Wie Qualitätsaktien vor Inflation und Krisen schützen
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2022-03-30

Wie Qualitätsaktien vor Inflation und Krisen schützen

Qualität hat ihren Preis. Das gilt auch für Aktien von Qualitätsunternehmen. Sie sind zwar häufig teurer, bieten Anlegern aber auch Schutz vor Inflation und Krisen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Doch was macht ein Qualitätsunternehmen aus? Wie findet man es? Und warum überhaupt schützt es vor Inflation und Krisen?

In Qualität zu investieren – das klingt nach einer naheliegenden und erfolgsversprechenden Anlagestrategie. „Trotzdem ignorieren immer noch viele Anleger diese Strategie oder haben keine Definition für den Begriff Qualitätsunternehmen“, schreibt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank, in einer aktuellen Studie. „Leider ist es immer wieder überraschend, wie viele Investoren mit diesem Konzept nicht vertraut sind und stattdessen ausschließlich auf Variablen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis schauen.“ So bleiben Rohrkrepierer jahrelang im Depot, immer in der Hoffnung auf den Turn-Around, auf Innovationen und bahnbrechenden Produktneuheiten. Stattdessen könnten Investoren schlechte Unternehmen im Portfolio sukzessive durch gute zu ersetzen. „Selbst wenn man als Anleger den Kurs falsch einschätzt, hat man wenigstens die Gewissheit, dass die Unternehmen im Portfolio dank der hohen Kapitalrenditen Werte schaffen“, sagt Kahler. „Auch dürften diese Unternehmen und deren Produkte kaum Schwierigkeiten haben, Phasen langanhaltender Inflation und Krisen zu überdauern.“

Doch was ist ein Qualitätsunternehmen überhaupt? Es gibt verschiedene Definitionen. „Qualitätsunternehmen zeichnen sich in der Regel durch ein stabiles Geschäftsmodell aus – und dies wiederum geht mit dem Vorteil einher, dass sie häufig vergleichsweise attraktive Umsätze und Erträge erwirtschaften“, erklärt Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory und Produktmanagement bei Laureus Privat Finanz. „Gut aufgestellte Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell punkten zudem dadurch, dass sie in Zeiten steigender Inflation die höheren Preise in der Produktion in der Regel einfacher weiterreichen können.“




Guter Schutz, aber kein Allheilmittel

Kein Wunder, dass viele Investoren derzeit nach Qualität suchen. Auch der digitale Vermögensverwalter Whitebox hat sich jüngst für eine Beimischung von Qualitätsaktien aus den USA entschieden. Ein Grund war deren schlechtere Performance im bisherigen Jahresverlauf im Vergleich zum breiten US-Markt. „Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Bewertungen für Qualitätsaktien attraktiv waren, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie in volatilen Marktphasen in der Regel besser abgeschnitten haben“, sagt Whitebox-Gründerin Salome Preiswerk. Ein Allheilmittel ist diese Anlageklasse aber auch nicht. Zwar bieten Qualitätsunternehmen grundsätzlich auch in Krisenzeiten einen vergleichsweise guten Schutz. „Dies bedeutet aber nicht, dass Qualitätsunternehmen und deren Aktienkurse immun gegen Krisen sind“, so Aliti. Wenn es am Kapitalmarkt zu Marktrücksetzern kommt, geben in der Regel auch diese Aktien nach, wenngleich die Verluste – etwa im Vergleich zu Growth-Aktien – nicht ganz so kräftig ausfallen sollten. 

Doch welche Kennzahlen sind entscheidend auf der Suche nach Qualität? „Für uns ist ein Qualitätsunternehmen ein Unternehmen, das über den gesamten Geschäfts- und Wirtschaftszyklus hinweg eine sehr hohe Rendite auf das in das Unternehmen investierte Kapital erzielt“, sagt DZ-Bank-Experte Kahler. Sie wird ermittelt, indem der Gewinn vor Steuern ins Verhältnis zum Betriebskapital, also Bilanzsumme minus kurzfristige Verbindlichkeiten, gesetzt wird. Das Ergebnis ist die „Rendite auf das eingesetzte Kapital“, kurz ROCE (für „Return on Capital Employed“). Ein ROCE von 20 Prozent bedeutet, dass ein Unternehmen mit einem Kapitaleinsatz von einem Euro 20 Cent vor Steuern und Zinsen verdient. „Mithilfe des ROCE kann ein Investor beurteilen, wie gut ein Unternehmen sein Kapital einsetzt, um Gewinne zu erzielen“, so der Chefanlageexperte. „Darüber hinaus müssen die Kapitalkosten berücksichtigt werden, also die Kosten, die jedes Unternehmen für die Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital aufbringen muss.“ Weitere Faktoren, die ein Qualitätsunternehmen auszeichnen und im Investitionsprozess berücksichtigt werden können, sind: die Rohertragsmarge, die operative Marge, der Grad der Cash-Umwandlung (cash conversion), der Verschuldungsgrad und der Zinsdeckungsgrad.


Nur wenige sehr gute Unternehmen

„Unseres Erachtens gibt es nur wenige sehr gute Unternehmen auf der Welt, die über den gesamten Geschäfts- und Wirtschaftszyklus hinweg konstant eine Kapitalrendite oberhalb ihrer Kapitalkosten erwirtschaften und auf die sich die Anleger verlassen können“, sagt Kahler. Einige Beispiele haben er und seine Kollegen in der aktuellen Studie vorgestellt: Adobe Systems, Applied Materials, ASML, Kering, LVMH und Novo Nordisk. Preiswerk empfiehlt Anleger auf der Suche nach Qualitätsaktien eine Blick auf den MSCI USA Quality. „Der Index zielt darauf ab, die Performance von Qualitätswachstumsaktien zu erfassen, indem er Aktien mit hohen Qualitätswerten auf der Grundlage von drei wichtigen Fundamentalvariablen identifiziert: hohe Eigenkapitalrendite (ROE), stabiles Gewinnwachstum im Jahresvergleich und geringe finanzielle Verschuldung“, sagt sie. Dieser Index sei daher ein guter Anhaltspunkt.

„Wie bei allen Investments gilt auch bei Qualitätsunternehmen: Um die aussichtsreichsten Kandidaten zu identifizieren – auch was beispielsweise die Bewertung angeht – ist eine umfangreiche Analyse unerlässlich“, sagt der Laureus-Experte. „Privatanlegern fehlt aber häufig nicht nur das notwendige Know-how für eine umfangreiche Analyse großer Unternehmen.“ Auch den Faktor Zeit würden viele private Investoren unterschätzen. Er empfiehlt aktiv gemanagte Fonds. Salome Preiswerk würde jedoch ETFs bevorzugen. Qualitätsaktien sollten aber in keinem Depot fehlen, nicht nur weil sie vor Inflation und Krisen schützen.


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