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The Digital Leaders Fund5 MIN LESEDAUER12.11.2018

Amazon Aktie: 4 Gründe warum ein Investment jetzt sinnvoll ist

Der Internet-Riese Amazon hat kürzlich seine Quartalszahlen zum dritten Quartal 2018 veröffentlicht. Warum das Unternehmen auch nach rasanten Kurszuwächsen und jüngsten Rücksetzern jetzt ein Investment ist, erfahren Sie im Beitrag...

Keiner gibt gerne zu, Unrecht zu haben.

Im Alltag eines Investors gibt es zwei wesentliche Situationen, in denen es wichtig ist, dass man sich selbst und anderen gegenüber offen eingesteht, wenn man eine falsche Entscheidung getroffen hat:

Einerseits ist Disziplin gefragt, wenn es darum geht, Fehlinvestitionen glattzustellen und Verluste zu realisieren.

Fast genauso schmerzhaft sind entgangene Gewinne.

Und genau darum geht es in diesem Beitrag: Denn wir haben uns im Laufe der letzten 20 Jahre immer wieder mal mit Amazon beschäftigt und war dennoch leider viel zu kurz in der Aktie investiert.

 

Verpasste Chancen

Zunächst waren wir nach dem IPO der Amazon Aktie in 1997 viele Jahre lang skeptisch aufgrund der immer neuen Investitionsoffensiven, die in den ersten 10 Jahren zwar ein imposantes Umsatzwachstum – aber keine nachhaltigen Gewinne brachten.

Vor allem die branchenbedingt schwache Bruttomarge eines Online-Retailers von circa 20 Prozent war für uns bis 2006 nicht attraktiv genug – auch wenn uns die immer dominanter werdende Marktposition von Amazon und die damit entstehenden Netzwerkeffekte natürlich klar waren.

Dann wurde in 2006 die Erfolgsgeschichte Amazon Web Services (AWS) gestartet und wir waren nicht mutig genug, hier zuzugreifen.

Ab 2008 war schon gut sichtbar, dass Amazon in der Lage sein würde, mit AWS die dominante Public Cloud Infrastruktur-Plattform zu erschaffen.

Aber die Amazon Aktie war uns seitdem immer zu teuer und auch eine 30 Prozent-Korrektur vor circa drei Jahren haben wir seinerzeit verpasst.

 

Besser spät als nie

Aktuell aber kommen mindestens 4 Dinge zusammen, die uns überzeugt haben, jetzt doch noch in Amazon zu investieren.

Und alle diese Gründe haben nur indirekt etwas mit dem Kerngeschäft E-Commerce zu tun.

 

Grund 1: Amazon Web Services

Die vielleicht beste Entscheidung, die Jeff Bezos jemals getroffen hat war, die eigenen Erfahrungen beim Betrieb großer Rechenzentren an Kunden zu verkaufen und Amazon Web Services zu gründen.

Seitdem ist AWS nicht nur First Mover, sondern auch unangefochtener Marktführer bei Infrastruktur-Services in der Public Cloud.

Der AWS Umsatz betrug in den letzten 12 Monaten $23,3 Milliarden und wuchs zuletzt immer noch um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das sind jetzt immerhin schon 11 Prozent des Amazon Gesamtumsatzes.

 

Amazon Gründer und CEO Jeff Bezos (Bild: AboutAmazon)

 

Dieses Infrastructur-as-a-Service (IaaS)-Geschäft arbeitet mit operativen Margen von jetzt über 30 Prozent. Tendenz weiter steigend.

Der operative Gewinn aus diesem Segment wuchs zuletzt um über 75 Prozent und beträgt nun schon mehr als $2 Milliarden in einem einzigen Quartal – das sind aktuell mehr als 50 Prozent des gesamten operativen Amazon-Gewinns.

Die Größe des Public Cloud Marktes soll sich bis 2021 in etwa verdoppeln.

Wir gehen davon aus, dass AWS seinen Marktanteil sowie die 30 Prozent operative Marge verteidigen kann.

Das wären dann bis 2021 ein operativer Gewinn von circa $15 Milliarden pro Jahr.

Die weitere Phantasie in AWS liegt darin, dass Amazon sich entscheiden könnte, mittelfristig nicht nur Infrastruktur-Services in der Cloud, sondern auch die Software-Applikationen der nächsten Generation anzubieten.

Aufgrund seiner führenden Stellung und Kundenbeziehungen wäre AWS prädestiniert dafür, auch ein Application-Softwareriese zu werden.

Wir erwarten den Eintritt in diesen lukrativen Markt irgendwann im Laufe der nächsten Jahre durch eine oder mehrere Akquisitionen.

Einige SaaS-Anbieter im Portfolio des DLF könnten wir uns gut unter dem AWS-Dach vorstellen.

MongoDB (Beitrag zur MongoDB Aktie) oder Nutanix (zum Beitrag über die Nutanix Aktie) wären da beispielsweise möglich.

 

Grund 2: Das Advertising Business

Erst seit relativ kurzer Zeit ist Amazon ernsthaft im digitalen Werbemarkt aktiv.

Es ist offensichtlich, dass die Amazon-Plattform eine großartige Werbeplattform ist, denn dort finden 50 Prozent aller Produkt-Suchen statt, wenn man den Marktforschern glauben darf.

Über die Zahlen dieses Online Advertising Segments wird derzeit leider nicht detailliert berichtet.

Diese finden sich nur etwas versteckt unter „Other“ im Quartalsbericht.

Danach kann man davon ausgehen, dass Amazon in den kommenden 12 Monaten bereits über $10 Milliarden Umsatz im Advertising-Business machen wird – das ist damit der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich.

