Wird Facebook zum Klumpenrisiko?
3 Min.
08.10.2021

Wird Facebook zum Klumpenrisiko?

Anfang der Woche fielen sämtliche Facebook-Dienste für mehrere Stunden aus – eine Kombination aus technischem und menschlichem Versagen. Daraufhin geriet auch die Facebook-Aktie massiv unter Druck. Für Anleger stellt sich die Frage: By-the-Dip oder neigen sich die fetten Jahre bereits ihrem Ende zu?

Ihr Feed konnte nicht geladen werden." Diese sechs Wörter kosteten Marc Zuckerberg laut einer Bloomberg-Schätzung rund sechs Milliarden US-Dollar an Privatvermögen. Damit rutsche der Facebook-Gründer im Ranking der reichsten Menschen der Welt einen Platz runter auf Rang fünf und musste Bill Gates wieder den Vortritt lassen. Das dürfte allerdings ein eher kleines Problem sein, gemessen an dem, was der weltweite Ausfall des digitalen Facebook-Ökosystems nach sich ziehen könnte.


Vom Systemausfall zum systemischen Risiko?

Für sechs Stunden waren am 4. Oktober sämtliche Facebook-Dienste nicht verfügbar. Neben den Social-Media-Giganten Instagram, WhatsApp und Facebook selbst, waren weitere Anwendungen wie die digitale Coworking-Plattform Workplace oder die Virtual Reality-Plattform Oculus VR-Brille lahmgelegt. Auch intern war der Konzern betroffen, Systeme und Tools waren für Mitarbeiter nicht zugänglich. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise rund fünf Prozent und sackte von 344 auf 323 US-Dollar ab. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder erholt, viele Anleger nutzten den kurzfristigen Rabatt zum Einstieg. Dabei ist fraglich, ob das erst Anfang September erklommene Alltime-High bei 382 US-Dollar so schnell wieder erreicht werden kann, denn das Netzwerkproblem, das die von rund 3,5 Milliarden Menschen genutzten Dienste zum Absturz brachte, kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Am Dienstag, nachdem die technischen Probleme behoben und sämtliche Dienste wieder verfügbar waren, folgte die nächste Nachricht, die das Facebook-Universum zum Schwanken bringen oder zumindest dem bereits angeschlagenen Image weiter zusetzen könnte. In einer Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss des US-Senats forderte die Whistleblowerin Frances Haugen eine strengere Regulierung von Facebook. „Die Unternehmensführung weiß, wie Facebook und Instagram sicherer gemacht werden können. Sie nimmt aber nicht die notwendigen Änderungen vor, weil sie ihre astronomischen Profite über die Menschen gestellt hat“, lautet der zentrale Vorwurf der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin. Der Ruf nach Regulierung wird damit schlagartiger wieder lauter.

Auch hierzulande kritisierte Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbands Verbraucherzentrale, gegenüber der Funke-Mediengruppe im direkten Zusammenhang die zu starke Abhängigkeit von Digitalplattformen in der Online-Kommunikation: „Tech-Giganten wie Google, Apple oder Amazon kontrollieren aus ihrer starken Marktposition heraus den Zugang zu Handelsplätzen und digitalen Ökosystemen.“ Das größte Problem sieht Müller in der aktuellen Schnittstellen-Hoheit der Tech-Konzerne und dem damit verbundenen Zwang zum jeweiligen Produkt-Ökosystem. Damit steht Müller in Europa nicht allein dar. Die Digital Services und Digital Markets Acts der EU-Kommission sollen zukünftig Verbraucherschutz und Wettbewerb stärken und gleichzeitig die großen Gatekeeper zu mehr „Interoperabilität“ ihrer Software und Services bewegen. Die lukrativen Monopolstellungen wären damit beendet.


Werden Facebooks-Werbeerlöse zur Alles-oder-nichts-Wette? 

Diskussionen um mögliche Regulierungsvorhaben gehören für Facebook fast zur Routine. Ebenfalls keine Seltenheit sind kartell- und datenschutzrechtliche Untersuchungen, bei denen es zu Strafzahlungen kommt. So wurde der WhatsApp-Mutterkonzern Anfang September wegen Verstößen gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung durch die irische Datenschutzkommission (DPC) zu einer Geldstrafe in Höhe von 225 Millionen Euro verurteilt. Neben den finanziellen Schäden kratzen derartige Strafzahlungen am gesamten Image und könnten negative Folgen für das Werbegeschäft haben, von dem Facebook so abhängig ist: Von insgesamt 86 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2020 lag der Anteil der Werbeerlöse bei rund 98 Prozent. Angesichts dessen, dürften die durch den sechsstündigen Zwangsausfall verlorenen sechs Milliarden Euro für Mark Zuckerberg zwar zu verkraften sein. Dennoch konkurriert Facebook im digitalen Werbemarkt mit Apple, Google, Tencent, Amazon oder Alibaba, deren Geschäftsmodelle durchweg unabhängiger von den Werbe-Euros sind und deren Image zuletzt weniger Schaden nahm.

Der Umsatzrückgang im ersten Corona-Halbjahr 2020 hat zudem gezeigt, wie fragil das Werbegeschäft ist und wie schnell eine zu starke Fokussierung zur Achillesferse werden kann. Noch geht die Facebook-Strategie voll auf. Im zweiten Quartal 2021 stiegen die Umsätze um 56 Prozent auf 28,6 Milliarden Dollar, auch der Gewinn pro Aktie sprang auf 3,61 Dollar und lag damit deutlich über den Analysten-Schätzungen. Facebook-CFO David Wehner richtete dennoch warnende Worte in Richtung Anleger, sich nicht an die starken Wachstumszahlen des ersten Halbjahres zu gewöhnen, zu unsicher sei die Prognose bei den Werbeeinnahmen. Regulatorische Änderungen sowie die Verschärfungen beim Tracking von Apple-Endgeräten dürften laut Wehner im dritten und vierten Quartal spürbar größere Auswirkungen zeigen. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, sollten Anleger deshalb prüfen, wie hoch das Facebook-Exposure in den eigenen Investments ist.

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