Wie und warum Zulieferer die Automobilindustrie angreifen

Durch die Elektrifizierung der Fahrzeuge werden die Autobauer vor neue Herausforderungen gestellt und auch die Zulieferer können von den neuen Chancen profitieren. Insbesondere der Wandel zum Fahrzeuganbieter sowie die Entwicklung eigener Mobilitätsdienstleistungen bietet neues Potenzial.

Das gewachsene Machtgefüge der Automobilindustrie steht vor fundamentalen Veränderungen. Neue Wettbewerber wie Tesla und BYD revolutionieren die Mobilität und stellen die etablierten Anbieter vor Herausforderungen. Doch auch die Zuliefererindustrie erhält neue Chancen und kann die OEMs bei der Bereitstellung von Mobilitätsdienstleistungen auf die Zuschauerposition verweisen. Die neue Mobilität zeichnet sich vor allem durch eine geteilte Mobilität, autonomes Fahren und elektrische Antriebssysteme aus. Durch die Erweiterung des Geschäftsfelds haben auch junge und aufstrebende Unternehmen die Chance innovative Lösungen zu entwickeln und zu vermarkten. So verdeutlicht der Technologiekonzern Bosch den Wandel, indem das Unternehmen eine größere Rolle bei Mobilitätsdienstleistungen einnimmt. Exemplarisch kann die Sharingplattform Coup angeführt werden. Im Rahmen der Plattform plant Bosch in Kooperation mit Streetscooter den Aufbau eines 3.500 Fahrzeuge umfassenden Mobilitätsdienstes. Dieser soll Elektrotransporter zum Leihen anbieten und vor allem in den Baumärkten der Baumarktkette Toom getestet werden.

Eine ähnliche Strategie fährt auch der Zulieferer ZF, denn das Unternehmen setzt ebenfalls auf eine Kooperation mit Streetscooter. Beide Unternehmen planen durch ein Joint Venture die Entwicklung des E-Fahrzeugs e.Go People Mover. Hierbei handelt es sich um einen Kleinbus, der zu einem späteren Zeitpunkt auch als Paketstation fungieren soll. Hiermit sollen neben Privatkunden auch Logistikunternehmen angesprochen werden. ZF entwickelt das elektrische Antriebssystem, die Lenkung und die Bremsen. Zusätzlich sollen auch die autonomen Fahrfunktionen von ZF entwickelt werden. Grundlage hierfür ist die künstliche Intelligenz ZF Pro, die von einem Zentralrechner gesteuert wird.
 


Zulieferer beginnen mit der Entwicklung eigener Services und Fahrzeuge
 

Bereits im kommenden Jahr plant Bosch in Kooperation mit Daimler die Entwicklung eines autonomen Shuttle-Service. Der Dienst soll vorerst in Kalifornien genutzt werden. Zum aktuellen Zeitpunkt testen die Unternehmen die Integration fahrerloser Fahrzeuge in ein bestehendes Verkehrsnetzwerk. Im Rahmen des Projekts möchten beide Unternehmen aufzeigen, wie sich Mobilitätsservices intelligent vernetzen lassen. Doch auch die Vorstellung eines eigenen Konzeptfahrzeugs zeigt, dass Bosch aus der Rolle des Zulieferers entkommen möchte. Auf der CES stellte das Unternehmen ein eigenes Konzeptfahrzeug vor, welches als fahrerloses Shuttle in Städten agieren soll. Dabei liefert Bosch die Systeme zur Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung der Fahrzeuge. Zudem plant der Technologiekonzern die Entwicklung eigener Mobilitätsdienste und Software. Neben dem reinen Mobilitätsdienst ist auch die Entwicklung einer Lade-Infrastruktur, intelligenten Routenplanung und Verwaltung angedacht.

Somit würden die Autohersteller lediglich die Entwicklung der Karosserie übernehmen. Die Zulieferer können dahingegen bereits heute mit innovativen Ideen und Konzepten überzeugen. Da auch die Mobilität ein neues Geschäftsfeld ist, können hier die Zulieferer vom Expertise-Aufbau profitieren. Neben den aufstrebenden Startups, stellen sich diese in direkte Konkurrenz zu den OEMs auf. Diese haben mittlerweile auch eigene Dienste wie Moovel, Moia, WeShare oder Car2Go. Allerdings müssen die OEMs auch die Elektrifizierung berücksichtigen und somit einen Kampf an zahlreichen Fronten fokussieren. Vor allem die Komplexitätsreduzierung – ein Verbrennungsmotor besteht aus mehr als 1.400 Teilen, während ein E-Motor über lediglich 210 Teile verfügt – zwingt die Zulieferer zur Erschließung neuer Geschäfte und fördert den Wettbewerb.