Blackrock ist die größte Fondsgesellschaft der Welt und verwaltet insgesamt etwa 6,4 Billionen Dollar. In Deutschland hält Blackrock Beteiligungen an allen Dax-Unternehmen und ist größter Einzelaktionär an der Deutschen Börse. International dominant ist das 1988 in New York gegründete Unternehmen beim Handel mit ETFs (Exchange-Traded-Funds).

Wegen des großen Einflusses von Blackrock bei Privatfirmen und Notenbanken ist das Unternehmen wiederholt in die Kritik geraten.


Der Verdacht: Cum-Ex-Geschäfte

Die Staatsanwaltschaft Köln hat den Verdacht, dass Blackrock zumindest im Zeitraum von 2007 bis 2011 sogenannte Cum-Ex Geschäfte betrieben hat, welche die Staatsanwaltschaft als eine Form der Steuerhinterziehung wertet.

 

Cum-Ex Geschäfte: Doppelte Gutschriften

Ein solches Geschäft wird auch als Dividendenstripping bezeichnet und benötigt drei Marktteilnehmer. Es funktioniert so:

    Schritt 1: Marktteilnehmer 1 besitzt Aktien einer an einer deutschen Börse gehandelten AG.
    Schritt 2: Marktteilnehmer 2 kauft Aktien mit Dividendenanspruch (Cum Dividende) der AG für den gleichen Betrag, den 1 besitzt, von   Leerverkäufer 3
    Schritt 3: Marktteilnehmer 1 erhält eine Dividende abzüglich der Kapitalertragssteuer und eine Steuerbescheinigung, mit der er sich die Steuer   zurück holen kann.
    Schritt 4: 1 verkauft seine Aktien an 3, ex Dividende
    Schritt 5: Investor 3 liefert die Aktien zuzüglich der Nettodividende an 2
    Schritt 6: 2 bekommt eine Steuerbescheinigung über die Höhe der Kapitalertragssteuer von der ausländischen Depotbank, die nicht weiß, ob   schon Steuern von der Dividende abgezogen sind. Dabei wird nicht zwischen einer Kompensationszahlung und einer Dividende unterschieden.
    Schritt 7: 2 verkauft die Aktien an Investor 1


1 und 2 haben jeweils eine Steuerbescheinigung erhalten, mit der sie sich den doppelten Betrag der Kapitalertragssteuer zurückerstatten lassen können. Ausländische Banken sind nicht zum Kapitalertragssteuereinbehalt verpflichtetet und so kann sich der Staat seinen Verlust nicht zurück holen.

Den Gewinn teilen sich die drei Beteiligten. Da nur Fonds und Banken die gezahlten Steuern erstattet bekommen, sind alle Beteiligten solche Institutionen.
Waren bislang vor allem Banken im Visier der staatlichen Stellen, so besteht nun offenbar gegen Blackrock ein Verdacht gegen einen Fonds.


Effekte

Die Nachrichten haben bei den Aktionären bislang keine nennenswerte Unsicherheit ausgelöst, der Kurs der Blackrock-Aktie zeigt sich am Dienstag ohne Zeichen einer Stimmungseintrübung.
Weit mehr kurzfristige Auswirkungen könnten die Ermittlungen auf die deutsche Politik haben.

Mit dem angekündigten Rückzug von der Parteispitze der CDU hat Angela Merkel einen Wettkampf um den Posten ausgelöst. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten dafür schien der in konservativen und wirtschaftsfreundlichen Gruppen beliebte Friedrich Merz zu sein, der sich über Jahre weitgehend aus der Politik zurückgezogen hatte, um diverse Aufsichtsratsposten auszuüben.

Merz ist seit 2016 Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland und wird zu den Ermittlungen Stellung beziehen müssen. Da Merz zur fraglichen Zeit nicht bei Blackrock angestellt war, kann ihm höchstens unterstellt werden, trotz besseren Wissens über frühere Fehler des Konzerns geschwiegen zu haben. In einem möglicherweise engen Rennen um den CDU-Vorsitz könnten auch schwer zu belegende Anschuldigungen das Ergebnis verändern. Merz hatte sich erst vorige Woche von Cum-Ex-Geschäften distanziert, ob dies ausreicht, wird sich zeigen.