Binnen 180 Tagen müssen Unternehmen ihren Handel mit Iran abgewickelt haben, ansonsten greifen Sanktionen. Diese Forderung verdeutlicht das amerikanische Außenministerium und ebenso der US-Botschafter Richard Grenell.

Amerika setzt einseitige Aufkündigung des Iran-Abkommens durch. Nach dem erreichten Ziel wurden die Nuklearsanktionen vertragsgemäß stillgelegt. Die wieder aktivierten Sanktionen treffen hauptsächlich nicht-amerikanische Unternehmen, gab Embargo-Experte und Rechtsanwalt Erich Ferrari preis. Amerikanische Sanktionen betreffen dadurch vorrangig deutsche Unternehmen, die den Forderungen aus Washington nicht nachkommen. Die Sanktionen geben vor, jene Unternehmen auf eine Liste zu setzen, mit denen die amerikanischen Unternehmen keinen Handel eingehen dürfen. Dadurch wären die betroffenen Unternehmen von sämtlichen Dollargeschäften ausgegrenzt. Es sei selten möglich, sogenannte "sekundäre Sanktionen" durchzusetzen sagt Ferrari: Normalerweise halten sich nicht-amerikanische Firmen an die Vorgaben der Vereinigten Staaten. Wohingegen zu früheren Zeiten die deutsche Ausfuhr nach Iran nur rund 0,2 Prozent entsprach, wuchs der Export seit dem Jahr 2015 stetig an. Diese Export-Zunahme ist auf die Lockerungen der Sanktionen und den Abschluss des Atomabkommens zurückzuführen und machte sich besonders in den letzten zwei Jahren bemerkbar. Der Export betrug im Jahr 2017 bereits 16 Prozent und entsprach dadurch einem Betrag von circa 3 Milliarden Euro.

Die Wirtschaftsverbände DIHK und BDI raten der Bundesregierung und EU, die Export-Geschäfte zu schützen. "Die Aussichten seien hingegen zum Vorjahr getrübt", bekundete BDI Präsident Dieter Kempf. Sollten sich die EU und weitere Partner auf das Abkommen berufen, können die Forderungen seitens der Vereinigten Staaten bedeutende Folgen im Bezug auf den Export-Handel mit sich bringen. Europäische Großbanken mit Amerika-Geschäft hatten bereits Kredite für Iran-Geschäfte abgelehnt. BDI-Präsident betonte: "Auf Unternehmen mit Iran-Geschäften erhöht sich der Druck der amerikanischen Regierung dramatisch". Die Wirtschaftsverbände rufen dazu auf, sich an die Forderungen zu halten. Die Vereinigten Staaten seien das einzige Land, welche "sekundäre Sanktionen" vorsieht und auch umsetzen wird. Dadurch fürchten sich die Wirtschaftsverbände um den gerade in Schwung gekommenen Handel.

Der Maschinenbauverband VDMA schätzt die Lage allerdings noch weniger riskant im Bezug auf die Forderungen ein: "Solange die Sanktionen gegen Iran seitens der EU nicht wieder aktiviert werden, sind legale Iran-Geschäfte für die deutsche Wirtschaft weiterhin möglich", meinte Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Die deutschen Maschinen-Exporte betrugen im vergangenen Jahr rund 900 Millionen Euro. Allerdings wäre die Maschinenbau-Branche durch eine Umsetzung der Forderungen seitens Amerikas besonders betroffen. Zudem sind die Forderungen ebenso nicht auf die Maschinen-Branche zu beschränken. Sollten die amerikanischen Sanktionen durchgesetzt werden, haben zudem Siemens, Airbus, BASF und PSA mit deutlichen Einbußen zu rechnen.