Wie Private Equity-Gesellschaften passende Unternehmen finden

Private Equity-Manager sind ständig auf der Suche nach interessanten Targets. Der Fokus in der Bewertung liegt häufig in der Cash Flow-Analyse sowie in der Betrachtung der künftigen Planungsgrundlagen und -prämissen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Private Equity-Gesellschaften erwerben (mit dem Geld ihrer Anleger und in der Regel einer Finanzierung) Unternehmen, in denen sie Rendite- und Entwicklungspotenzial sehen, optimieren deren Geschäftsmodelle und Gewinne und verkaufen diese später weiter beziehungsweise bringen sie an die Börse. Aus den Erlösen entsteht die Rendite der Investoren. Die Wertsteigerung wird in der Regel neben dem Kapitalbeitrag durch Beratungsleistungen des Finanzinvestors, durch die Verbesserung von operativen Werttreibern sowie durch die Optimierung der Finanzierungsstruktur erreicht. Dafür nehmen die Manager beispielsweise Einfluss auf Strategieentwicklung, schaffen Zugänge zu neuen Märkten und unterstützen das Management in der laufenden Arbeit. Ziel ist die Entwicklung in ein überdurchschnittlich gewinnbringendes Unternehmen.


Strategisch streben Private Equity-Gesellschaften eine Sperrminorität an, also eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen von mindestens 25,1 Prozent. Auf diese Weise können im Gesellschafterkreis wichtige unternehmerische Entscheidungen treffen oder eben auch verhindern. Auch auf eine vollständige Kontrolle über das Unternehmen wird hin und wieder abgezielt, und üblicherweise übernehmen Private Equity-Investoren die Mehrheit.


Beteiligungsgesellschaften verfügen in der Regel über viel Kapital 

Private Equity-Gesellschaften suchen sich in der Regel Zielunternehmen, die bereits einen stabilen Kapitalfluss garantieren können. „Die erzielbaren Renditen im Mittelstand sind sehr gut, zehn, 15 oder sogar 20 Prozent sind keine Seltenheit. Das ist natürlich hochattraktiv für laufende Ausschüttungen und die Risikominimierung eines Investments. Und da die Beteiligungsgesellschaften in der Regel über viel Kapital verfügen, können sie auch bei gehobenen Kaufpreisen mithalten, bei denen vor allem Privatinvestoren, die sich über den Firmenkauf selbstständig machen wollen, regelmäßig nicht mitgehen können“, sagt Dr. Holger Wassermann, Geschäftsführer der Berliner M&A-Beratung Intagus – Transaktion Nachfolge Beratung und Professor für Betriebswirtschaftslehre.


Private Equity-Investoren bewerten das Unternehmenskonzept

Aber wie genau wählen Private Equity-Gesellschaften überhaupt ihre Zielunternehmen (Targets) aus? „Bevor sich Private Equity-Gesellschaften an einem Unternehmen beteiligen, prüfen sie das Unternehmen sehr genau – genauso wie auch die Eigentümer des Unternehmens die Private Equity-Gesellschaft genau prüfen. Eine Beteiligung von Private Equity ist immer eine Partnerschaft auf Zeit, die von beiden Seiten im Vorfeld genau überdacht wird. Die Private Equity-Investoren bewerten Unternehmenskonzept und -strategie sowie die Marktchancen der Produkte. Auch schauen sie sich an, wie das Unternehmen finanziert ist, es findet eine sehr genaue Buchprüfung statt (die sogenannte Due Diligence)“, heißt es beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).  Apropos Due Diligence: Das ist ein mehrstufiger Prozess, in dem ein Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft wird. Diese Due-Diligence-Prüfung bezieht sich auf zahlreiche rechtliche, steuerliche, betriebswirtschaftliche und strategische Aspekte und soll die künftigen Ertragspotenziale des Unternehmens aufzeigen, aber eben auch Risiken für die Investoren reduzieren.


Das ist aber kein Selbstläufer, betont Holger Wassermann. „Im Gegensatz zu strategischen Käufern sind Finanzinvestoren in der Regel nicht auf die langfristige Entwicklung eines Unternehmens konzentriert, sondern darauf, den Kapitaleinsatz schnellst- und bestmöglich zu verzinsen und frühzeitig eine Ausstiegsstrategie zu entwickeln. Daher liegt der Fokus von Investoren häufig in der Cash Flow-Analyse sowie in der Betrachtung der künftigen Planungsgrundlagen und -prämissen, aus denen sich die Ertragsmöglichkeiten ableiten lassen. Finanzinvestoren wollen sich nicht unternehmerisch verwirklichen, sondern verfolgen de facto rein finanzwirtschaftliche Ziele im Sinne des Beteiligungsmanagements. Insofern erwarten sie detaillierte Informationen zur Risiko- und Ertragsanalyse und suchen sehr substanzstarke Unternehmen zur Übernahme, sind aber auch bereit und in der Lage, höhere Preise zu bezahlen. Wir stellen allerdings auch fest, dass es schon so manche Finanzinvestoren gibt, die mit einem eigenen Team die wirtschaftliche Entwicklung des investierten Unternehmens aktiv und damit operativ mitgestalten möchten.“


Die menschliche Seite spielt eine wichtige Rolle

Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften weist auch auf einen anderen Aspekt bei der Suche nach passenden Unternehmen hin. „Ganz wichtig ist auch das Management des Unternehmens. Denn Private Equity wird nicht Teil des Managements des Unternehmens, sondern übt eine aktive Gesellschafterrolle als Teil des Beirats oder Aufsichtsrat des Unternehmens aus. Es liegt also im Interesse der Private Equity-Gesellschaft, dass das Management an Bord bleibt. Hier spielt auch die menschliche Seite eine wichtige Rolle – die Chemie zwischen Management und Private Equity-Investor muss stimmen. Im Gegensatz zu Banken geht der Blick von Beteiligungsgesellschaften vor allem in die Zukunft, das heißt die Investoren versuchen zu ermitteln, welche Zukunftschancen das Unternehmen besitzt, in das sie investieren.“