Wie der Handelsstreit die Börse belastet

Die kommende Woche ab dem 26. März könnte für den Dax entscheidend werden. Sollte er weiter unter 11.800 Zähler fallen, dürfte ein deutlicher Abwärtstrend eingeleitet werden. Die Marke war am Freitag im nachbörslichen Handel schon unterschritten worden.

Beunruhigendes Chartbild

Die vergangene Woche wurde in allen großen Indizes von deutlichen Abschwüngen geprägt. Die Börsen hatten sich zuvor ein wenig erholt, der jüngste Preisverfall aufgrund der Sorgen um die US-Inflation und die Leitzinsentscheidungen der Fed schien gestoppt - da schickte US-Präsident Trump mit seiner Ankündigung von Strafzöllen die Börsen erneut auf Talfahrt. Es droht ein Handelskrieg, den zwar die Europäer und einige andere Staaten wohl abwenden konnten, der aber zwischen den Vereinigten Staaten und China ernsthaft ausbrechen dürfte. Davon wäre die gesamte Weltwirtschaft betroffen, unter anderem, weil die Chinesen diejenigen Produkte (unter anderem Stahl und Aluminium), welche die USA künftig stark verzollen, in andere Weltregionen exportieren werden. Davon wäre dann auch der europäische Markt betroffen. Dementsprechend reagieren die Anleger in Erwartung einer sich abkühlenden Konjunktur mit Verkäufen. Am Freitag (23. März) fiel Deutschlands Leitindex zunächst im Tagesverlauf auf 11.826 Punkte, im nachbörslichen OTC-Handel schließlich auf 11.755 Punkte. Das ist der niedrigste Stand des letzten Jahres. An anderen Börsen sah es ähnlich aus. Das Chartbild hat sich damit sehr deutlich eingetrübt. Der Liechtensteiner Analyst Bernd Hardtmann (VP Bank) hält die 11.800 Punkte für eine entscheidende Marke. Sollte sie weiter deutlich unterschritten werden, dürfte eine emotionale und technische Verkaufsreaktion folgen, ein sogenannter “wash-out”. Durch Panik verkaufen immer mehr Anleger spontan, darüber hinaus werden der Reihe nach Stopplossmarken berührt, was technische Verkäufe über automatische Programme auslöst. Laut Hardtmann ist denkbar, dass der Dax demnächst unter 11.000 Punkte fällt.

Empfohlene Zurückhaltung

Verschiedene Experten raten aktuell von neuen Aktienkäufen ab. Manche Anleger halten die gegenwärtigen Kurse optisch für sehr günstig und möchten in der Erwartung der kommenden Erholung jetzt schon wieder einsteigen. Doch das wäre der berüchtigte Griff ins “fallende Messer”. Der Helaba-Analyst Christian Schmid ist relativ fest davon überzeugt, dass der Dax zumindest die 11.480 demnächst touchieren, also nochmals um rund drei Prozent nachgeben werde. Der Aktienstratege Uwe Streich (LBBW) hält die bisherigen Verluste für “rein psychologisch bedingt“, denn noch seien die Unternehmensgewinne stabil - der Handelskrieg ist schließlich noch nicht ausgebrochen. Allerdings sind künftige Verwerfungen unausweichlich, denn mindestens einen Teil seiner angekündigten Marktabschottung wird Donald Trump wohl auf jeden Fall durchsetzen. Damit ließen sich die bislang hohen Gewinnprognosen für deutsche und internationale Unternehmen nicht mehr halten. Sobald sich ganz konkret sinkende Margen abzeichnen, dürften die Kurse erst richtig nachgeben. Wie weit der erwartbare Crash reicht, weiß aktuell niemand. So ein Kurssturz folgt eigenen Gesetzen, die Kurse können sich - vom Höchststand aus betrachtet - durchaus halbieren oder gar noch weiter sinken. So geschah es in der Finanzkrise 2007/2008. Der Dax hat viel Luft nach unten, womöglich bis 8.500 Punkte. Es ist daher definitiv kein Zeitpunkt für Aktienkäufe.

Warnungen der Volkswirte

Die Börse bildet zwar größtenteils die wirtschaftlichen Verhältnisse ab, doch sie wird auch durch die Anlegerpsychologie getrieben - sonst gäbe es keine irrationalen Blasen und Crashs. Wie aber betrachten diejenigen Ökonomen die Lage, die stets das große Bild im Blick haben - also die Volkswirte? Von dieser Front gibt es leider sehr deutliche Warnungen. Michael Heise - Chefvolkswirt der Allianz - verweist darauf, dass Protektionismus den gegenwärtigen globalen Aufschwung beenden könne. Die größte Gefahr seien nicht einmal die Importzölle, die Trump gegen chinesische Einfuhren verhängen wolle. Weitaus gefährlicher für die Weltkonjunktur dürften die chinesischen Gegenmaßnahmen sein. Ein wahrscheinliches Szenario sei eine synchrone Konjunkturverlangsamung durch die global negativen Erwartungen. Investoren sollten bei ihren Anlageentscheidungen daher unbedingt die Konjunkturindikatoren beachten. Demnächst stehen Daten zum ZEW-Index, zum Einkaufsmanagerindex der Euro-Zone und des Großraums Chicago sowie zum Ifo-Index an. Daraus dürften sich am besten kurz- bis mittelfristige Prognosen ableiten lassen.