Der französische Luftfahrtkonzern Air France strudelt nach dem Rücktritt seines Vorstandschefs immer weiter in die Krise. Der offene Kampf mit den Angestellten und eine unsichere Zukunft über die Zusammenarbeit sorgen dafür, dass die Position der Airline immer ungewisser wird. Nach einem Referendum unter der Belegschaft muss sich nun auch der französische Staat einschalten, um wenigstens die offenen Feuer möglichst schnell löschen zu können. Gleichzeitig erschweren gleich mehrere Faktoren eine Lösung der Situation.


Kampf um die Löhne bei Air France

Für das Jahr 2017 hat der Konzern einen erneuten Rekordgewinn bekanntgegeben. Das war einer der Gründe, dass die Belegschaft einen Anteil am Kuchen forderte und sich dafür entschied, in einen Arbeitskampf mit dem Management zu gehen. Die Forderungen liegen momentan bei einer Erhöhung der Löhne um 14 Prozent. Eine besondere Rolle nimmt dabei, wie so oft, die Gewerkschaft der Piloten, SNP, ein. Sie haben den Arbeitskampf begonnen und dem Management den offenen Kampf um höhere Löhne erklärt.

Die Situation ist gleich aus mehreren Gründen kurios: Zwar hat Air France in der Tat einen Rekordgewinn erwirtschaftet - ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart aber andere Probleme. Die Rentabilität der Airline liegt noch immer weit unter den Zahlen der größten europäischen Konkurrenten wie British Airways oder Lufthansa. Zudem erschweren die Handlungen des Managements die Verhandlung. Während man den Angestellten anfänglich nur einen Prozent Lohnsteigerung angeboten hat, hat man sich im Management und im Vorstand die Bezüge um bis zu 20 Prozent erhöht. Verständlich, dass die Angestellten nur wenig Verständnis haben.


Rücktritt des Vorstands und Einmischung der Politik

Schließlich war es ein Referendum unter den Angestellten, das zum Rücktritt des Vorstands in der Airline geführt hat. Dieser hatte, stellvertretend für den Konzern, eine Erhöhung der Bezüge um sieben Prozent für die nächsten vier Jahre angeboten. Davon sollten zwei Prozent direkt ausgezahlt werden. Bei der Abstimmung, die die Gewerkschaft unter der Belegschaft arrangiert hat, gab es schließlich keine Mehrheit für den Entwurf was zum Rücktritt von Jean-Marc Janaillac führte. Nun steht Air France ohne eine wirkliche Führungsfigur da. Es gibt keinen Plan für den Übergang und nach 22 Monaten gibt es auch keinen geeigneten Kandidaten, der die vakante Stelle im Konzern direkt übernehmen könnte. Zwar könnte Anne-Marie Idrac, die ehemalige Chefin der Staatsbahn, diese Rolle übernehmen - angesichts ihrer eher mäßigen Erfolge im Transportbereich sind die Experten allerdings skeptisch ob der möglichen Anwerbung.

Auch die Politik mischt sich inzwischen in die zugespitzte Situation ein. Sie hält noch immer einen Minderheitsanteil an Air France und hat natürlich ein Interesse daran, dass es nicht zu weiteren Streiks bei der Airline kommt. Der Minister für Wirtschaft findet scharfe Töne und weist die Streikenden darauf hin, dass sich die Zeiten verändert hätten und man in der heutigen Zeit nicht mehr darauf hoffen kann, dass Air France für jeden Mitarbeiter einen Rettungsschirm aufspannt.

Alles in allem bleibt die Lage bei der Airline ungewiss. Sollte man nicht zu einer Klärung kommen und die Zahlen in der nächsten Zeit verbessern, könnte der Abstand zu der Konkurrenz aus Deutschland und England noch größer werden.