„Wir holen uns den Markt zurück“

Die Ansprüche sind hoch, die Ankündigungen ambitioniert. „CAPinside ist die erste Adresse für alle Informationen rund um Finanz- und Wirtschaftsnews gepaart mit einzigartigen Tools“ – so heißt es in der Selbstbeschreibung. Tatsächlich scheint hinter der neuen Finanz-Plattform, die in diesen Tagen offiziell an den Start geht, viel mehr zu stecken als einfach nur eine weitere Finanz-Website, vollgepackt mit ungefilterten Nachrichten, Börsentickern und unzähligen Performance-Charts.

Das liegt vor allem an der Zielgruppe der geschlossenen Online-Plattform mit Sitz in Hamburg. Sie richtet sich an professionelle Investoren. Dazu zählen Finanzmakler, Berater von Sparkassen und Banken, Vermögensverwalter, Family Offices und Semi-Institutionelle Investoren. Aber auch vermögende Selbstentscheider sollen die Vorzüge der Plattform kennenlernen.

Und auch das Gründungsmotiv und der Aufbau des digitalen Marktplatzes unterscheiden sich deutlich von anderen: Es geht zum einen um Zeitersparnis: Aufgrund des Userprofils und der aufgerufenen News und Produkte schlägt CAPinside dem registrierten Nutzer nur das vor, was ihn wirklich interessiert, getreu dem Motto: Weniger, aber dafür gezielter Lesen ist mehr Wissen. Dazu werden über Bots sämtliche relevanten News und Informationen aus allen Online-Medien gebündelt. Auf Basis künstlicher Intelligenz lernt CAPinside nach und nach die individuellen Interessen des Nutzers kennen und spielt so immer gezieltere Inhalte und Produktempfehlungen aus, die den tatsächlichen Interessen entsprechen.

 

Kontakt zum Asset Manager möglich

Doch es geht auch um Vernetzung und den direkten Draht zum Asset Manager. Wir arbeiten eng mit den verantwortlichen Managern der gelisteten Fonds zusammen. Mit nur einem Klick können sie diese über unser Nachrichtentool kontaktieren“, erläutert Philipp Schröder. Er ist zusammen mit Achim Denkel Gründer der geschlossenen Plattform und zugleich CEO. Den beiden gehören mehr als 70 Prozent des Unternehmens. Schröder ist hierzulande kein Unbekannter; er war jahrelang Geschäftsführer des Energiespeicher-Unternehmens Sonnen sowie Deutschland-Chef von Tesla.

Und der Start des digitalen Marktplatzes kann sich sehen lassen. Mehr als 5500 User haben sich bereits registriert, die Zahl der Unique User hat die Grenze von 50.000 längst durchbrochen. Und auch 280.000 Page Impressions pro Monat sprechen eine klare Sprache. Doch für Philipp Schröder ist das nur der Anfang. „Wir wollen 2019 unsere unique user pro Monat von 50.000 auf 100.000 steigern und unsere registrierten Mitgliederzahl auf 20.000 erhöhen“, sagt Schröder. „Damit wären wir dann der mit deutlichem Abstand bedeutendste Online-Marktplatz für die deutschsprachige Investment-Community.“

 

Zukunftsthemen im Fokus

Im Zentrum des Portals stehen in erster Linie Investmentfonds, eines der am besten reguliertesten und transparentesten Geldanlage-Produkte und für die CAPinside-Macher somit das ideale Anlage-Instrument. Ein Schwerpunkt sind Fonds, die auf relevante Zukunftsthemen abzielen, wie etwa Blockchain oder Künstliche Intelligenz.

Ausführliche Informationen zu mehr als 40.000 Investmentfonds sind auf der Plattform, kostenlos abrufbar. Denn CAPinside hat sich das Ziel gesetzt, den Finanzmarkt transparenter, offener und leichter zugänglich zu machen. Die User sollen mit CAPinside zum besseren Finanzexperten werden. Bislang war die Vergleichbarkeit von Investmentfonds sehr schwierig. Das soll sich ändern.

