Wie wirkt sich die Digitalisierung positiv auf die Bauwirtschaft aus?

Zudem wird auch die Software-Entwicklung und die Automatisierung von Fabriken als Digitalisierung bezeichnet. Doch auch andere Branchen bieten Potenzial, um digitalisiert zu werden und von einer höheren Effizienz zu profitieren.

 

Bauwirtschaft im Blickfeld der Digitalisierung

Die Bauwirtschaft spielt in Deutschland eine besonders wichtige Rolle. Ein Beitrag von fünf Prozent am Bruttoinlandsprodukt und 810.000 Beschäftigten zeigen deutlich, warum es sich um eine wichtige Branche handelt. Dabei fließt aktuell zudem besonders viel Geld in den Wohnungsbau. Insbesondere Ballungsräume werden dadurch aufgerüstet. Doch auch die grundlegende Infrastruktur wird saniert, Schulen sowie Krankenhäuser gebaut und es gibt einen stetigen Bedarf an Neu- oder Ausbau bestehender Immobilien.

Die aktuell hohe Nachfrage sorgt auch für einen steigenden Bedarf nach Effizienz. Dies tritt vor allem dann zu, wenn es um die Effizienz im Blick auf die Kosten und die Termintreue geht. Das hohe Einsparpotenzial wird deutlich, wenn die hohe Fehlerquote von 11 Prozent betrachtet wird. Alleine aus diesem Grund existieren genügend Gründe um die Branche zu digitalisieren. Laut den Aussagen verschiedener Experten geht es bei der Digitalisierung dieser Branche vor allem um das Building Information Modeling (BIM).

 

BIM erschafft einen digitalen Zwilling des Bauvorhabens

Mithilfe der BIM-Methode können Unternehmen bereits vor dem Baubeginn komplette Visualisierungen des jeweiligen Gebäudes erstellen. Hierbei spielt auch der Lebenszyklus keine Rolle, sodass Abbildungen der Planungs-, der Bau-, Betriebs-, Umbau- und Abrissphase erstellt werden können. Nach der BIM-Methode wird hierfür ein digitaler Zwilling des Zielobjektes erstellt.

Durch diesen Ansatz entstehen enorme Vorteile. Somit können die Architekten bereits während der Planungsphase einen konkreten Vorentwurf erstellen, der anschließend für Schätzungen von Baukosten und Energieverbräuchen genutzt werden kann. Des Weiteren stellen digitale Gebäudemodelle sicher, dass bei der Ausschreibung eine höhere Kostentransparenz entsteht und Kosten besser berechnet werden können. Zudem werden Änderungen während der Planungsphase leichter, da die Beteiligten nun an einem digitalen Bauplan arbeiten und nicht auf vielfältige, analoge Modelle gesetzt werden muss. So wird auch die Bauausführung nachhaltig verbessert und der Bauablauf, die Koordination der gesamten Logistik, das Management und das Controlling optimiert.

Nach der Fertigstellung des Gebäudes kann das BIM-Modell an den Bauherren weitergeleitet werden. Dieser kann das Modell wiederum für das Facility Management nutzen und diesem umfangreiche Informationen über die Raumgrößen oder über vorhandene Anschlüsse zur Verfügung stellen.

 

Robotik und 3D-Druck im Einsatz

Dabei ist das BIM jedoch nur die Grundlage für die weiteren Formen der Digitalisierung, die auch für das Bauwesen etabliert werden könnten. Hierbei geht es vor allem um Formen des autonomen Bauens, wie das bei der Industrie 4.0 fokussiert wird. Die Möglichkeiten sind hierbei besonders vielschichtig. So kann mittels 3D-Druck das benötigte Bauteil ausgedruckt oder Roboter auf der Baustelle eingesetzt werden. Die Grundlage stellen jeweils die digitalen Daten dar. Laut einigen Experten wird diese Entwicklung im Rahmen der nächsten 15 Jahre stattfinden und zu einem enormen Produktivitätsanstieg führen. Zudem werden die Qualität steigen und die Kosten planbarer.

Natürlich sind diese Annahmen zum heutigen Stand noch weit entfernt. Vielmehr setzen die meisten Firmen auf analoge Planungstools. Um die Digitalisierung voranzutreiben, muss auch die öffentliche Hand einen Wandel forcieren, denn sie gilt als größter Bauherr Deutschlands. Mit einem Paradigmenwechsel kann dies auf die gesamte Branche übertragen werden. Mittlerweile wurde ein BIM-Stufenplan vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Initiative, die dazu beitragen soll, dass die BIM-Methode adaptiert wird. Bis 2020 soll die BIM-Nutzung im Infrastrukturbereich verbindlich werden. So kann die Etablierung dieses Standards beschleunigt und optimiert werden. Eine spätere Einführung in anderen Bereichen des Baugeschäfts sind ebenfalls vorstellbar.