Wie Amazon und Co. zur Konkurrenz für Versicherungsunternehmen werden

Seit mehr als 20 Jahren ist der Versandhändler Amazon auf dem Markt aktiv. Das Produktangebot wurde in der Zeit erweitert. Nun sollen auch Versicherungen dazu kommen.

Als Amazon-Gründer Jeff Bezos 1995 online das erste Buch verkaufte, war das ein Grund, eine große Party zu organisieren. Dazu lud er 300 Gäste ein. Danach wurde sein Online-Versandhaus zum Selbstläufer. Schon im ersten Monat gehörten Menschen aus allen 50 US-Staaten und 45 weiteren Ländern zu den Kunden. Heute hat das Unternehmen alleine in Deutschland etwa 44 Millionen Kunden, die regelmäßig bestellen. Das Geschäft mit der Ware ist inzwischen auch zum Geschäft mit den Daten geworden. Denn über seine User hat Amazon viele Informationen gesammelt, die nun im Versicherungsgeschäft fruchtbar gemacht werden sollen.
 

Sachversicherungen waren bisher eine Sache des Einzelhandels

Im Herbst 2017 wurde publik, dass Amazon in diese Branche einsteigen will. Denn auf Jobbörsen im Internet suchte der Versandhändler nach potenziellen Mitarbeitern. Konkret geht es dabei um Produktversicherungen. Dass diese Versicherungen passend zu teueren Elektrogeräten verkauft werden, kennen Kunden bereits vom stationären Handel. Doch für das Onlinegeschäft ist es eine Neuerung. Dem könnten sich nun weitere Handelsplattformen anschließen. Denn Amazon war schon in vielen Bereichen ein erfolgreicher Vorreiter und erschloss Märkte. Zuletzt baute Amazon seine Leistungen um Lebensmittel oder Pharmazeutika aus. Dafür wird der Internetriese zwar kritisiert, doch der Erfolg gibt ihm Recht.

Bei seinen Kunden genießt Amazon ein großes Vertrauen, was dem Unternehmen auch beim Verkauf von Versicherungen helfen könnte. Der Bestellprozess läuft so transparent ab, dass die Kunden praktisch jederzeit sehen können, in welchem Stadium sich ihre Bestellung befindet und wann mit einer Zustellung zu rechnen ist. Experten sagen, dass der Versandhändler genau die Offenheit gegenüber seinen Kunden biete, die in der Versicherungsbranche fehle. Deswegen sehen sie Amazon als einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Möglicherweise baue Amazon die Versicherungsleistungen auch in seinen Dienst Amazon Prime ein, glauben einige. Er gilt als Paradebeispiel dafür, wie das Unternehmen Kunden an sich bindet – ihnen per Abo-Vertrag gegen eine Zahlung viele Vorteile bietet. Um den kostenlosen Versand alleine geht es dabei schon lange nicht mehr.

 

Es könnte erst der Einstieg in den Versicherungsmarkt sein

Außerdem sind sich die Experten einig, dass Amazon langfristig nicht nur beim Vertrieb von Sachversicherungen bleibt. Da es eine Vielzahl von personenbezogenen Daten besitzt, könnte Amazon Versicherungen zielgerichteter anbieten als seine Mitbewerber. Schließlich kennt das Unternehmen auch das Konsumverhalten so gut wie wohl niemand anderes. Das Geschäft mit Versicherungen ist durchaus lohnend. Zwischen 40 und 50 Prozent der Provisionen bleiben beim Händler. Das ist ein weiterer Grund, weshalb Global Player, die zahlreiche Daten ihrer Nutzer gespeichert haben, in die Branche einsteigen könnten.

Durch eine Beteiligung an einem indischen Händler von Finanzprodukten hat Amazon zumindest schon in einem anderen Land einen Fuß in der Tür. Sollte sich das Geschäft dort als lohnend erweisen, könnte es schnell auch auf anderen Märkten übernommen werden.


Kommt die umfassende Bestellung, die keine Wünsche offenlässt?

Sachversicherungen von Amazon würden dem lokalen Einzelhandel ein weiteres Alleinstellungsmerkmal rauben. Ein umfassender Bestellvorgang könnte also nirgendwo einfacher und bequemer abgewickelt werden als beim Internetriesen. Doch es gibt auch Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen gegen die Dienste von Onlinehändlern im Allgemeinen oder von Amazon im Speziellen stellen. Sie werden jedoch wohl kaum in der Lage sein, ein neues Geschäftsgebiet für die Unternehmen unrentabel zu machen.