Wie Stiftungen mit alternativen Anlageklassen umgehen

Das Interesse von Stiftungen an alternativen Investments ist kein Luxus, sondern Antwort auf den Niedrigzins. Das hilft auch dabei, Unabhängigkeit von Aktien und Co. herzustellen.

Deutschland ist ein Stifterland. Fast 23.000 Stiftungen gibt es hierzulande. Jahr für Jahr kommt eine mittlere dreistellige Zahl von Neugründungen hinzu. Sie alle stehen vor einer großen Herausforderung: keine Zinsen. Das ist insofern problematisch, als dass Stiftungen ohne laufende Erträge erhebliche Schwierigkeiten bekommen, ihre satzungsgemäßen Zwecke zu erfüllen. Gegenwärtig erwarten nach einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen 39 Prozent der Stiftungen eine Rendite unterhalb der Inflationsrate – bei den kleineren Stiftungen sogar 45 Prozent.

Apropos Größe: Von den beinahe 23.000 deutschen Stiftungen weisen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zwei Drittel ein Stiftungskapital von weniger als einer Million Euro auf. Dagegen haben nicht einmal 30 Stiftungen privaten Rechts ein Stiftungskapital im dreistelligen Millionen- oder gar im Milliardenbereich zur Verfügung, heißt es beim Sachwerte-Fonds-Anbieter Wealthcap.


Immobilien stehen im Fokus

„Selbst sehr konservative Stiftungen sind deshalb zu der Erkenntnis gelangt, dass mit einem Weiter-so nicht einmal mehr der Substanzerhalt sichergestellt werden kann. Von adäquaten Zweckausgaben ganz zu schweigen. Vor diesem Hintergrund ist das steigende Interesse an alternativen Assets wie Immobilien kein Luxus, sondern das Gebot der Stunde“, sagt Nico Hübner, Direktor Vertrieb Professional Clients bei Wealthcap. Immobilien machten bei den alternativen Anlagen übrigens schon Ende 2017 von professionellen Investoren laut Zahlen von Universal-Investment dabei 13,7 Milliarden oder fünf Prozent des Anlagevermögens aus. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2013 mit etwa einer Milliarde Euro lediglich ein Prozent.


Sachwertinvestitionen müssen ins Portfolio passen

Ralph Heller, Geschäftsführer der HW HanseInvest aus Fürth, berät Stiftungen regelmäßig beim Einsatz alternativer Anlage. Mit seiner Gesellschaft prüft er im Auftrag (semi-)institutioneller Mandanten wie eben Stiftungen Sachwertinvestitionen vor allem hinsichtlich ihres Rendite-Risikoprofils, der Aussagekraft der Prognosen und der Frage, ob und wie diese überhaupt in das Investmentportfolio passen. Die HW HanseInvest GmbH besitzt die Erfahrungen aus einem begleiteten Sachwerte-Investitionsvolumen von ca. drei Milliarden Euro. Die Erstellung von Produkt- und Plausibilitätsprüfungen erfolgt nach dem anerkannten Standard IDW PS 951 (Institut der Wirtschaftsprüfer). „Daher sehen wir in der Praxis, dass Sachwertinvestitionen bei immer mehr Stiftungen eine wesentliche Rolle spielen. So kann mit bestimmten Anlageinstrumenten eine weitestgehende Unabhängigkeit dieser Investitionen von den klassischen Kapitalanlagen wie Aktien oder Renten hergestellt werden. Damit lassen sich die Chancen-Risiko-Profile ihrer bisherigen Anlagen optimieren und die Erträge steigern – bei insgesamt gleichbleibendem oder sogar sinkendem Risiko“, sagt Ralph Heller.


Energie ist dynamischer Wachstumsmarkt

Auch Thomas Hack, Finanzberater in Walsdorf in Oberfranken, sieht eine stark wachsende Bedeutung von Sachwerten gerade auch bei kleineren Stiftungen. „Sie können wie private Investoren von den Vorteilen langlebiger, inflationsgeschützter Sachwerte profitieren, die sich durch planbare Rückflüsse mit attraktiven Renditen mit kalkulierbarem Risiko auszeichnen.“ Im Fokus stehen laut Thomas Hack aktuell beispielsweise Investitionsmöglichkeiten in Projekte aus dem Bereich Erneuerbare Energie. „Die Erfahrung hat gelehrt, dass Ökologie, Nachhaltigkeit und Rendite in einer Kapitalanlage zu vereinbaren sind. Photovoltaik ermöglicht den Dreiklang aus wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Rendite: Für die Investoren, für die Umwelt, aber auch für die Menschen vor Ort. Energie ist ein riesiger, dynamischer Wachstumsmarkt mit einem weltweit Billionen US-Dollar schweren Kapitalbedarf.“

Sachwertinvestitionen für Stiftungen lassen sich auch gut mit dem Gedanken des Impact Investing, also des wirkungs- und verantwortungsvollen Investierens, verbinden, betont Peter Jäderberg vom unternehmerischen Impact Investor Jäderberg & Cie. Das Unternehmen bietet semi-institutionellen Investoren maßgeschneiderte Co-Investments in seinen aufgeforsteten Sandelholz-Mischwäldern an. Damit könnten renditestarke Sachwertinvestitionen in ein Rohstoffmonopol aufgebaut und gleichzeitig ein Beitrag für die Bereiche Umwelt, Soziales und Medizin geleistet werden. „Sandelholz ist vom Aussterben bedroht. Durch die Investitionen wird die nachhaltige Kultivierung der Wälder gewährleistet. Die Kombination von wirkungsorientierter Nachhaltigkeit, hoher Unabhängigkeit von Börsen und Weltwirtschaft sowie unternehmerischer Renditen trifft den Wunsch vieler Stiftungen.“ Zum exklusiven Sandelholz-Club gehören beispielsweise der Staatsfonds Abu Dhabis, Harvards Universitätsstiftung und die Church of England.