Amazon hat also bereits 4 Prozent Marktanteil im heute circa $250 Milliarden großen Online-Werbe-Markt.

Derzeit sieht es ganz danach aus, als sollte Amazon sich in den kommenden Jahren zu einem Herausforderer von Google und Facebook in deren Kerngeschäftsfeldern entwickeln.

 

Amazon Headquarters in Seattle.

 

Die beiden haben dort heute 37 Prozent beziehungsweise 20 Prozent Marktanteil.

Amazon ist mit seinen bescheidenen 4 Prozent Anteil bereits heute der drittgrößte Player im Online Werbemarkt.

Wir gehen davon aus, dass dieser Amazon-Anteil in den nächsten Jahren auf 8 Prozent verdoppelt werden kann.

Das wäre dann in einem mit 15 Prozent pro Jahr wachsenden Markt ein Advertising-Umsatz von $32 Milliarden bis 2021.

Und das Beste daran: dieses Geschäft sollte sogar noch profitabler sein als das AWS Cloud-Computing Business.

Die Analysten von Piper Jaffray sehen eine unglaublich anmutende operative Marge von 75 Prozent.

Selbst wenn man konservativ von nur 40 Prozent ausgeht, dann wäre das in 2021 ein operativer Gewinn von circa $13 Milliarden aus dem Advertising-Business.

 

Grund 3: Das Subscription Business

Ebenfalls etwas versteckt in den Geschäftsberichten findet sich das um mehr als 50 Prozent gegenüber Vorjahr wachsende Geschäft mit Subskriptionen.

Dahinter verbergen sich die wiederkehrenden Abo-Gebühren, die zum Beispiel für Amazon Prime Mitgliedschaften, die aufpreispflichtigen Video-Channels oder Amazon Music fällig werden.

Das sind in 2018 bereits circa $14 Milliarden Umsatz.

 

Amazon Prime bietet den Subscribern eine große Anzahl an Vorteilen. (Bild: Amazon Presse)

 

Leider sind detaillierte Zahlen zur Profitabilität dieses Umsatzstroms nicht bekannt.

Sicherlich belastet die erhebliche Investition in eigenen Content (zum Beispiel Filme und Fernsehserien) dieses Geschäft.

Einen groben Anhaltspunkt für den Wert dieses Geschäftes liefert ein bekannter Konkurrent: Netflix macht in etwa gleich viel Umsatz und wird derzeit mit einem Enterprise Value von $140 Milliarden bewertet…

 

Grund 4: Die Bewertung nach dem Amazon Kurs-Rücksetzer

Wir sind keine Freunde von der Berechnung konkreter Kursziele für die Aktien unserer Digital Leaders.

Denn solche Kursziele gaukeln den Anlegern – und auch den Analysten selbst – eine gewisse Sicherheit vor, die es in den dynamischen Zukunftsmärkten einfach nicht gibt.

Dennoch haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wie sich der Wert von Amazon entwickeln wird in den nächsten Jahren.

Die hochmargigen Geschäfte AWS und Advertising dürften bis 2021 einen operativen Gewinn von $15 Milliarden + $13 Milliarden = $28 Milliarden erwirtschaften.

Es ist anzunehmen, dass diese gut planbaren und wohl in 2021 immer noch zweistellig wachsenden Umsatzströme dann zum 20-fachen des operativen Gewinns bewertet werden, das wären dann circa $560 Milliarden.

Den Wert des Subskriptions-Geschäftes in 2021 setzen wir (in Anlehnung an den aktuellen Netflix-Wert) und unter Annahme einer 15 Prozent-Steigerung pro Jahr mit $210 Milliarden an.

Nach dem Kursrückgang der Amazon Aktie auf aktuell 1.620$ wird der Online-Riese derzeit mit einem EV von knapp $800 Milliarden bewertet.

Das heißt in 3 bis 4 Jahren könnten alleine AWS, das Ad-Business und das Subskriptions-Geschäft den heutigen Wert in etwa rechtfertigen.

Das riesige – aber weniger profitable – E-Commerce-Business und alle anderen zukünftigen Geschäftsfelder (zum Beispiel neue AI-basierte Dienste rund um Amazon Alexa) kommen dann on top.

 

Kursrückgang in den vergangenen drei Monaten auf aktuell 1.620$. (Chart: Finanztreff)

Fazit

Für uns bedeutet diese sicherlich stark vereinfachte Sum-of-the-Parts-Rechnung, dass wir jetzt damit beginnen, eine erste Amazon-Position für das Portfolio des DLF aufzubauen.

Es ist dennoch gut möglich, dass die Amazon Aktie nochmals deutlich nachgibt, falls der Gesamtmarkt weiter schwächelt.

Gerade die Amazon Aktie ist hochvolatil und hat schon mehrfach in ihrer Erfolgsgeschichte noch viel deutlicher korrigiert.

Von 1999 bis 2001 war die Aktie im Zuge des Dotcom-Crashs um mehr als 90 Prozent gefallen.

2008 hat sie über 60 Prozent ihres Wertes verloren.

Daran sieht man, wie weit sich der Preis der Amazon Aktie vom inneren Wert des Anteils in der Realität entfernen kann.

Ich glaube aufgrund der mittlerweile viel breiteren Aufstellung Amazons nicht, dass derartige Kursverluste heute noch möglich sind.

Denn das Unternehmen dominiert gleich mehrere der lukrativsten Märkte der Welt.

Aber ein weiterer deutlicher Kursrutsch ist aufgrund des immer noch hohen aktuellen KGVs von über 60 jederzeit möglich.

 

 

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