Seit der Finanzkrise sind Banken und Finanzdienstleister bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Das verdeutlicht ein Blick auf den Aktienindex STOXX 600 Banken. Während der Dax in den vergangenen zehn Jahren rund 150 Prozent zulegte und der EuroStoxx 50 zumindest noch mit etwa 40 Prozent im Plus liegt, hat der Bankenindex in diesem Zeitraum rund 24,5 Prozent verloren. Gründe für die Skepsis, die Anleger den Geldhäusern seit 2007 entgegenbringen, gibt es reichlich. Da sind zum Beispiel die faulen Kredite der europäischen Kreditinstitute. Insgesamt belaufen sich diese laut der Europäischen Bankenaufsicht und des Bundesfinanzministeriums auf 813 Milliarden Euro, wobei ein erheblicher Teil davon wiederum auf den Immobiliensektor zurückzuführen sei. Ein im historischen Vergleich hoher Wert.

Dabei sind zwar vor allem die Banken in Südeuropa betroffen. Schätzungen zufolge hätten beispielsweise Italiens Kreditinstitute fast 187 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Krediten in ihren Büchern. In Griechenland seien 44,9 Prozent aller Kredite notleidend. Aber auch in den anderen Ländern ist nicht alles in Butter. Laut dem Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde vom Herbst vergangenen Jahres könnten auch einige deutsche und britische Banken im Fall einer schweren Konjunkturkrise Schwierigkeiten bekommen.

 

Deutliche Verbesserungen in Europas Bankensektor

„Grundsätzlich müssen Investoren im Bankensektor noch immer sehr genau hinsehen, in wen sie dort investieren“, erklärt Huw Davies, Investment Director für festverzinsliche Wertpapiere bei Merian Global Investors. „Allerdings hat sich bei den europäischen Kreditinstituten insgesamt schon einiges ganz erheblich verbessert, und sie bieten noch sehr attraktive Gelegenheiten und zwar vor allem bei CoCo-Bonds, wenn man diese gründlich analysiert.“ Die Verbesserung bestätigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young vom März vergangenen Jahres. Die Experten haben darin die jeweils zehn größten Geldhäuser in den USA und in Europa miteinander verglichen.

Demnach haben die amerikanischen Geldhäuser zwar ihr Eigenkapital stärker aufgestockt als ihre europäischen Pendants, sie verfügen insgesamt über höhere Eigenkapitalquoten, liefern eine höhere Return on Equity und konnten 2017 einen doppelt so hohen operativen Gewinn ausweisen. Die Studie zeigt aber auch deutliche Verbesserungen im europäischen Bankensektor auf. Demnach haben die zehn größten Kreditinstitute auf dem alten Kontinent ihre Bilanzsumme insgesamt seit der Finanzkrise bis Ende 2017 bereits um rund 1,2 Billionen Euro reduziert.

Zugleich hat sich die Eigenkapitalquote von etwa drei auf sechs Prozent im gleichen Zeitraum verdoppelt, ebenso wie der Nettogewinn, während der Return on Equity von 4,6 auf 5,2 Prozent geklettert ist. „Und die Kernkapitalquote Tier 1 lag damals im Schnitt bei unter sechs Prozent, heute sind es 13,5 Prozent“, ergänzt Experte Davies. „Diese Zahlen bestätigen, dass wir es heute mit einer deutlich veränderten Bankenlandschaft in Europa zu tun haben.“

 

Gründliche Analyse ist unerlässlich

„Das Bild von aufgeblähten Bankbilanzen und von der Fokussierung der Kreditinstitute auf risikoreiche – aber potenziell margenstarke – Geschäfte spiegelt nicht die Realität der Unternehmen wider, zu denen sich viele Banken in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben“, stellt Davies fest. „Tatsächlich sind die Bilanzen in vielen Fällen radikal geschrumpft, und die Vermögenswerte, die Banken halten, sind nicht mehr so hoch riskant wie vor der globalen Finanzkrise, sondern bestehen jetzt aus einer eher traditionellen Mischung aus Kerneinlagen und Darlehn.“

Infolgedessen seien die Geldhäuser in vielen Fällen wie Versorger aufgestellt, die notwendige, aber letztlich nicht sehr aufregende Dienstleistungen mit viel stabileren Einnahmeströmen erbringen. „Natürlich“, erläutert der Experte, „müssen Sie sich jede einzelne Bank sehr genau ansehen, aber es ist nicht mehr so, dass Sie diesen Sektor komplett ignorieren sollten.“ Dabei seien seiner Ansicht nach besonders CoCo-Bonds interessant. Denn sie profitieren zum Beispiel von den verbesserten Bilanzkennzahlen. „Dadurch ist der Puffer zum Auslöser, der zu einer Abschreibung oder Wandlung in Aktien führen würde, bei einigen Banken deutlich gestiegen.“

Ein positives Beispiel ist die Royal Bank of Scotland (RBS). Sie stand in der globalen Finanzkrise wohl vor einigen der größten Herausforderungen aller großen Banken. „Ein Jahrzehnt später verfügt die Bank über eine Bilanz, die kaum noch den früheren Zustand erahnen lässt“, so Davies. Zudem sei die RBS in die Gewinnzone zurückgekehrt und habe deutliche Fortschritte bei der erklärten Priorität, nämlich sich zu vereinfachen, gemacht. Anleger sollten deshalb ihr Bild von Europas Banken kritisch überprüfen und sich nicht nur auf die während der Finanzkrise aufgebaute Wahrnehmung verlassen. Sie dürften dann vielleicht zu der Erkenntnis kommen, dass es Vorteile haben kann, auf CoCos fokussierte Anlageprodukte ihrem Portfolio beizumischen.

 

Bisher erschienen:

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 1: CoCo-Bonds sind zu kompliziert


 

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21.06.2019
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