Wer sind die Gewinner und Verlierer des Handelsstreits? 

Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzt sich zu. Dieser Umstand belastet die Aktienkurse und wirft die Frage nach den möglichen Verlierern auf.

Laut den Meinungen zahlreicher Experten gehören etwa die Automobilhersteller zu den möglichen Verlierern, wobei jedoch vor allem die deutschen Konzerne zu den möglichen Gewinnern gehören könnten. 

Den Start des Handelsstreits markierte die USA, die Importe aus der Volksrepublik China mit zusätzlichen Importzöllen, welche ein jährliches Volumen von 50 Milliarden Dollar umfassen, belegen wollen. Als Reaktion darauf verkündete China, dass Produkte aus der USA mit zusätzlichen Strafzöllen von 25 Prozent besteuert werden. Hierbei handelt es sich um 106 Produkte, welche direkt aus den USA geliefert werden. Durch diese Maßnahmen kristallisieren sich einige Gewinner und Verlierer heraus, die folgend vorgestellt werden.

Die Gewinner des Handelsstreits 

Zu den klaren Gewinnern des Handelsstreits würden die lateinamerikanischen Landwirte gelten, welche durch eine steigende Nachfrage von chinesischen Importeuren profitieren könnten. Laut einer Commerzbank-Analyse deutet sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt an, dass Brasilien die USA im aktuellen Erntejahr vom Markt drängt. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits vor dem Beginn des Handelsstreits an.

Brasilien läuft bereits jetzt an der Kapazitätsgrenze und exportiert Dreiviertel der gesamten Jahresproduktion an Sojabohnen nach China. Doch die zusätzlichen Kosten, die durch die Strafzölle entstehen, können durch Preissteigerungen ausgenutzt werden. Eine solche Bewegung war bereits ersichtlich, sodass der Preis brasilianischer Sojabohnen rund ein Drittel über den der US-Bohnen lag. 

Allerdings würden auch US-amerikanische Fleischproduzenten profitieren können, denn die Aussicht auf fallende Sojabohnen-Preise, welche insbesondere im Tierfutter verwendet werden, treibt bereits jetzt die Kurse in die Höhe. Sollten die US-Konzerne aufgrund der Strafzölle weniger Sojabohnen exportieren, so würde sich dies in einem fallenden Rohstoffpreis bemerkbar machen und die Fleischproduzenten unterstützen. 

Insbesondere Airbus würde sich über chinesische Strafzölle auf US-Produkte freuen, denn somit müsste der größte Konkurrent Boeing höhere Zölle auf alle Exporte zahlen. Da beide Konzerne den Weltmarkt untereinander aufgeteilt haben, würde diese Entwicklung den Absatz von Airbus in die Karten spielen.

China gilt für Luftfahrtunternehmen als gigantischer Absatzmarkt, da chinesische Airlines regelmäßig Milliardenbeträge in den Ausbau des Streckennetzes investieren. Doch neben Airbus würden vor allem europäische Chemieunternehmen von den potenziellen Strafzöllen profitieren, da diese Konzerne mit einer verbesserten Auftragslage in China rechnen könnten. Zu den profitierenden Unternehmen gehören etwa BASF, Evonik und Wacker Chemie. Doch auch andere Konzerne wie Clariant, Lenzing, SGL Carbon oder Solvay würden dadurch profitieren. 

Die potenziellen Verlierer des Handelsstreits 

Durch den Handelsstreit geraten die Aktienkurse der US-amerikanischen Autobauer unter Druck. Dieser Umstand ist jedoch nicht verwunderlich, denn der chinesische Markt gilt als größter Absatzmarkt für Fahrzeuge. So erwirtschaftet beispielsweise Tesla rund 17 Prozent des gesamten Umsatzes in China. Insgesamt exportiert die USA jährlich 270.000 Fahrzeuge in das Reich der Mitte und generiert somit einen Umsatz von 11 Milliarden Dollar.

Doch auch die deutschen Hersteller BMW und Daimler könnten unter den Strafzöllen leiden, denn beide Unternehmen produzieren kleinere SUVs in den USA und exportieren diesen anschließend nach China. Es basieren bereits sieben Milliarden von elf Milliarden Dollar, welche durch den Fahrzeugexport generiert werden, auf den Exporten der deutschen Hersteller. Somit wäre diese Steuer eine Strafe für die süddeutschen Automobilproduzenten. Kaum betroffen vom potenziellen Risiko ist hingegen Volkswagen, da die Fahrzeuge für den chinesischen Markt oftmals in Kooperation mit lokalen Joint Ventures produziert werden.

Ein klarer Verlierer, bei einem Inkrafttreten von Strafzöllen ist Boeing. Es stehen zwar nicht alle Flugzeugmodelle auf der Strafliste der Chinesen, dennoch würde das Unternehmen unter einem sinkenden Absatz leiden. Zudem würde dieses Vorgehen den großen Konkurrenten Airbus bevorteilen, sodass der französische Flugzeugproduzent von wachsenden Marktanteilen und verbesserten Kundenbeziehungen profitieren könnte. Boeing sieht in den Strafzöllen ein milliardenschweres Risiko, da allein im Jahr 2017 Exporte in Höhe von 15 Milliarden Dollar an das Reich der Mitte getätigt wurden.