Aktien sind volatil, bei Renten weiß man nicht, wohin die Reise geht, Immobilien sind sowieso zu teuer und AIF (vulgo: geschlossene Fonds) stehen bei Anlegern oftmals in keinem guten Licht. Wohinein also die Vermögen stecken? Die Lösung scheint einfach: Eine gesunde Mischung verschiedener Assetklassen – Multi Asset eben.

„Multi Asset hat sich in den vergangenen Jahren bei vielen unserer Kunden ganz klar zum Kern ihrer Vermögensanlage entwickelt“, sagte Sandra Sonnleitner von Allianz Global Investors vor rund einem halben Jahr in einem Beitrag auf „Das Investment“. Der Allianz Global Investors-Studie „Die Odysseus-Strategie der Kapitalanlage“ zufolge haben Multi Asset-Fonds enorm an Bedeutung gewonnen. Zwischen 2002 und 2017 belief sich der europaweite Zufluss auf 870 Milliarden Euro. Übrigens stammt etwa jeder vierte Euro davon aus Deutschland. In der Fondsstatistik (Stand 31. August) des BVI Bundesverband Investment und Asset Management nehmen Mischfonds den zweiten Platz ein: Mit einem Gesamtvolumen von 285 Milliarden Euro liegen sie weit vor den Rentenfonds (206 Milliarden Euro). Wie die Allianz-Studie feststellt, werden Multi-Asset-Produkte von den Anlegern sehr gezielt als eigenständiges Anlagevehikel wahrgenommen.

„Tatsächlich ist dies mit Blick in die Vergangenheit auch nachvollziehbar. Anteilseigner von Mischfonds konnten viele Jahre nicht allzu viel falsch machen. Deren Renditen bewegten sich stabil bei einigen Prozent jährlich, selbst in schwachen Jahren auf Aktienseite, da sie einen Anteil von 40 bis 50 Prozent Staats- und Unternehmensanleihen hielten. Die Zinsentwicklung der letzten Jahrzehnte bescherte diesen Depots viele Jahre einen Performance-Beitrag von vier bis sieben Prozent pro Jahr“, sagt Dr. Martin Stötzel, Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf).

Nur: Damit ist es jetzt vorbei, mahnt der Vermögensverwalter. Seit dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche Rendite deutscher Staatsanleihen von 5,4 Prozent auf die aktuelle Umlaufrendite von 0,36 Prozent gefallen. Ende des Sommers waren es sogar nur 0,14 Prozent. Problematisch sei laut Martin Stötzel, dass ein kurzfristiger Zinsanstieg die Rendite nachhaltig beschädigen werde. Er macht dies am Beispiel fünfjähriger Anleihen fest. Steigen diese nur um ein Prozent, bedeutet dies aktuell einen Kursverlust von knapp fünf Prozent für die Rentenpapiere. Das wird die Rendite vieler Mischfonds negativ beeinflussen – zumal viele Multi Asset-Konzepte sogar eher noch in wesentlich riskantere Staatsanleihen als deutsche investiert sind. „Man muss nur an Italien nach den Wahlen im Mai zurückdenken: Italienische zehnjährige Staatsanleihen verloren in kurzer Zeit rund zehn Prozent“, erinnert Martin Stötzel.

Was also tun? Auch Mischfonds mit Verdammnis belegen und auf das nächste Produkt warten? Natürlich nicht. „Mischfonds sind weiterhin ein wichtiges Instrument für Anleger, mit einem Produkt eine breite Diversifikation herzustellen. Fondsmanager sind aber natürlich gefragt, durch eine differenzierte Anlagepolitik in den verschiedenen Assetklassen tragfähige Ergebnisse zu gewährleisten – auch in den sich verändernden Rahmenbedingungen mit volatilen Aktienmärkten und unsicheren Aussichten bei Anleihen“, sagt Marco Bätzel, Vermögensverwalter bei WBS Hünicke in Düsseldorf und Mischfonds-Manager („Strategie Welt Select“). Für ihn bleiben Mischfonds ein wesentliches Investment für Vermögensverwalter und Selbstentscheider. „Investoren profitieren von einem Multi Asset-Konzept, eben weil sie mit einem Produkt mehrere Assetklassen abdecken können. Das verhindert unter anderem Fehler wie die Home Bias oder Herdenverhalten.“

Neben den typischen Maßnahmen der Geldanlage (fundamentale Analysen in Kombination mit technischer Chartanalyse) sieht Marco Bätzel vor allem eine professionelle Absicherung im Mittelpunkt, um die Ergebnisse von Mischfonds zu sichern. Ein Beispiel: das Schreiben einer Call-Option, um das Verlustpotential des Aktienanteils abzufedern. Bätzel erklärt: „Als Verkäufer einer Kaufoption erhalte ich eine Prämie, sobald ich das Geschäft abschließe. Ich verkaufe also zum Beispiel bei einem aktuellen Dax-Stand von 11.723 Punkten eine Option mit Laufzeit bis 21. Dezember auf einen Basispreis von 11.800 Punkten. Dafür erhalte ich sofort eine Prämie in Höhe von 270 Euro pro Option. Sofern der Dax an dem Stichtag unter 11.800 Punkten liegt, verfällt die Option wertlos. Damit können Verlustrisiken abgemildert werden.“

Auf der anderen Seite warnt Vermögensverwalter Stötzel vor einem generellen „Weiter so“. „Der klassische Mix aus Dividendentiteln und Rentenpapieren beschert kein breit gestreutes, krisenfestes Portfolio mehr. Das sehen wir momentan ganz massiv. Daher stehen vermehrt Alternativen im Fokus, etwa marktneutrale Konzepte.“ Dieses Vorgehen setzt auf von der Börsenentwicklung unabhängige, alternative Strategien und kann insbesondere in Crash-Zeiten, wie bei starken Zinsanstiegen, Verluste für das gesamte Depot vermeidet. Dabei setzen Fondsmanager auf Long-Short- oder Arbitrage-Strategien sowie Ansätze, die systematisch Prämien einsammeln wollen, etwa bei Wechselkursen von Währungen.

Übrigens: Den eigenen Mischfonds „Balanced Smart Global“ stabilisieren die Rhein Asset-Manager mit kurzlaufenden Anleihen und Garantieprodukten, ausgewählte Zertifikate wiederum sollen für Rendite auch bei Unsicherheiten an den Märkten sorgen.