 

Mehr Mündigkeit als Ziel 

„Wir holen uns den Markt zurück“, sagt Schröder dazu. Denn bislang läuft der Fondsvertrieb vorwiegend in geschlossenen Silos ab. Das bedeutet, jeder Anbieter will nur die eigenen Produkte platzieren, ein Vergleich zwischen den Fonds unterschiedlicher Anbieter ist in der Regel nicht möglich. Auch der Zugang zu dem so streng regulierten Geldanlage-Produkt verlief bislang extrem ungleich.

„Zum einen sind bestimmte, meist sehr gut performende Investmentprodukte nur für Family Offices und Superreiche verfügbar, von dieser Anlageklasse sind selbst vermögende Investoren mangels Zugang ausgeschlossen“, berichtet Schröder aus eigener Erfahrung aus dem privaten Umfeld. Andererseits sei es nahezu unmöglich, sämtliche Investments einer Vergleichsgruppe, wie zum Beispiel Aktionsfonds, auf einen Blick glaubwürdig zu vergleichen, da die meisten Banken nur innerhalb ihrer Vertriebssilos vergleichen. „Transparenz-Defizit“ nennt Schröder das und will es beseitigen.

Deshalb bietet CAPinside unabhängig von Vermögensverwaltern, Banken und Depotanbietern als ersten Schritt den kostenlosen Vergleich aller relevanten und verfügbaren Investmentfonds. Außerdem soll auf langer Sicht eine Community entstehen, die gute Produkte bewertet und schlechte Fonds auch als solche kennzeichnet. Im Fokus stehen dabei alle relevanten Kennzahlen, angefangen von Performance, Volatilität, über Maximal Drawdown bis hin zu Alpha 1 und Alpha 2. Zusätzlich sind für alle verfügbaren liquiden Investmentfonds Informationen wie Rating, Fondsvolumen, Prospekte und Kommentare verfügbar.

 

Tools bieten Mehrwert

Und selbst wenn man aktuell nicht investieren will, so lädt die Plattform zur Spielerei ein. So kann der Nutzer beliebig viele Watchlisten anlegen, sie individuell gewichten und auch direkt an Kontakte schicken, die diese dann bei Interesse speichern können. Oder er kann bis zu neun Fonds miteinander vergleichen – auch ein Mehrwert, den CAPinside bietet.

 

Bleibt die Frage nach dem Geschäftsmodell: Das Hamburger Unternehmen mit seinen derzeit 25 Mitarbeitern will zum einen über den monatlichen Beitrag der Mitglieder in Höhe von 9,90 Euro Geld verdienen, zum anderen über sogenanntes „educational marketing“. Das bedeutet, dass sich Asset Manager mit exklusiven Inhalten an die CAPInsider wenden und sie über ihre Strategie informieren können. Und nicht zuletzt können Asset Manager empirische Daten über die Vorlieben, Inhalte und aktuellen Trends der Nutzer anfordern, die Produkte entwickeln wollen oder belastbare Marktdaten benötigen.

Bis CAPinside also tatsächlich hierzulande die erste Adresse für Investmentfonds wird, dürfte es noch dauern. Solange die Hamburger aber weiter ein so hohes Tempo einschlagen und die positive Resonanz der Profi-Investoren anhält, ist die Dauer absehbar. Gründer Schröder ist überzeugt: „Ich glaube fest an die Macht des Konsumenten – deshalb wird sich CAPinside zu 100 Prozent auf die Interessen von professionellen und privaten Anlegen fokussieren. Wer das glaubwürdig macht, wird schnell den Markt verändern.“

 


Heino Reents arbeitet seit 2003 als freier Journalist und Wirtschaftsredakteur.

Seine Spezialgebiete sind Geldanlage-Themen: alles rund um Aktien, Investmentfonds, Hedge-Fonds, Zertifikate, geschlossene Beteiligungen und andere Asset-Klassen.