Zeit für einen Metalltausch

Der Palladium-Preis hat über die vergangenen zwölf Monate rund 47 Prozent zugelegt, in der Spitze sogar gut 60 Prozent. Dahinter stehen sicherlich fundamentale Gründe. So ist die Nachfrage für das als Katalysator in der Industrie wichtige Metall gestiegen.

Kemal Bagci, ETC-Experte von BNP Paribas

Die Analysten des Platinmetalle-Verarbeiters Johnson Matthey gehen davon aus, dass 2018 rund 10,1 Millionen Unzen Palladium nachgefragt wurden, zirka 86 Prozent davon für Autoabgaskatalysatoren (1). Da das Angebot aus dem Bergbau (6,88 Millionen Unzen) und Recycling (3,2 Millionen Unzen) nicht mithalten konnte, bestand, wie die Jahre davor, ein Nachfrageüberhang, der aus Lagerhaltung bedient wurde (1). Zudem sprangen Spekulanten auf den Zug auf, was den Preis vor der Korrektur auf gut 1600 Dollar katapultierte. Der Preis dürfte zwar auf absehbare Zeit im historischen Vergleich hoch bleiben. Die Industrienachfrage und damit die Kursdynamik sollte aber dadurch gebremst werden.

Denn die Autoindustrie kann Palladium in den Katalysatoren durch Platin ersetzen. Platin ist aktuell um mehr als 500 US-Dollar je Unze günstiger zu bekommen, denn auf dem Platinmarkt herrscht ein Überangebot. Das World Platinum Investment Council (WPIC) rechnet mit 645.000 Unzen 2018 und 680.000 Unzen 2019 (2). Dies sieht auf den ersten Blick nicht nach einer Investmentchance aus. Doch mittelfristig wird der niedrige Platinpreis zu einer steigenden Nachfrage auch zu Investmentzwecken führen. Auf der Angebotsseite bestehen zudem immer Risiken, dass es zu Produktionsausfällen wie Streiks in Südafrika kommt. Das Land ist mit einem erwarteten Marktanteil von 73 Prozent mit Abstand das größte Förderland (3). Risikobewusste Investoren tauschen daher teilweise von Palladium in Platin. Sie besitzen mit Platin-ETCs Anlagevehikel, um an einem möglichen Platinpreisanstieg zu partizipieren.

 

Quellen: (1) Johnson Matthey: Pgm Market Report February 2019, S. 30, (2) World Platinum Investment Council: Platinum Quarterly Q4 2018, S. 13, (3) World Platinum Investment Council: Platinum Quarterly Q4 2018, S. 18