Wettbewerbsverzerrung: Weko startet Untersuchung Schweizer Banken

Schweizer Banken sollen mobile Bezahllösungen wie Samsung Pay und Apple Pay bewusst boykottiert haben. Deshalb hat die Wettbewerskommission Weko nun die Geschäftsstellen der betroffenen Institute untersucht. Razzien wurden unter anderem bei den Großbanken Postfinance, Credit Suisse und OBS durchgeführt. Doch auch Apple selbst steht im Visier der Weko.

Die Schweizer Wettbewerbskommission hat am Dienstag mit den Untersuchungen gegen verschiedene Schweizer Bankenhäuser begonnen. Institute wie Postfinance, Swisscard und Aduno und Credit Suisse stehen im Verdacht, ihre hauseigenen Kreditkarten bewusst nicht für mobile Bezahllösungen von Apple und Samsung freigegeben zu haben, um der eigenen Payment-Dienst Twint einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Twint ist ein Tool der sechs größten Bankhäuser in der Schweiz und des Finanzdienstes Six. 20 Prozent des Dienstes gehören dem französischen Zahlungsverkehr-Anbieter Worldline, der für die Umsetzung der technischen Aspekte zuständig ist.

Im Jahr 2016 wurden Twint und der Konkurrenzdienst Paymit fusioniert und stellen seitdem eine direkte Konkurrenz zu den bekannten mobilen Bezahllösungen US-amerikanischer Anbieter dar. Den Vorwurf, man habe sich untereinander abgesprochen, um Apple Pay und Co. zu blockieren, weisen die sechs betroffenen Bankhäuser jedoch strikt zurück.


Postfinance koopiert, CS bestreitet Vorwürfe

Wie die Postfinance inzwischen mitgeteilt hat, werde man mit der Wettbewerbsbehörde kooperieren. Die Post-Tochter bestreitet, gegen das schweizerische Kartellrecht verstoßen zu haben und will dazu beitragen, den Sachverhalt zügig zu klären. Credit Suisse lehnt die Vorwürfe als unbegründet ab. „Über unsere fünfzigprozentige Tochtergesellschaft Swisscard bieten wir bereits heute Konsumenten in der Schweiz Zugang zu Apple Pay und Samsung Pay“, so der Züricher Bankkonzern.


UBS kommentiert die Razzien nicht direkt, weist jedoch darauf hin, dass man Apple Pay „mehrere Alternativen“ angeboten habe, jedoch keine Einigung mit dem Anbieter erzielten konnte. Auch Swisscard zeigt sich überrascht, denn das Kreditinstitut bietet seinen Kunden bereits seit November 2016 die Möglichkeit, Apple Pay zu nutzen. Seit August 2017 befindet sich auch Samsung Pay im Portfolio der Bank.


Auch Apple im Visier der Weko

Der Verdacht einer Wettbewerbsverzerrung seitens der sechs großen Schweizer Bankhäuser besteht bereits seit einigen Jahren. Mit dem Start von Apple Pay vor knapp drei Jahren verweigerten die meisten Schweizer Kreditkartenherausgeber, ihre hauseigenen Kreditkarten freizuschalten. Eingeleitet wurden die Untersuchungen laut Weko-Vizedirektor Olivier Schaller aufgrund neuer Informationen.
Ein Ergebnis der Untersuchungen dürfte aufgrund der Komplexität der Situation nicht vor 2019 zu erwarten sein. Dagegen steht ein Verfahren der Wettbewerbskommission gegen Apple kurz vor dem Abschluss: der Konzern verbietet anderen Unternehmen die Nutzung der NFC-Schnittstelle und könnte dadurch den freien Wettbewerb behindern, so die Weko. Eine finale Entscheidung könnte bereits in den nächsten Wochen fallen.