Dr. Guido Krüger
Fachanwalt für SteuerrechtNachricht senden

Wichtiges Thema: Gestaltung der steueroptimierten Nachfolge

Viele Unternehmen sind sehr viel wert. Durch die Neuregelung der Erbschaft- und Schenkungsteuer sind Steuervergünstigungen schwieriger zu erhalten. Gute Planung kann daher viele Vorteile bringen.

Es ist zwar längst keine Neuigkeit mehr, dass die deutsche Erbschaft- und Schenkungsteuer reformiert worden ist. Aber viele der Auswirkungen sind noch immer nicht bei Unternehmern und Beratern angekommen. Bis zur Reform wurde die Übertragung von Unternehmensvermögen insofern begünstigt, als dass entweder 85 Prozent oder 100 Prozent des Vermögens erbschaftsteuerfrei übertragbar waren. Das galt je nachdem, ob eine fünf- oder siebenjährige Haltefrist am Unternehmen seitens des Erben oder des Beschenkten eingehalten wurde und abhängig davon, in welchem Maße das Unternehmen über nicht produktives, sogenanntes Verwaltungsvermögen, verfügte.

Heute ist das anders, und besonders größere Unternehmen können bei der Übertragung leicht schenkung- oder erbschaftsteuerliche Folgen auslösen. Zwar bleibt es im Kern dabei, dass Unternehmensnachfolger in großem Umfang von der Erbschaft- und Schenkungsteuer verschont werden, wenn sie Betrieb und Arbeitsplätze über mehrere Jahre hinweg erhalten. Aber die Regelung, dass entweder 85 Prozent oder 100 Prozent des Vermögens von der Erbschaftsteuer befreit werden, wenn der Erwerber das Unternehmen fünf oder sieben Jahre lang fortführt und – vereinfacht gesprochen – die dort bestehenden Arbeitsplätze erhält, gilt nur noch begrenzt. 

Nämlich dann, wenn ein Unternehmenswert von 26 Millionen Euro pro Übertragung nicht überschritten wird. Für Unternehmen, deren Wert oberhalb dieser „magischen Grenze“ liegt, gelten verschärfte Bedingungen. Hier muss der Erwerber, auf den ein Wertanteil von mehr als 26 Millionen Euro übergeht, nämlich nachweisen, dass ihn die Zahlung der Steuer überfordern würde. Vereinfacht ausgedrückt, kann er mit bis zu 50 Prozent seines Privatvermögens zur Begleichung der Steuerschuld herangezogen werden.

26 Millionen: Das klingt nach unglaublichen betrieblichen Vermögenswerten – aber die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen diese Werte leicht überschreiten. Eine repräsentative Betriebsimmobilie, ein stabiler Kundenstamm, eine gut aufgestellte Führungsmannschaft: Je nach Berechnung kann schon ein Gewinn von 250.000 Euro zu einem Unternehmenswert von knapp 1,5 Millionen Euro führen – ohne weitere Berechnung der Zukunftspotenziale, ohne immobiles Betriebsvermögen. Daher ist es die herausragende Pflicht eines Unternehmers, seinen tatsächlichen Firmenwert zu kennen

Steuerliche Vergünstigungen sind aber, durch eine Gestaltung mit Augenmaß, auch im gehobenen Mittelstand möglich. Denn die „magische Grenze“ von 26 Millionen Euro bezieht sich nicht auf den gesamten Wert, sondern bildet eine Freigrenze pro Erwerber. Um ein Beispiel zu geben: Ein fiktives Familienunternehmen ist 100 Millionen Euro wert, der Eigentümer hat zwei Kinder, die beide dessen Nachfolge in Gemeinschaft antreten wollen. Durch eine geschickte und individuelle Schenkungsstrategie können alle zehn Jahre pro Erwerber bis zu 26 Millionen Euro an Firmenvermögen übertragen werden (also in der Regel Gesellschaftsanteile). Will heißen: Mit einer solchen Strategie lässt sich das Unternehmen mit seinem komplexen Vermögen innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren – also auf jeden Fall innerhalb einer Generation – nach jetzigem Stand steuerfrei übertragen.

Das lässt sich mit einem anderen Aspekt kombinieren: Alle zehn Jahren können persönliche Steuerfreibeträge in Anspruch genommen werden, die sich demnach auch für die Übertragung von Privatvermögen nutzen lassen, beispielsweise Investment-Immobilien, Bargeld oder Wertpapierdepots. Wer dies ausnutzt, schont das Vermögen massiv und kann unter gewissen Umständen die Unternehmens- und Vermögensübertragung komplett steuerfrei gestalten. Das Risiko ohne Gestaltung mit Weitblick: Gerade im plötzlichen Erbfall kann es zu enormen Zahlungsverpflichtungen kommen, die nicht selten den Verkauf einer Immobilie oder sogar eines Unternehmensteils erfordern.

Das bedeutet: Unternehmer und Berater können sich auf der einen Seite vor gefährlichen Steuerbomben im plötzlichen Erbfall schützen und auf der anderen Seite erbschaftsteuerliche Belastungen unter bestimmten Bedingungen weitgehend reduzieren, wenn sie sich gezielt und strategisch mit den steuerlichen Pflichten und den Möglichkeiten und Grenzen der optimierten steuerlichen Gestaltung auseinandersetzen.