Die Europäische Kommission will bis zum Ende des Jahres einen Gesetzesentwurf präsentieren, der die von den Automobilherstellern verwendeten Mobilfunkstandards festlegt. Noch ist nicht klar, ob Fahrzeuge künftig mit Wifi oder drahtloser 5G-Technologie ausgestattet werden sollen. Der EU-Rat denkt über einen Kompromiss nach.


Wifi oder 5G in den Autos der Zukunft?

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, wird seit einiger Zeit eine Debatte um Mobilfunkstandards in Automobilen geführt. Mittelpunkt der Debatte ist die Frage, ob Fahrzeuge zukünftig internetfähig sein sollen und wenn ja, welcher Standard bevorzugt eingesetzt werden kann. Eine frühzeitige Entscheidung ist notwendig, um den Produktionsbeginn der Fahrzeuge nicht hinauszuzögern und eine Vereinheitlichung der Standards und damit eine einfachere Nutzung für die Kunden zu ermöglichen.

Die EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hat bereits einen groben Termin für die Entscheidungsfindung genannt. Demnach soll bis spätestens Ende dieses Jahres eine Entscheidung getroffen werden. Im Idealfall werden bis Mitte nächsten Jahres die ersten internetfähigkeiten Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein.


Auto- und Telekommunikationsunternehmen geben Meinung ab

Auch die Auto- und Telekommunikationsunternehmen haben sich inzwischen eingeschaltet. Verschiedene Hersteller erwarten eine zeitnahe Entscheidung der EU-Exekutive bezüglich der Förderung von vernetzten Fahrzeugen. Der erste konkrete Vorschlag wird für Herbst erwartet. Dann möchte die EU-Kommission die neuen Rechtsvorschriften präsentieren, mit denen die Technologiefortschritte im Sektor der vernetzten Fahrzeuge beschleunigt werden sollen.
Problematisch ist, dass die Debatte einen Streit zwischen Auto- und Telekommunikationsbranche entfacht hat. Einige Automobilhersteller setzen sich für den Einsatz von V2V–Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation via Satellit ein. Hierfür kommt die klassische Wifi-Verbindung zum Einsatz, die jedoch nicht die notwendige Reichweite hat, um einen unterbrechungsfreien Einsatz zu gewährleisten.
Autofirmen argumentieren dennoch, dass Wifi die richtige Wahl sei. Die Begründung: der Standard ist bereits etabliert und kann nahtlos mit bestehenden Online-Unterhaltungs- oder Sicherheitsfunktionen verbunden werden.

Die Telekommunikationsbranche spricht sich für den Einsatz von 5G aus. Bekannte Anbieter meinen, dass Wifi überholt sei und spätestens in einigen Jahren nicht mehr für die sich rasant entwickelnden Autos der Zukunft ausreiche.
Stattdessen wird die C-V2X-Technologie empfohlen, die zu den zukünftigen 5G-Netzen hinführen soll. Die 5G-Technologie wird aktuell getestet und könnte bereits bis 2025 europaweit eingesetzt werden. Die Technologie-Sparte der Kommission hat jüngst beschlossen, die 5G-Netze in den kommenden Jahren auszubauen. Dennoch möchte man sich im EU-Rat nicht auf eine Technologie beschränken.


Mehrere Alternativen als technologieneutrale Lösung

Wie die EU-Kommission angekündigt hat, möchte man auch zukünftig „technologieneutral“ bleiben. Das umfasst Regelungen, die Hersteller dazu verpflichten, sowohl Wifi als auch 5G in künftige Systeme zu integrieren. Andy Hudson, Leiter des Geschäftsbereichs Politik der Verkehrs-Lobby GSMA, hat sich ebenfalls für einen Kompromiss ausgesprochen. „Regulatorische Vorurteile“ müssten vermieden werden, so Hudson, damit keine bestimmte Technologie bevorzugt behandelt wird. Gleichzeitig spricht sich die GSMA für 5G als Basis für vernetzte Fahrzeuge aus.
Die Telekommunikationsbranche wehrt sich gegen diesen Vorschlag und hat bereits mitgeteilt, die angedachten finanziellen Mittel für den Ausbau von 5G-Netzen nicht zur Verfügung zu stellen, sollte man sich im EU-Rat für Wifi als künftigen Standard entscheiden.