Wie aussagekräftig ist die Schufa?

Die Grundlage zur Ermittlung des Risikos bei der Kreditvergabe ist neben der individuellen Bonität auch oftmals das Ranking der SCHUFA. Auch beim klassischen Kauf auf Rechnung holen zahlreiche Unternehmen die SCHUFA-Auskunft ein. Allerdings ergeben Untersuchungen, dass die Zusammensetzung des SCHUFA-Ratings als fragwürdig einzustufen ist.

Jeder Mensch verfügt über einen SCHUFA-Score. Lediglich Unternehmen sind von diesem Rating ausgeschlossen, denn hier geben CRIF Bürgel und Creditreform die relevanten Bewertungen ab. Dabei beziehen sich die beiden Ratingagenturen für Unternehmen zumindest auf die Unternehmensergebnisse sowie die angenommenen Kosten, um eine valide Bewertung zu errechnen. Bei der SCHUFA sieht dies anders aus, denn das Unternehmen ist eine Blackbox. Nur wenige Kunden verstehen wie sich der SCHUFA-Score ergibt. Dieser wird jedoch bei jedem Onlinegeschäft, bei jedem Mobilfunkvertrag und auch bei Kreditanfragen eingeholt. Aus einem Bericht vom Spiegel und des Bayrischen Rundfunks (BR) geht nun hervor, dass diese kundenspezifische Bewertung als sehr fragwürdig einzuschätzen ist. 

 

Demnach würden viele Menschen zu Unrecht ein schlechtes Rating erhalten. Ein schlechtes Rating geht mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit einher. Die entsprechenden Journalisten haben die SCHUFA-Daten von mehr als 2.000 Personen ausgewertet und den individuellen Score bis ins kleinste Detail überprüft. Die teilnehmenden Personen sind Mitglieder aus dem Projekt OpenSchufa. Das Projekt möchte die Machenschaften der SCHUFA genauer betrachten und hat aus diesem Grund Verbraucher im Frühjahr 2018 dazu aufgerufen, die eigene SCHUFA-Auskunft anzufordern. Anschließend sollten die Teilnehmer diese Auskünfte anonym hochladen und zur Untersuchung freigeben. Bei der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse gaben die Forscher zu, dass die gewählte Stichprobe nicht repräsentativ sei. Allerdings wurde eine solch umfangreiche Studie über die Bewertungen der größten Auskunft Deutschlands noch nie veröffentlicht. Insgesamt ermöglicht diese Auswertung einen besseren Einblick in das Innerste der SCHUFA. 

 

Diskrepanz zwischen verfügbaren Informationen und dem individuellen Score

Eine besonders wichtige Erkenntnis der Untersuchungsergebnisse ist die Diskrepanz zwischen den Informationen über die Verbraucher sowie den daraus abgeleiteten Score. Zwei grundlegende Trends verdeutlichen, dass das Rating keinen besonderen Anspruch auf Objektivität erhebt. Zum einen hat die Auskunftei bei 90 Prozent der Verbraucher nur positive Vertragsinformationen zu Verfügung. Dennoch wird rund jedem achten Verbraucher im OpenSCHUFA-Datensatz ein erhöhtes Risiko zugesichert. Insbesondere die Merkmale "erhöhtes" und "hohes Risiko" deuten auf eine schlechte Finanzierbarkeit. Des Weiteren wird deutlich, dass bei 23,7 Prozent der Personen aus dem SCHUFA-Datensatz maximal drei Informationen zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass rund ein Viertel der geführten Personen über weniger als vier gespeicherte Merkmale verfügen. Bei diesen Informationen handelt es sich etwa um ein Girokonto oder den abgeschlossenen Mobilfunkvertrag. Im Test wurde einem Prozent der Teilnehmer trotz dieser schlechten Datenlage ein höheres Risiko zugesprochen. 

 

Des Weiteren haben der Spiegel und der BR weitere Kriterien identifiziert, die einen negativen Einfluss auf den SCHUFA-Score haben können und keinen direkten Bezug zum Wirtschaftsleben aufweisen. So werden junge Männer grundlegend risikoreicher eingestuft. Der Punkt "allgemeine Daten" berücksichtigt Faktoren wie das Geburtsdatum, das Geschlecht sowie die Anzahl der gespeicherten Adressen. Die Testmenge zeigte, dass bei Männern häufiger ein Minus vorzufinden ist. Insbesondere Männer unter 30 sind von diesem Problem betroffen. Zudem gelten viele Umzüge als Negativmerkmal. Auch die alten Score-Versionen sind ein Problem beim SCHUFA-Rating, denn Alter und Geschlecht spielten eine noch wichtigere Rolle. Aus den ausgewerteten Auskünften ging dabei hervor, dass dieser alte Score-Wert im vergangenen Jahr besonders häufig an anfragende Unternehmen übermittelt wurde. 

 

Ein Fall zeigte, dass die fehlerhafte Auswertung der SCHUFA dazu beitrug, dass ein Kunde keine Erhöhung des Kreditkartenlimits vornehmen konnte. Allein in Deutschland behalten sich 27 der größten 30 Onlineshops die Einholung einer SCHUFA-Auskunft vor. So könnten unschuldige Konsumenten durch die mangelhafte Auswertung benachteiligt werden indem ihre Bestellung storniert wird. Bereits jetzt werden Forderungen vonseiten des Bundesministeriums laut, die eine höhere Transparenz fordern. Jeder Bürger müsse die Möglichkeit erhalten, die wesentlichen Einflussfaktoren des Ratings zu erfragen und deren Gewichtung zu erfahren.