Zukunftstechnologien: Mit Weltraum-Aktien sind galaktische Gewinne möglich

Seit Neil Armstrong 1969 als erster Mensch den Mond betrat, ist in der Raumfahrt viel passiert. Eine Industrie, die früher ein Regierungsmonopol war, wird zunehmend von Privatunternehmen erobert. Dadurch ergeben sich auch Chancen für Anleger.

„Der Weltraum, unendliche Weiten …“ – Science Fiction Fans kennen den Vorspann zur Fernsehserie Raumschiff Enterprise auswendig. Mit seiner 400 Mann (und Frau) starken Besatzung erforscht die Enterprise neue Welten, neues Leben und neue Zivilisationen. Raumschiff Enterprise spielt im Jahr 2200. Heute, 2021, sind wir von intergalaktischen Raumschiffen noch weit entfernt. Trotzdem ist im Orbit auch heute schon einiges los. Elon Musks SpaceX Starship SN10 kommt derzeit wohl am nächsten an das Raumschiff Enterprise heran. Anfang März flog der Prototyp 10 Kilometer und landete anschließend wieder auf der Startrampe in Süd-Texas.


Sinkende Kosten ermöglichen neue Geschäftsmodelle

Mit dem technologischen Fortschritt der letzten zehn Jahre sind die Kosten für Weltraum-Unternehmungen rapide gesunken. Deshalb ist auch die Landung von SN10 viel wichtiger als ihr Start: Raketen sind teuer, kein Unternehmen kann es sich leisten, millionenteure Technologie explodieren zu lassen. Eine Rakete ins Weltall zu schießen, ist heute nicht mehr so schwierig. Sie dann aber in einem Stück zurückzubekommen umso mehr.

Sinkende Kosten haben in der Weltraumindustrie starkes Wachstum ermöglicht. Heute haben Unternehmen, die sich ausschließlich mit der Raumfahrt beschäftigen, insgesamt eine Marktkapitalisierung von ca. 25 Milliarden US-Dollar. Das beinhaltet noch nicht Firmen wie Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos Blue Origin. Laut Analysten der Bank UBS könnte der Weltraum-Sektor bis 2030 um mehr als das Doppelte wachsen.

Die Herausforderung für Anleger ist, das richtige Investment zu finden. SpaceX bleibt vorerst im Privatbesitz, viele andere Space-Startups sind ebenfalls nicht börsennotiert. Jetzt steht jedoch eine Reihe von Börsengängen an. Das bevorzugte Vehikel scheinen dabei Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) zu sein. So geht zum Beispiel der Raketenhersteller Rocket Lab USA über diesen Weg an die Börse. Konkurrent Astra, deren Raketen nur einen Bruchteil von SpaceX Starships kosten, will ebenfalls noch in diesem Jahr über einen SPAC Deal in den Nasdaq einziehen.


Hyperschall und Satelliten

So aufregend Raketen auch sind, man muss nicht immer bis zum Mars fliegen. Ein naheliegenderes Geschäftsmodell sind Flüge in Hyperschallgeschwindigkeit. Dabei fliegt ein Flugzeug durch die Erdatmosphäre und könnte in weniger als acht Stunden einmal den Globus umrunden. Richard Bransons Virgin Galactic ist hier ein interessanter Kandidat für das Portfolio, einer der Industriepioniere.

Gleichgültig ob Raketen oder Hyperschall: Space-Investments sind mit hohen Risiken verbunden. Die Technologien sind noch nicht ausgereift, nur wenige Space-Firmen sind bereits profitabel und die Zukunft der kommerziellen Raumfahrt ist generell ungewiss. Virgin Galactic Tickets kosten derzeit über 250.000 US-Dollar, vom Massenmarkt sind diese Preise weit entfernt. SpaceX SN10 ist zwar gelandet, aber nach 10 Minuten ist die Rakete explodiert. Investments in diesem Sektor sind eine riskante Wette auf neue Technologien.

Für Anleger mit weniger Risikoappetit ist Satellitentechnik eine Alternative. Allein im Jahr 2020 wurden mehr als 1.000 Satelliten ins Weltall geschossen, laut der Weltraumlogistik-Firma Momentus. Bis 2030 sollen es schon 10.000 sein. Satelliten werden günstiger und leistungsstärker, und viele schnell wachsende Industrien sind auf Satelliten angewiesen – von Greentech bis hin zu Kommunikationsplattformen. Davon profitieren Firmen wie Spire Global oder BlackSky Holdings, die Satelliten-Cluster betreiben und Datenzugang an ihre Kunden verkaufen. Mit dem zunehmenden Verkehr im Weltraum steigt auch die Verschmutzung: Weltraumschrott, zum Beispiel aufgrund von Satelliten-Kollisionen, muss aufgeräumt werden. Damit macht beispielsweise die japanische Firma Astroscale ihr Geld.

Für konservative Anleger bieten sich auch Firmen wie Lockheed Martin an. Lockheed ist im Bereich der Raketen- und Satellitentechnik aktiv und investiert in Space-Startups, unter anderem auch in Rocket Lab. Darüber hinaus ist Lockheed in einer Vielzahl anderer Industrien engagiert, zum Beispiel der Rüstungsindustrie. Das bringt einen Diversifikationseffekt und minimiert die mit der Raumfahrt verbundenen Risiken - aber es reduziert eben auch die potentiell galaktische Rendite.