich: Ein 1960 geborener Mann hat eine Lebenserwartung von etwa 68 Jahren. Und: In Deutschland gibt es rund 17,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Damit bildet die Zielgruppe Senioren einen prozentualen Anteil von rund 21 Prozent an der Gesamtbevölkerung in Deutschland. 2060 wird der Anteil laut Berechnungen bei rund 34 Prozent liegen.


Und dieses Älterwerden sollte geplant werden, denn mit einem fortschreitenden Lebensalter steigen natürlich auch die Risiken für Erkrankungen und andere Rückschläge. Themen wie Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung sind dementsprechend für Berater und Verwalter und deren Mandanten gleichermaßen ein großes Thema. Diese sichern für den Fall ab, dass ein Mensch – sei es ein Privatmann oder Unternehmer – wichtige Fragen nicht mehr selbst beantworten kann. Das Betreuungsrecht regelt, wer die Entscheidungen trifft, wenn eigenverantwortliches Handeln nicht mehr möglich ist – und wahrt dennoch das Selbstbestimmungsrecht.

Rechtzeitige Vorsorge macht eine selbstbestimmte Lebensführung möglich. Selbst dann, wenn man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Wer sich frühzeitig um die entsprechenden Verfügungen und Vollmachten kümmert, sichert sich selbst und die Familie ab. Bei wichtigen Entscheidungen gibt es kein Rätselraten, und in einem unternehmerischen Kontext wird, oft verbunden mit einer konkreten Handlungsanweisung, die Handlungsfähigkeit der Ertragsquelle bewahrt, wenn der Geschäftsführer-Gesellschafter ausfällt. Das ist insbesondere bei Unternehmern von entscheidender Bedeutung (mehr bei CAPinside.com: „Unfall, Krankheit oder Tod: Unternehmensführung sicherstellen“).

Mit der Vorsorgevollmacht wird einer anderen Person die Wahrnehmung einzelner oder aller Angelegenheiten für den Fall übertragen, dass man die Fähigkeit zur Selbstentscheidung einbüßt. Der Bevollmächtigte kann dann auf allen Ebenen für den Betroffenen handeln, ohne dass es weitere Entscheidungen, Maßnahmen oder Instanzen nötig sind. Die Vorsorgevollmacht schafft eine Eigenverantwortlichkeit, da selbst bestimmt wird, wer in der entsprechenden Situation die Entscheidungen treffen soll. Andererseits muss der Empfänger der Vorsorgevollmacht gut ausgewählt werden. Um sich zusätzlich abzusichern gibt es die Möglichkeit, einen Kontrollbevollmächtigten einzusetzen. Dieser wahrt die Rechte des Betroffenen, etwa bei Vermögensangelegenheiten.

Die Betreuungsverfügung wiederum dient dazu, eine Person als Betreuer einzusetzen und inhaltliche Vorgaben zu machen, auf welche Weise beispielsweise im Pflegefall die Betreuung organisiert werden soll beziehungsweise welche Wünsche und Vorstellungen dabei generell eine Rolle spielen sollen. Die Verfügung kann auch Menschen als Betreuer ausschließen. Sie dient dem Gericht zur Kontrolle, ob der Betreuer seine Aufgaben im Sinne des Ausstellers wahrnimmt. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht hat der Betreuer aber nur einen sehr beschränkten Zugang zu Finanzen etc. und kann kaum darüber entscheiden. Zur Absicherung der Fortführung des Unternehmens ist die Betreuungsverfügung daher nicht geeignet.

Das gleiche gilt für die Patientenverfügung, die dennoch ein wesentliches Instrument in jeder persönlichen Absicherungsstrategie darstellt. In der gesetzlich verankerten Patientenverfügung wiederum werden medizinische Maßnahmen festgelegt beziehungsweise ausgeschlossen. Wer nicht möchte, dass andere über die medizinische Behandlung entscheiden, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist, kann in der Patientenverfügung für konkret beschriebene Krankheitszuständen definieren, ob bestimmte medizinische Maßnahmen gewünscht oder eben nicht gewünscht sind. Das bezieht sich regelmäßig auf lebenserhaltende beziehungsweise lebensverlängernde Maßnahmen. Durch die Aufsetzung einer Patientenverfügung wird sichergestellt, dass im Falle schwerer Krankheit eine strukturierte Entscheidung möglich ist. Das nimmt nicht die emotionale Last von den Angehörigen, aber immerhin kennen sie den Willen den Betroffenen.

Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung gehören neben einem Testament für jeden Menschen zu den wesentlichen Dokumenten für die persönliche Absicherung. Bei Unternehmern kommen Handlungsanweisungen für den Umgang mit dem Unternehmen hinzu. Daher sollte die Aufsetzung der Dokumente mit allen Beteiligten eingehend diskutiert werden, um alle Vorstellungen und Wünsche miteinander in Einklang zu bringen. Zudem kann die Einbindung eines versierten Rechtsanwalts Sinn ergeben, um alle Dokumente und Formulierungen rechts- und anfechtungssicher zu gestalten.


Dr. Guido Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Mitglied des weltweiten Leitungsausschusses. Er berät Familienunternehmen bei sämtlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen und begleitet Familienunternehmer dabei, wirksame Modell für den privaten Vermögensschutz und die langfristige Entwicklung des Privatvermögens zu entwickeln. 

Mehr Informationen unter www.beiten-burkhardt.com