Dr. Guido Krüger
Fachanwalt für SteuerrechtNachricht senden

Wichtige Frage: Wie viel ist mein Unternehmen eigentlich wert?

Eine professionelle Unternehmensbewertung sollte daher immer Bestandteil jeder Unternehmens- und Finanzplanung sein. Das ist wichtig für die Übertragung, ob innerhalb der Familie oder an einen Käufer.

Für Vermögensverwalter, Berater und Family Officer ist die Unternehmensnachfolge ein wichtiger Aspekt, sowohl fürs eigene Business als auch für die Mandanten. Denn in vielen Unternehmen steht in den kommenden Jahren die Übertragung an - und diese muss natürlich vernünftig vorbereitet und strukturiert werden, ganz gleich, ob der Betrieb innerhalb der Familie, an einen Mitarbeiter, Konkurrenten oder anderen Investor übergeben werden soll. Denn in bestimmten Punkten gelten die gleichen Bedingungen für jede Form der Übertragung.

Im Fokus steht der Firmenwert. Wer nicht weiß, wieviel sein Unternehmen wirklich wert ist, kann weder einen realistischen Verkaufspreis erzielen noch die mögliche erbschaft- beziehungsweise schenkungsteuerliche Belastung bei der Übertragung bestimmen und dementsprechend einplanen. Das ist insofern riskant, als dass es sowohl bei den Verkaufsverhandlungen zu weit auseinandergehenden Vorstellungen bei der Kaufpreisbestimmung kommen kann als auch zu wirtschaftlichen Nachteilen für den Übernehmer in der Familie. Und in beiden Szenarien wirkt sich dies natürlich auch negativ auf den Senior-Unternehmer aus, der entweder viel weniger Geld erhält als geplant oder seine Kinder einer hohen Steuerzahlung aussetzt, weil das Finanzamt einen ganz anderen Unternehmenswert erkennt als der bisherige Eigentümer.

 

Steuerliche Verschonung schwieriger zu erhalten

Um zunächst bei der Besteuerung zu bleiben: Viele Unternehmen, gerade im gehobenen Mittelstand, verfügen über komplexe Vermögenswerte, die sie aber als viel zu gering einschätzen. Das Problem dabei: Durch die vor einigen Jahren reformierte Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzgebung ist es nicht mehr so leicht wie in der Vergangenheit, eine steuerliche Entlastung bei der Firmenübertragung zu erreichen. Die Regelungen, die in vielen Fällen eine vollständige steuerliche Verschonung vorgesehen haben, gelten längst nicht mehr uneingeschränkt. Sondern nur noch unter bestimmten Bedingungen in den Fällen, in denen ein Unternehmenswert von 26 Millionen Euro pro Übertragung nicht überschritten wird. Bei einer Übertragung von größeren Betriebsvermögen wird dann die Steuer fällig, in der Regel im Millionenbereich.

Das kann natürlich dazu führen, dass bei einer steuerlich nicht professionell geplanten Unternehmensnachfolge eine so hohe Belastung entstehen kann, dass die Erben beziehungsweise Beschenkten Betriebsteile oder andere Vermögenswerte veräußern müssen, um die Steuer zu bezahlen. Aus dem Barvermögen ist dies in der Regel nicht möglich. Daher kommt der haltbaren und vor den Finanzbehörden argumentierbaren Unternehmensbewertung eine wesentliche Rolle zu.

 

Finanzielle Planung des Ruhestands nicht gefährden

Diese Bewertung kann indes natürlich auch in Übernahmegesprächen genutzt werden. Wer sein Unternehmen einem Käufer unter Wert anbietet, lässt möglicherweise viel Geld liegen, das ihm hätte zufließen können. Wer aber einen weit über dem tatsächlichen Wert liegenden Preis erzielen möchte, kann arge Probleme bekommen, den Betrieb überhaupt zu verkaufen. Denn zum einen gibt es kein „dummes Geld“ im Markt, und zum anderen muss sich der Kaufpreis ja auch aus den Gewinnen eines Unternehmens refinanzieren lassen. Und auch die Bank muss bei der Finanzierung mitspielen und wird kein Darlehen vergeben, wenn sie die Amortisation für gefährdet hält. Die Folge: Der Unternehmer muss länger arbeiten als gedacht und später seinen Betrieb weit unterhalb des ursprünglich kalkulierten Preises verkaufen. Das verkompliziert die finanzielle Planung des Ruhestands.

Eine professionelle Unternehmensbewertung sollte daher immer Bestandteil jeder Unternehmens- und Finanzplanung sein. Wer weiß früher, was die Firma wert ist, kann später keinen vielleicht teuren Fehler begehen.